Lucid Motors hat für das erste Quartal einen Nettoverlust von rund 851 Millionen Euro gemeldet und gleichzeitig seine Jahresprognose für die Fahrzeugproduktion ausgesetzt. Auslöser war unter anderem ein Sitzlieferantenproblem, das im Februar die Auslieferungen des Elektro-SUV Gravityerheblich beeinträchtigt hatte. Der neue CEO Silvio Napoli, der im April vom Aufzughersteller Schindler Group zu Lucid gewechselt hatte, befindet sich noch in der Analysephase des Unternehmens. Eine überarbeitete Jahresprognose soll mit den Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt werden.
Im ersten Quartal produzierte Lucid 5500 Fahrzeuge – ein Anstieg von 149 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ausgeliefert wurden jedoch nur 3093 Einheiten, was in etwa dem Vorjahresniveau entspricht. Der Umsatz stieg um 20 Prozent auf rund 240 Millionen Euro. Analysten hatten laut Reuters mit etwa 374 Millionen Euro gerechnet – die Abweichung ist damit die größte seit mehr als vier Jahren.
Die Lücke zwischen Produktion und Auslieferungen ist dabei auffällig. Weil Gravity-Lieferungen im Februar wegen eines Defekts an den Rücksitzen weitgehend ausfielen, baute Lucid erhöhte Lagerbestände auf. Der Mangel wurde im Quartalsverlauf behoben, die Auslieferungen erholten sich im März. Konkrete Zahlen für den März nannte das Unternehmen nicht.
Lucid Motors und deren Wachstumskurs auf Pump
Um die Liquidität zu stärken, schloss Lucid im April eine Kapitalerhöhung über insgesamt rund 893 Millionen Euro ab. Davon entfallen etwa 468 Millionen Euro auf Wandelanleihen, die an Ayar Third Investment Company – ein Vehikel des saudischen Staatsfonds PIF – ausgegeben wurden. Weitere rund 255 Millionen Euro stammen aus einer öffentlichen Aktienplatzierung, und Uber investierte rund 170 Millionen Euro in Form von Stammaktien. Damit erhöht sich Ubers Gesamtinvestition in Lucid auf rund 425 Millionen Euro. Zusätzlich wurde ein bestehender Kreditrahmen des PIF um rund 425 Millionen Euro erweitert, von dem Lucid im April den vollen Betrag abgerufen hat. Pro forma belief sich die Gesamtliquidität zum Quartalsende auf rund 3,995 Milliarden Euro.
Parallel dazu weitete Lucid seine Robotaxi-Kooperation mit Uber auf mindestens 35.000 Fahrzeuge aus, darunter Modelle der Gravity- und der geplanten Mittelklasse-Plattform. Nuro, der Technologiepartner für den autonomen Betrieb, erhielt im April die Genehmigung des kalifornischen Verkehrsministeriums für fahrerlose Testfahrten. Der kommerzielle Start des Robotaxi-Betriebs ist noch für dieses Jahr geplant.
Produktionsstart in Saudi-Arabien verzögert sich
Lucid baut derzeit ein zweites Werk in Saudi-Arabien, in dem künftig das Midsize-Modell Cosmos gefertigt werden soll. Betriebsleiter Marc Winterhoff bestätigte, dass der Bau trotz Verzögerungen bei einzelnen Anlagen – zurückzuführen auf Störungen durch den US-Konflikt mit dem Iran in der Region – fortgesetzt wird. Ein öffentliches Update zur Fabrik soll ebenfalls mit den Zahlen für das zweite Quartal folgen. Der ursprünglich für dieses Jahr vorgesehene Produktionsstart gilt damit als fraglich; Winterhoff betonte, entscheidend sei der Hochlauf im Jahr 2027.
Lucid steht damit vor einer Phase, in der neue Führung, ungeklärte Produktionsziele und ein anhaltend hoher Kapitalbedarf zusammenfallen. Ob der angekündigte Kurswechsel unter Napoli greift, wird sich frühestens mit den Zahlen für das zweite Quartal zeigen.
Quelle: Lucid – Pressemitteilung / Automotive News – Lucid suspends 2026 production guidance after $1 billion first-quarter net loss, Gravity recall









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