Mazda MX-30 zwischen Reichweite und Umweltbilanz

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Wolfgang Plank
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Im Grunde war es schon vorher klar: Mazda würde es auch dieses Mal wieder anders machen. Sonderwege mit technischer Finesse kennzeichnen seit jeher die Philosophie in Hiroshima. So boten die Japaner der Wankel-Technologie eine Heimstatt, beim Hubkolben-Motor verdichteten sie den Benziner extrem hoch, den Diesel dafür extrem niedrig – und ertüftelten schließlich den Skyactiv-X-Motor, der per Kompressionszündung die Prinzipien beider Systeme alltagstauglich vereint.

Nun also haben sie bei Mazda ein Elektroauto auf die Räder gestellt. Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal richtig. Der EX 005 von 1970 war zwar aus heutiger Sicht ein Geniestreich, kam aber damals über das Stadium eines Prototypen nicht hinaus. Und ja: Selbstverständlich fahren sie auch mit dem MX-30 im besten Sinne neben der Spur.

Mögen andere auf immer schwerere Batterien setzen und auf größere Reichweiten – in Hiroshima glauben sie an die Idee vom „Rightsizing“: Nicht üppige, aber ordentliche 200 Kilometer Radius, dafür auch einen kleineren – und deutlich billigeren – Akku. Das Ziel: Den „CO2-Rucksack“, der auf jedem E-Auto lastet, so klein wie möglich zu halten. Von den Rohstoffen bis hin zum niedrigeren Stromverbrauch durch das geringere Gewicht.

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Am Ende ist es die Öffnung zur Mitte. Der zwischen Sparen und Spanne, zwischen Umwelt und Freiraum, zwischen Verantwortung und Ego. Doch weil die allermeisten nicht annähernd 200 Kilometer pro Tag fahren (in der Stadt dürfen es durch die hohe Rekuperation sogar 265 km sein), büßen sie nicht wirklich etwas ein.

Was sie gewinnen, ist ein Auto, das sich auch an anderer Stelle zur Mitte öffnet – mit gegenläufig öffnenden Türen als Reminiszenz an den RX-8. Im SUV-Bereich eine echte Wucht. Ebenfalls eine Hommage an die eigene Geschichte: Neben Recycling-Kunststoff finden sich im Innenraum Flächen aus Kork. Exakt zur Verarbeitung dieses Materials wurde Mazda vor 100 Jahren gegründet.

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Zusammen mit dem coupéartigen Dach und den starken Schultern ist der MX-30 ein echter Hingucker. Der Platz im Fond sorgt bei größeren Insassen für etwas Demut vor dem Design, und man kann bei geschlossener Vordertür nicht aussteigen – ansonsten aber hat man auskömmlich Platz in gut gedämmter Umgebung. Bei voller Bestuhlung bleiben 366 Liter Laderaum, umgeklappt sind es fast 1,2 Kubikmeter.

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Das Cockpit irritiert ein wenig, weil man dort neben digitalen Instrumenten eigentlich keine analogen mehr vermutet – und das Display über dem Armaturenbrett auffällig flach geraten ist. Wie es schicker geht, zeigt Mazda mit der Mittelkonsole, die zum einen den großen Touchscreen der Klimasteuerung beherbergt und zum anderen den imposant wuchtigen Wählhebel. Nur die USB-Buchsen liegen ein wenig versteckt.

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Für Vortrieb sorgt ein E-Motor mit 145 PS an der Vorderachse, der sich aus einer 35,5 kWh starken Lithium-Ionen-Batterie speist. Das reicht für einen Standard-Spurt unter zehn Sekunden und Tempo 140 auf der Autobahn – bei der Testfahrt waren es sogar 148. Pfiffig: Die Energie beim Verzögern lässt sich per Lenkrad-Paddles in fünf Stufen zurückgewinnen. So kann man je nach Bedarf segeln oder schon beim Lupfen bremsen.

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Ganz große Klasse ist Mazdas Jüngster in Sachen Handling. Das wegen des kleinen Akkus geringe Gewicht von 1,65 Tonnen trägt dazu ebenso bei wie straffe Abstimmung und kluge Elektronik. Sie sorgt für eine Art künstliches Anbremsen, durch das am Kurveneingang mehr Gewicht auf der Vorderachse lastet. Nach dem Scheitelpunkt kommt durch minimale Beschleunigung Druck nach hinten. Zusammen sorgt das für Grip, Traktion – und Freude. Die Ähnlichkeit des Namens mit der Roadster-Ikone MX-5 ist durchaus kein Zufall.

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Wer dieser Versuchung zu oft erliegt, und sei es wegen des künstlichen Motorsounds, kommt den offiziellen 19 kWh auf 100 Kilometer (WLTP) natürlich nicht nahe. Werte unter 17 sind aber mit etwas Disziplin auch außerorts drin. So oder so aber ist der Saft irgendwann alle. Dann bringen 40 Minuten an der Schnellladestation den Akku auf 80 Prozent, an der Wallbox dauert die komplette Füllung knappe fünf Stunden, an der heimischen Steckdose einen halben Tag.

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Die Preise für die First Edition des Mazda MX-30 beginnen bei 33.134 Euro. Abzüglich aller Zuschüsse stehen unterm Strich aber bloß 23.654 Euro. Das ist nicht teurer als ein vergleichbarer CX-3 – und ein Argument weniger gegen Elektromobilität. Wer sich den harten Umstieg dennoch nicht so ganz traut – Anfang 2022 kommt eine Version mit Range-Extender. Ein kleiner Benzinmotor, der bei Bedarf den Akku lädt. Es ist, selbstverständlich: ein Wankel.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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