Salar Futuro: Novandino stellt Lithiumstrategie neu auf

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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Lithium ist ein Schlüsselrohstoff der Energiewende – und gleichzeitig einer der umstrittensten. Vor allem in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, wo ein Großteil der weltweiten Lithiumförderung stattfindet, steht der Wasserverbrauch der Industrie seit Jahren in der Kritik. Das dortige Ökosystem ist außergewöhnlich fragil, die lokalen Gemeinschaften sind sensibel gegenüber jedem Eingriff in den Wasserhaushalt des Salars.

Vor diesem Hintergrund hat Novandino Lithium – das im Dezember 2025 aus einem Joint Venture zwischen SQM und dem staatlichen Kupferkonzern Codelco hervorgegangene Unternehmen – einen langfristigen Innovationsplan entwickelt, der mehr Produktion mit weniger Ressourcenverbrauch verbinden soll. Julio García Marín, Environmental Manager bei Novandino, hat gegenüber dem Fachmagazin Global Water Intelligence (GWI) erläutert, wie das funktionieren soll.

SQM ist seit mehr als 30 Jahren im Salar de Atacama tätig und betreibt in Antofagasta die weltgrößte Lithiumraffinerie. Mit der Gründung von Novandino Lithium sichert das Unternehmen den Weiterbetrieb der Lithiumkonzessionen bis 2060, die bisherige Lizenz von SQM läuft Ende 2030 aus. García Marín ordnet die Bedeutung des Standorts ein: Der Salar de Atacama sei aufgrund seiner außergewöhnlich hohen Lithiumkonzentrationen und der günstigen natürlichen Bedingungen „wahrscheinlich das beste Vorkommen der Welt“ für eine effiziente Lithiumgewinnung.

Die aktuelle Jahreskapazität liegt bei rund 211.000 Tonnen Lithiumsulfat. Bis 2060 will Novandino die Produktion auf Basis eines ganzheitlichen Ansatzes ausbauen und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck deutlich verkleinern. Seit 2020 hat SQM den Wasserverbrauch bereits um 50 Prozent gesenkt und die autorisierte Sole-Entnahme um mehr als ein Drittel verringert, während die Produktion im gleichen Zeitraum auf etwa das Vierfache gestiegen ist. Bis 2028 soll die Sole-Entnahme auf rund 800 Liter pro Sekunde halbiert werden.

Novandino setzt auf Technologiemix statt Einheitslösung bei Lithium-Gewinnung

Das Herzstück der langfristigen Strategie ist das sogenannte Salar-Futuro-Projekt: ein Innovationsfahrplan für den Zeitraum 2031 bis 2060. Es baut auf dem traditionellen System der Solarverdunstung auf, ergänzt dieses jedoch schrittweise durch mechanische Verdunstungsanlagen und Nanofiltrationsmembranen. Der entscheidende Vorteil der mechanischen Verdunstung: Das Wasser, das bei der Verarbeitung der Sole verdunstet, kann zurückgewonnen und im geschlossenen Kreislauf wiederverwendet werden. García Marín zufolge soll dies den Einsatz von Frischwasser aus dem östlichen Randbereich des Salars langfristig vollständig ersetzen – voraussichtlich ab Mitte der 2030er-Jahre.

Direct Lithium Extraction (DLE) ist ebenfalls Teil des Konzepts, wird jedoch nicht als Allheilmittel betrachtet. „DLE ist keine Einheitslösung, die für alle passt“, so García Marín. Novandino habe über 140 Technologien evaluiert, mehr als 50 Laborpiloten und zwölf industrielle Pilotprojekte im Salar de Atacama durchgeführt. DLE eigne sich besonders für soleärmere Bereiche mit geringeren Lithiumkonzentrationen, sei jedoch mit Risiken verbunden, insbesondere hinsichtlich möglicher Veränderungen in der Chemie des Salarökosystems durch die notwendige Rückeinspeisung von aufbereiteter Sole. Dieser Aspekt werde derzeit intensiv untersucht.

Bis zur Inbetriebnahme ist noch ein langer Weg. Die Umweltverträglichkeitsstudie soll im Juni eingereicht werden, ein Genehmigungsverfahren von drei bis vier Jahren wird erwartet. Mit einer schrittweisen Integration der neuen Prozesse ab 2032 und einem vollständigen Hochlauf bis 2036 rechnet Novandino. In der Übergangsphase zwischen 2031 und 2036 werden traditionelle Methoden und neue Technologien parallel betrieben.

Transparenz als wichtiger Baustein in Novandino Lithiums Plänen

Ein wiederkehrendes Thema im GWI-Gespräch ist der Umgang mit den indigenen Gemeinschaften rund um San Pedro de Atacama. García Marín beschreibt, dass diese den Einsatz von entsalztem Meerwasser – obwohl technisch möglich und in der Region bereits bei anderen Bergbauprojekten eingesetzt – aus kulturellen und kosmologischen Gründen ablehnen. Novandino respektiere diese Haltung und setze stattdessen auf die Rückgewinnung von Wasser aus dem eigenen Prozesskreislauf.

Transparenz ist dabei ein erklärtes Prinzip: Über eine öffentlich zugängliche Website stellt Novandino Echtzeit-Daten zur Wasser- und Sole-Entnahme bereit. Ergänzend arbeitet das Unternehmen mit Sensorik und Datenanalyse, um weitere Einsparpotenziale zu identifizieren. Auch in die Suche nach innovativen Wassertechnologien investiert Novandino aktiv; so etwa mit einem Anteil von 1,7 Millionen Euro in das britische Start-up Salinity Solutions, das eine Batch-Umkehrosmose-Technologie für industrielle Wasseraufbereitung entwickelt.

Der Anspruch, den García Marín formuliert, ist klar: mehr Lithium fördern, ohne den Wasserhaushalt eines der sensibelsten Ökosysteme der Welt dauerhaft zu belasten. Ob das gelingt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen – spätestens wenn Salar Futuro in Betrieb geht.

Quelle: Global Water Intelligence – Novandino plans to deliver the future of lithium extraction

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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