Mahle setzt globalen Standard für kabelloses Laden

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Mahle

Felix Katz
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Induktives, also kabelloses, Laden von E-Fahrzeugen ist um ein Vielfaches komfortabler – das Hantieren mit dem Kabel oder die Suche nach einer Ladesäule mit passendem Stecker entfällt. Zulieferer Mahle hat dafür ein Positioniersystem entwickelt, mit dem ein E-Fahrzeug exakt über der Ladespule im Boden ausgerichtet werden kann.

Die SAE International hat das neuartige Mahle-Positioniersystem als globale Standardlösung für kabelloses Laden gewählt. Der gemeinnützige international anerkannte Verband für den Fortschritt von Mobilitätstechnologien mit Sitz in den USA schließe damit die seit zehn Jahren offene letzte Lücke in der Standardisierung von induktivem Laden, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Unternehmens.

In der SAE International sind über 128.000 Ingenieure und Technologieexperten aus der Luft- und Raumfahrt-, Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie organisiert. Die SAE erarbeitet globale Technologiestandards, unter anderem auch die Standardisierung der Fahrzeug-Identifizierungsnummer.

Die herstellerübergreifende Lösung mache jetzt den Weg frei für die flächendeckende und schnelle Markteinführung dieser Alternative zum kabelgebundenen Laden der Batterien von E- und Hybridfahrzeugen. „Mahle setzt Standards. Die Entscheidung der renommierten SAE für unsere Technologie bestätigt die Systemkompetenz von Mahle auch in der Elektrifizierung. Das wird ein starker Impuls für die E-Mobilität“, sagte Arnd Franz, Vorsitzender der Mahle-Konzern-Geschäftsführung und CEO.

Kabelloses Laden erfordert branchenweite Standards

Das Positionierverfahren DIPS (Differential-Inductive-Positioning-System) stelle einen Paradigmenwechsel im Bereich der E-Mobilität dar, heißt es weiter. Es basiert auf einem magnetischen Feld und baut während der Annäherung des E-Fahrzeugs automatisch eine Verbindung mit dem angesteuerten Ladepunkt auf. Eine spezielle Navigation im Fahrzeugdisplay unterstützt Fahrer und Fahrerin, um das Auto in die idealen Ladeposition bewegen zu können.

Danach beginnt der Ladevorgang automatisch. Das funktioniere laut Mahle ebenso bei einem autonom einparkenden Fahrzeug, bei dem anstelle des Fahrers das Parksystem die erforderlichen Positionieranweisungen erhält. Durch das Positionierverfahren könne der Parkvorgang in einem Zug sehr einfach und reproduzierbar erfolgen. „Und das auch bei ungünstigen Umweltbedingungen wie deckender Schneeschicht oder feuchtem Laub auf der Bodenplatte“, verspricht der Hersteller.

Beim kabellosen Laden von Elektrofahrzeugen müssen alle Komponenten, die sowohl die Infrastruktur- als auch die Fahrzeugseite betreffen, standardisiert werden. Erst dann können sowohl die Fahrzeughersteller als auch die Infrastrukturanbieter eine Lösung auf den Markt bringen, bei der eine herstellerunabhängige Kompatibilität sichergestellt ist. Mahle möchte seine Lösung der gesamten Branche über ein Lizenzmodell unter FRAND-Bedingungen (fair, reasonable, and non-discriminatory) zugänglich machen.

Die breite Anwendbarkeit des Systems ermögliche künftig auch dynamische Anwendungen: das Laden über Induktionsspulen während der Fahrt. Auch dafür habe Mahle gemeinsam mit Electreon Wireless einen Standard formuliert. Bei der Ladeinfrastruktur setze Mahle bereits seit Langem auf kabelloses Laden als eine komfortable und vielversprechende Alternative für E-Fahrzeuge. „Mit Siemens und Witricity haben wir zwei starke Partner an unserer Seite, mit denen wir das Gesamtsystem aus Ladeinfrastruktur und Fahrzeugtechnik gemeinsam vorantreiben“, sagte Dr. Harald Straky, Leiter der Zentralen Konzernforschung und Vorausentwicklung bei Mahle.

Quelle: Mahle – Pressemitteilung vom 23.11.2023

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Felix Katz

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Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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