Lithium-Abbauprojekt in Finnland – Europas Rohstoff-Hoffnung?

Lithium-Abbauprojekt in Finnland – Europas Rohstoff-Hoffnung?
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Maria Glaser
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Mitte Februar wurden in Finnland die ersten Spodumenadern im Tagebau Syväjärvi in Kaustinen aus dem Fels gesprengt. Das Bergbauunternehmen Keliber hat damit im Westen Finnlands mit dem Lithiumabbau begonnen. Zugleich nahm in der Region Kokkola Europas erster Betrieb zur Weiterverarbeitung dieses Lithiums den Betrieb auf, um den Rohstoff zu Lithiumhydroxid in Batteriequalität aufzuarbeiten. Das Lithiumprojekt wird voraussichtlich der erste integrierte Lithiumbetrieb in Europa sein, der Lithiumhydroxid aus seinen eigenen abgebauten Erzreserven produziert.

Lithium ist ein zentraler Bestandteil der Batterieproduktion von Lithium-Ionen-Akkus, was insbesondere für die Elektromobilität von großer Bedeutung ist. Aber auch andere Bereiche der Technologie, wie beispielsweise Energiespeichersysteme, sind davon abhängig und zu Zeiten der Energiewende von immer größerer Bedeutung. Daher steht Lithium immer wieder im Mittelpunkt von Diskussionen. Durch Batterierecycling versuchen Unternehmen inzwischen, den wertvollen Rohstoff wiederzugewinnen.

Ende 2024 beschäftigte das Lithiumprojekt Keliber über 150 Mitarbeitende direkt und 800 zusätzliche Auftragnehmende auf den Baustellen. Das bereits seit langem geplante Projekt soll schließlich rund 350 Arbeitsplätze schaffen. Es ist jedoch nicht nur von Bedeutung für die Region, sondern hat auch wichtige, geopolitische Implikationen, da es Europas Versorgung mit Rohstoffen unabhängiger von chinesischen Importen machen soll. In den drei finnischen Gemeinden Kaustinen, Kokkola und Kronoby entsteht also mit dem Bergbaugebiet eine wichtige Produktionskette für Europa.

Das Unternehmen Keliber wurde vor 25 Jahren gegründet, nachdem die Lagerstätte in Finnland Ende der 1950er Jahre erstmals entdeckt wurde. Der Keliber-CEO Hannu Hautala sieht in der Eröffnung einen Grund zu feiern, denn mehrfach drohte das Projekt aufgrund fehlender Finanzmittel zu scheitern. Ende 2022 wurde es schließlich durch eine Investition des südafrikanischen Unternehmens Sibanye-Stillwater gesichert. Seit dieser Investition ist der Lithiumpreis zwar gefallen, jedoch zeigt sich Hautala zuversichtlich, dass die Produktion nun rentabel sein wird. Der Bau des Steinbruchs und weiterer Anlagen sowie die Aufnahme der Produktion werden etwa 800 Millionen Euro kosten.

Sibanye-Stillwater besitzt nun fast 80 Prozent von Keliber, während der Rest von einzelnen Aktionären und der Finnish Minerals Group gehalten wird, die sich vollständig im Besitz des finnischen Staates befindet.

Europäische Unabhängigkeit von China

Ein wesentlicher Aspekt dieses neuen Projekts ist die politische Dimension, denn die interne Produktionskette von Keliber ist einzigartig in Europa. Während zwar auch andere europäische Länder wie Portugal oder Serbien über Lithiumvorkommen verfügen, fehlen dort beispielsweise Raffinerien zur Weiterverarbeitung. Fabriken, die Lithiumhydroxid verwenden, gibt es in Deutschland, Polen und Ungarn. Eine weitere wird außerdem im Südosten Finnlands gebaut.

Das Keliber-Projekt wird nun also als erster Standort in Europa Lithium nicht nur abbauen, sondern auch weiterverarbeiten. Darin sieht Hautala einen handfesten Vorsprung: „Wir werden die ersten sein, die eine europäische Produktion einführen, und natürlich ist dies aufgrund der kürzeren Lieferwege im Vergleich zu Importen aus China ein Wettbewerbsvorteil“, so der CEO des Unternehmens.

Auch Sibanye-Stillwater hat dieses Potenzial erkannt. Auf deren Website heißt es: „Das Lithiumprojekt Keliber befindet sich in Finnland und ist strategisch günstig in der Nähe der wichtigen und wachsenden regionalen Endverbrauchermärkte für Lithiumhydroxid in Europa positioniert.“ Zudem mache die zuverlässige und solide wirtschaftliche und soziale Infrastruktur Finnland zu einem attraktiven Investitionsziel. Mit der nationalen Batteriestrategie wolle sich das Land als wettbewerbsfähiger und nachhaltiger Akteur im globalen Batteriesektor positionieren. Sibanye-Stillwater spricht von Keliber als skalierbare regionale Chance.

Die strategische Bedeutung dieses Lithiumprojekts wurde von der Europäischen Kommission anerkannt, indem es den Status eines strategischen Projekts im Rahmen des EU-Gesetzes über kritische Rohstoffe bekommen hat.

Abbau und Weiterverarbeitung von Lithium

Keliber umfasst mehrere Lithiumvorkommen, die sich über eine Fläche von mehr als 500 Quadratkilometern erstrecken. Die Lithiumvorkommen zählen zu den bedeutendsten in Europa.

Die erste Sprengung bei der Inbetriebnahme des Abbaugebiets wurde unter der Aufsicht von Minenleiterin Sari Koivisto und ihrem Team durchgeführt, was Sibanye-Stillwater besonders hervorhebt: „An diesem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft sind wir besonders stolz darauf, Saris Beitrag zu diesem bedeutenden Meilenstein zu würdigen. Wir bei Sibanye-Stillwater glauben, dass die uneingeschränkte Teilhabe von Frauen in unserem Unternehmen nicht nur für den Fortschritt unerlässlich, sondern auch eine strategische Notwendigkeit ist“, so das Unternehmen in seiner Pressemitteilung.

Anschließend an die Sprengungen in Syväjärvi werden die Felsbrocken zerkleinert und zur Anreicherungsanlage Päiväneva transportiert, bevor sie in einer Anlage in Kokkola zu Lithiumhydroxid veredelt und an Batteriehersteller verkauft werden. Diese Fabriken werden nun nach und nach den Betrieb aufnehmen: der Standort Päiväneva im Frühjahr dieses Jahres und das Chemiewerk in Kokkola gegen Ende des Jahres.

Schließlich sollen außerdem sechs weiteren Bergbaugebiete erschlossen werden. Schätzungen zufolge verfügen die Abbaugebiete über Ressourcen, die den wachsenden internationalen Lithiumbatteriemarkt für mindestens 18 Jahre versorgen. Die geschätzte Jahresproduktion von batteriegeeignetem Lithiumhydroxidmonohydrat beträgt etwa 15.000 Tonnen.

Quellen: YLE News – Finland opens Europe’s first lithium mine / Sibanye Stillwater – Keliber Lithium Project & Linkedin-Post vom 11. Februar 2026

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Maria Glaser

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Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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