Kanada hat eine wichtige Lücke in seiner Batterie-Lieferkette geschlossen. Das Unternehmen Mangrove Lithium hat vergangene Woche im britisch-kolumbischen Delta, rund 30 Kilometer südlich von Vancouver, Nordamerikas erste kommerzielle elektrochemische Lithium-Raffinerie eröffnet. Die Anlage kann 1000 Tonnen batterietaugliches Lithiumhydroxid pro Jahr produzieren – genug für etwa 25.000 Elektroautos.
CEO Saad Dara beschrieb die strategische Bedeutung des Projekts gegenüber dem Fachmagazin The Northern Miner: „Was diese Anlage und unser nächstes Werk ermöglichen würden, wäre die Schaffung einer Lieferkette vom Lithiumbergbau bis zur Lithiumchemie.“ Das eigentliche Ziel sei es, kanadische Rohstoffe mit kanadischen Batteriechemikalien zu verbinden – und langfristig auch Batteriematerialwerke, Zellhersteller und die Fahrzeugmontage einzubinden.
Vom Erz zur Batteriezelle – Kanada füllt eine Lücke
Raffinierung bezeichnet dabei den Verarbeitungsschritt zwischen dem Bergbau und der Herstellung von Batteriematerialien – genau jenes Segment, das in Kanada bislang weitgehend fehlt. Laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) kontrollierten die drei größten Länder im Jahr 2023 zusammen 96 Prozent der globalen Lithiumraffinierung. Chinesische Unternehmen hielten 2022 nach Angaben der US-amerikanischen Energy Information Administration mehr als zwei Drittel der weltweiten Lithiumverarbeitungskapazität.
Die neue Anlage allein schließt die Lücke in der kanadischen Batterie-Lieferkette noch nicht vollständig. Aktive Batteriematerialien, die Zellfertigung und die Fahrzeugmontage fehlen im Land weiterhin. Dara erläuterte die sechs Hauptsegmente der Batterie-Lieferkette: Bergbau, Raffination und Verarbeitung, Kathodenherstellung, Batteriezellmontage, Elektroauto-Montage und Batterierecycling. „Kritischerweise fehlt Kanada heute die Raffineriekapazität, sodass die meisten unserer mineralischen Ressourcen zur Verarbeitung ins Ausland verschifft werden“, so Dara.
Die Eröffnung hat auch politisch Gewicht. Die zuständige Bundesministerin und lokale Abgeordnete Jill McKnight betonte bei der Eröffnungsfeier: „Wir eröffnen heute nicht einfach eine Anlage. Wir signalisieren eine klare neue Richtung für Kanada.“ Premierminister David Eby bezeichnete das Werk in einer Videobotschaft als „entscheidenden Schritt“ hin zu einer resilienten Batterie-Lieferkette in British Columbia.
Elektrochemie statt Chemikalien – ein anderer Ansatz
Technisch unterscheidet sich Mangroves Verfahren deutlich von konventionellen Raffineriemethoden. Klassische Anlagen wandeln Lithiumsulfat mithilfe von Natriumhydroxid in Lithiumhydroxid um, wobei Natriumsulfat als Abfallprodukt anfällt. Mangrove hingegen leitet Lithiumsulfat-Sole durch einen Elektrolyseur, trennt das Lithium über eine Membran ab und wandelt das Sulfat in Schwefelsäure um, die im Prozess wiederverwendet wird. Das Ergebnis: kein Natriumsulfat-Abfall, geringerer Chemikalieneinsatz und eine niedrigere CO₂-Intensität. Ryan Day, Senior Director of Operations, erläuterte beim Werksrundgang, dass das Verfahren zudem flexibel einsetzbar ist – es verarbeitet Sole, Hartgestein, Tone, geothermische Direktlithiumgewinnung und Batterierecycling-Material.
Die Delta-Anlage ist als Vorstufe zu einem deutlich größeren Projekt konzipiert. Der Canada Growth Fund hatte bereits drei Monate vor der Eröffnung ein Finanzierungspaket von bis zu 116 Millionen kanadischen Dollar – umgerechnet rund 72 Millionen Euro – mitgetragen, gemeinsam mit den Technologieinvestoren BMW i Ventures und Breakthrough Energy Ventures.
Zudem genehmigte die kanadische Bundesregierung im vergangenen Monat vorläufig bis zu 21,9 Millionen kanadische Dollar – etwa 13,6 Millionen Euro – für die Ingenieurarbeiten an einer geplanten Raffinerie in Quebec mit einer Jahreskapazität von 20.000 Tonnen – ausreichend für rund 500.000 Elektroautos. Mit dem Unternehmen Elevra Lithium besteht bereits eine unverbindliche Absichtserklärung zur Belieferung mit Spodumenkonzentrat aus einer Mine in Quebec.
Quelle: Mining.com – Mangrove opens refinery in British Columbia to close lithium gap








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