In Pforzheim ist die nach Unternehmensangaben erste Anlage in der Europäischen Union in Betrieb gegangen, die das Recycling und die Herstellung von Seltene-Erden-Magneten in einer kommerziellen Linie zusammenführt. Betreiber ist die HyProMag GmbH, ein Tochterunternehmen der HyProMag-Gruppe, die patentierte Verfahren zur Wiedergewinnung von Magneten auf Basis von Neodym-Eisen-Bor (NdFeB) vermarktet. Mit dem Hochlauf entsteht ein Standort, der den europäischen Bedarf an kritischen Rohstoffen aus heimischen Quellen decken soll.
Im Kern arbeitet die Anlage mit der „Hydrogen Processing of Magnet Scrap“-Technologie, kurz HPMS. Entwickelt wurde das Verfahren an der Universität Birmingham, das britische Schwesterunternehmen HyProMag Ltd. nahm bereits im Januar gemeinsam mit der Hochschule eine entsprechende Linie im Tyseley Energy Park in Betrieb. Die Methode erlaubt ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling, bei dem die ursprüngliche Legierung erhalten bleibt. Energieintensive Schritte wie die Metallherstellung und die Legierungsbildung entfallen, was die CO₂-Emissionen im Vergleich zur Primärproduktion um bis zu 90 Prozent senken soll.
Schlüsselrohstoff für Antrieb und Energiewende
Die ersten Anlaufversuche zur Inbetriebnahme wurden Anfang April erfolgreich abgeschlossen. Noch in diesem Jahr will der Standort recycelte NdFeB-Produkte ausliefern, darunter Legierungspulver, Sinterblöcke und fertige Magnete. Für 2027 ist eine Kapazität von 350 Tonnen vorgesehen, durch schrittweise Erweiterungen soll der Ausstoß bis 2028 auf bis zu 750 Tonnen pro Jahr steigen. Finanziert wurde der Bau anteilig durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg.
Seltene Erden gelten in der EU als kritische Rohstoffe, weil sie wirtschaftlich unverzichtbar sind, gleichzeitig aber einem hohen Versorgungsrisiko unterliegen. Der überwiegende Teil dieser Materialien fließt in Permanentmagnete, die in Antriebsmotoren von E-Autos, in getriebelosen Windkraftanlagen, in Lenksystemen der Luft- und Raumfahrt sowie in der Unterhaltungselektronik verbaut werden. Über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg ist Europa bislang stark von Importen abhängig, vor allem aus China.
Adressiert werden mit den Pforzheimer Produkten genau jene Branchen, in denen NdFeB-Magnete als Schlüsselkomponente gelten: die Automobilindustrie, die Luft- und Raumfahrt, der Sektor der erneuerbaren Energien sowie die Elektronikfertigung. Das Leistungsgewicht dieser Magnete ermöglicht zugleich die Miniaturisierung in Smartphones und Festplattenspeichern, etwa über Voice-Coil-Motoren in Lautsprechereinheiten. Auch in autonomen Drohnen für die intelligente Landwirtschaft, in der medizinischen MRT-Bildgebung und in der magnetischen Filtration in der Lebensmittelproduktion kommen sie zum Einsatz.
Leuchtturmprojekt zwischen Berlin und London
Die Kommerzialisierung der Technologie beruht auf einem mehrjährigen Förderzusammenspiel beider Länder. Beteiligt waren UKRI (UK Research and Innovation), die Europäische Union, das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg sowie die britische Regierung mit ihrer Initiative „Driving the Electric Revolution“. HyProMag zählt zu den 17 Leuchtturmprojekten des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags von 2025 und soll die politischen Bemühungen flankieren, strategische Lieferketten innerhalb Europas zu festigen.
Prof. Dr. Carlo Burkhardt, Gründer und Gesellschafter der HyProMag GmbH, ordnet den Schritt als Etappenziel ein: „Die Anlage in Pforzheim stellt einen wichtigen Meilenstein beim Aufbau einer nachhaltigen, kreislaufwirtschaftlichen Lieferkette für Seltene-Erden-Magneten in Europa dar.“ Das Verfahren ermögliche ein hochwertiges Magnetrecycling bei deutlich geringeren Umweltauswirkungen, so Burkhardt.
Quelle: HyProMag – Mitteilung per Mail








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