Tobias Wagner, Berufskraftfahrer, Unternehmer und Content Creator unter dem Namen Elektrotrucker mit über 160.000 Followern, plant eine Weltumrundung mit einem batterieelektrischen Lkw. Gemeinsam mit Mercedes-Benz Trucks soll der eActros 600 eine Route von rund 45.000 Kilometern durch mehr als 35 Länder absolvieren – und das mit maximal 80 Ladevorgängen. Nach aktuellem Kenntnisstand wäre es die erste Weltumrundung mit einem rein elektrisch angetriebenen Lkw. Der Start ist für den Herbst geplant, die gesamte Expedition soll etwa ein Jahr dauern.
Das Basisfahrzeug lief Mitte April im Mercedes-Benz Werk Wörth am Rhein vom Band – ein 4×2-Pritschenfahrzeug mit einer Batteriekapazität von über 600 Kilowattstunden. Derzeit wird der Lkw für das Projekt umgebaut: Zu den Modifikationen gehören eine Ersatzradhalterung mit integrierter mobiler Ladeeinrichtung, eine Einzelbereifung sowie Zusatzscheinwerfer an der Front. Den Abschluss bildet ein speziell entwickelter Wohnmobil-Aufbau des Herstellers Bliss Mobil, der als mobile Basis für die Reise dienen soll. Das fertige Expeditionsfahrzeug wird voraussichtlich im Frühsommer der Öffentlichkeit präsentiert – eine erste Vorstellung ist auf der Messe „Abenteuer Allrad“ in Bad Kissingen Anfang Juni vorgesehen.
Ein Serienfahrzeug beweist sich auf der Weltbühne
Der eActros 600 wurde für den Langstreckeneinsatz entwickelt. Vollbeladen erreicht er als 40-Tonner im Fernverkehr eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern ohne Zwischenladen. Als deutlich leichteres Expeditionsfahrzeug ohne die typische Nutzlast dürfte diese Reichweite laut Mercedes-Benz Trucks deutlich übertroffen werden – eine Voraussetzung, damit das ambitionierte Ziel von 80 Ladevorgängen auf 45.000 Kilometern überhaupt erreichbar ist.

Christian Wilz, Vorsitzender der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Trucks Deutschland, sieht in der Expedition einen praxisnahen Beleg für den Stand der Technik, aber auch einen Realitätscheck für die Infrastruktur: „Der batterieelektrische Fernverkehr ist in Europa bereits heute in vielen Regionen gelebte Praxis“, so Wilz. Gleichzeitig räumt er ein, dass „vielerorts noch die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um ihn auch flächendeckend praktikabel zu machen.“
200.000 Kilometer Erfahrung als Ausgangspunkt
Für Tobias Wagner ist das Projekt kein Sprung ins Unbekannte. Der Elektrotrucker arbeitet seit zwei Jahren hauptberuflich als Lkw-Fahrer bei der Spedition Nanno Janssen, einem Logistikdienstleister aus Leer in Niedersachsen, der seinen Fuhrpark konsequent auf Elektroantrieb umstellt. Wagner ist in dieser Zeit 200.000 Kilometer vollständig elektrisch gefahren – in 22 Ländern, mit verschiedenen Herstellern, seit Sommer 2025 auch mit dem eActros 600. „Nach unzähligen Touren durch 22 Länder weiß ich: Der E-Lkw im Fernverkehr funktioniert problemlos“, sagt Wagner. Mit der Weltumrundung wolle er nun zeigen, „dass die Elektromobilität im schweren Transport längst im echten Einsatz angekommen ist“ – in Anlehnung an Jules Verne formuliert er sein Ziel als Reise „in 80 Ladesäulen um die Welt.“

Die Route führt durch sehr unterschiedliche Regionen: von gut ausgebauten Autobahnen über lange Überlandstrecken bis hin zu abgelegenen Gebieten. Da nicht alle Regionen gleichermaßen auf batterieelektrische Lkw vorbereitet sind, erfordert die Expedition eine sorgfältige Planung. Klimatische, topografische und infrastrukturelle Herausforderungen müssen vorab berücksichtigt werden.
Die Expedition ist nach Darstellung der Beteiligten weniger als Rekordversuch angelegt denn als praktischer Praxistest: Wie weit kommt ein moderner elektrischer Fernverkehrs-Lkw unter realen Bedingungen? Welche Herausforderungen entstehen dort, wo Ladeinfrastruktur noch fehlt? Tobias Wagner will seine Follower:innen regelmäßig mit Einblicken versorgen und so eine öffentlich einsehbare Dokumentation des Projekts schaffen. Wir werden es verfolgen.
Quelle: Mercedes-Benz – Pressemitteilung / Tobias Wagner – LinkedIn









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