Lucid baut seine Belegschaft erneut ab. Der amerikanische Elektroautohersteller trennt sich von rund 18 Prozent seiner Mitarbeiter:innen, wie aus einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht vom 22. Juni hervorgeht. Betroffen sind Festangestellte, Auftragnehmer:innen sowie Produktionsmitarbeiter:innen. Lucid rechnet mit einmaligen Kosten von umgerechnet rund 27,5 Millionen Euro, erwartet durch den Schritt aber jährliche Einsparungen von etwa 135,9 Millionen Euro.
Es ist nicht der erste Einschnitt dieser Art in diesem Jahr: Bereits im Februar hatte Lucid zwölf Prozent der weltweiten Belegschaft entlassen, damals mit dem erklärten Ziel, die Organisation zu verschlanken und die Effizienz zu steigern. Produktionsmitarbeiter:innen am Werk im amerikanischen Bundesstaat Arizona waren zum damaligen Zeitpunkt noch ausgenommen. Ende 2024 beschäftigte das Unternehmen rund 9000 Menschen. Rechnet man beide Entlassungswellen zusammen, dürften seither etwa 2500 Stellen weggefallen sein.
Im Rahmen der aktuellen Maßnahmen wird nun auch die zweite Produktionsschicht im Arizona-Werk gestrichen. Diese war erst Ende vergangenen Jahres eingeführt worden, um die Fertigung zu beschleunigen. Zusätzlich entfällt die Position des Chief Operating Officers. Marc Winterhoff, der die Rolle innehatte und zuvor als Interims-CEO fungierte, verlässt das Unternehmen.
Lucid: Profitabilität als erklärtes Ziel
Das Unternehmen begründet die Einschnitte mit dem Ziel, Lucid auf einen „Weg zur Profitabilität und positiven Cashflow-Generierung“ zu führen, wie es in der Mitteilung heißt. Dazu sollen die Organisationsstruktur gestrafft, die Betriebskosten optimiert und die Produktionspläne stärker an der tatsächlichen Nachfrage ausgerichtet werden. Finanzchef Taoufiq Boussaid hatte Anfang Mai beim Ergebnisaufruf zum ersten Quartal die Lage so beschrieben: „Die kurzfristigen Nachfrageentwicklungen bleiben uneinheitlich, und wir steuern unseren Produktionstakt entsprechend.“
Die wirtschaftliche Situation des Unternehmens ist angespannt. Im ersten Quartal erzielte Lucid einen Umsatz von rund 243 Millionen Euro, deutlich weniger als die von Analyst:innen erwarteten rund 335 Millionen Euro. Lieferprobleme beim Gravity-SUV, ausgelöst durch Schwierigkeiten bei einem Sitzzulieferer, belasteten das Ergebnis zusätzlich. Daneben setzt Lucid der allgemeine Druck durch US-Importzölle sowie eine schwankende Nachfrage nach Elektroautos zu.
Im Mai hatte das Unternehmen seine Produktionsprognose für das Gesamtjahr zurückgezogen. Der neue CEO Silvio Napoli, der das Amt von Winterhoff übernommen hatte, führt derzeit eine umfassende operative Überprüfung durch. Ob und wann Lucid mit der Produktion auf Basis einer neuen Mittelklasse-Plattform beginnt, ist ebenfalls Gegenstand dieser Prüfung. Ursprünglich war der Produktionsstart für Ende 2026 geplant. Für 2027 strebt das Unternehmen weiterhin steigende Stückzahlen an. Ein aktualisierter Ausblick soll mit den Ergebnissen des zweiten Quartals folgen.
Quelle: Automotive News – Lucid slashes jobs for second time in 2026 as EV demand wanes









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