Nur ein paar Wochen nachdem der E-Auto-Hersteller Lucid neue Insolvenzgerüchte zurückweisen musste, hat sich der saudische Prinz und Milliardär Alwaleed bin Talal offenbar in das Unternehmen eingekauft. Laut einer aktuellen Meldung der SEC hält er nun circa 19,5 Millionen Aktien. Die haben auf Basis des letzten Schlusskurses einen Gegenwert von knapp 127 Millionen US-Dollar und entsprechen einer Beteiligung von 5 Prozent an Lucid.
Laut einem Sprecher des Prinzen habe man die Aktien dabei ganz gezielt erworben, als der Kurs durch die Insolvenzgerüchte eingebrochen war. Konkret wurde die Beteiligung am 14. Juli aufgebaut, gerade als die Marktkapitalisierung von Lucid unter die 2-Milliarden-Dollar-Marke gerutscht war.
Durch das Bekanntwerden der Beteiligung schoss der Aktienkurs schnell wieder um über 20 Prozent in die Höhe, bevor er nachbörslich wieder um 3,4 Prozent konsolidierte. Abgesehen von der neuen Beteiligung durch Alwaleed hält der saudische Staatsfonds PIF eine große Beteiligung von 45,4 Prozent an Lucid und hat bereits über 9 Milliarden US-Dollar in das E-Auto-Unternehmen investiert.
Gerüchte zu möglicher Privatisierung oder Insolvenzanmeldung
Nur ein paar Wochen vor der Offenlegung des Investments von Alwaleed bin Talal in Lucid hatte es noch einiges an Spekulationen rund um eine mögliche Privatisierung oder eine Insolvenzanmeldung nach Chapter 11 gegeben. Ausgelöst wurden diese Gerüchte durch einen E-Auto-Blog, der diese Szenarien aufgegriffen hatte.
Lucid hatte umgehend alles dementiert, jedoch auch eingeräumt, dass man den Restrukturierungsberater AlixPartners engagiert habe. Das hatte bei Investoren einiges an Unsicherheit ausgelöst und den Kurs der Aktie an nur einem Handelstag um bis zu 57 Prozent crashen lassen.
Zwar konnte sich der Kurs seitdem bereits wieder etwas erholen, doch die Aktie wird im Jahresvergleich nach wie vor mit einem Abschlag von über 70 Prozent gehandelt und tradet damit rund 97 Prozent unter ihrem Höchststand, der direkt zum Börsenstart vor knapp fünf Jahren erreicht worden war. Seitdem kämpft das Unternehmen darum, profitabel zu werden.
Restrukturierung unter neuer Führung
Im Juni ist bei Lucid der neue CEO Silvio Napoli angetreten, der zuvor Marc Winterhoff als Interims-Chef abgelöst hatte. Seitdem befindet sich das Unternehmen in einem umfassenden Umbau. Erst Anfang Juli hatte Napoli Alexander De Bock als neuen Finanzchef berufen. Zudem kündigte er an circa 18 Prozent der Belegschaft in den USA abbauen zu wollen, Positionen wie den Chief Operating Officer zu streichen und die Führungsstruktur insgesamt zu straffen, um die Operative zu verbessern und Kosten zu senken.
Schätzungen des Analysehauses Needham zufolge könnte Lucid trotz des Umbaus schon im Verlauf der kommenden drei Jahre weitere Finanzierungen von mindestens 5 Milliarden US-Dollar benötigen, um einer Insolvenz zu entgehen. Experten werten die neue Beteiligung von Alwaleed nichtsdestotrotz als wichtiges Vertrauenssignal. Schließlich bedeutet dies dem Bloomberg-Intelligence-Analysten Eric Varghese zufolge, dass saudische Anleger nach wie vor Wert im Unternehmen sehen.
Quellen: Reuters – Saudi Prince Alwaleed takes 5% stake in EV maker Lucid / TechCrunch – Saudi prince buys 5% stake in Lucid Motors / Reuters – Lucid rejects take-private, bankruptcy report after shares plunge






Wird geladen...