Erste Fahrt im Lamborghini Temerario Plug-in-Hybrid: Dieser Schub – diese Kraft

Erste Fahrt im Lamborghini Temerario Plug-in-Hybrid: Dieser Schub – diese Kraft
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Lamborghini / Press-Inform

Stefan Grundhoff
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  —  Lesedauer 5 min

Aston Martin, Ferrari, McLaren und Porsche – sie alle können sich warm anziehen. Denn die erste Testfahrt mit dem 920 PS starken Powerhybriden des Lamborghini Temerario verschiebt die Grenzen der Fahrdynamik in eine neue Sphäre.

Lamborghini verabschiedet sich von seinem V10-Sauger und die Verantwortlichen rund um CEO Stephan Winkelmann und Entwicklungs-Chef Rouven Mohr machen keinen Hehl daraus, dass ihnen das Goodbye des charismatischen Saugtriebwerks im Power-Doppelpack aus Gallardo und Huracan nach mehr als zwei Jahrzehnten schwergefallen ist. Doch nachdem bereits dem Revuelto in Sant’Agata Bolognese höchst imposant ein elektrischer Odem eingehaucht wurde, wird es jetzt noch spektakulärer. Der Huracan-Nachfolger Temerario als Serienmodell der einstigen Projekts 634 begeistert nicht allein mit seinem heißen Design, sondern einer Motorleistung, die sich deutlich beeindruckender fährt als gedacht.

V10-Power ist gestern – hinter der größer und komfortabler gewordenen Führerkabine donnert ein doppelt aufgeladener Vierliter-Achtzylinder, der mit dem Basistriebwerk aus dem Volkswagen-Konzern nichts gemein hat und in Handarbeit im Stammwerk westlich von Bologna entsteht. War die stärkste Version des Vorgängermodells Huracan mit alles andere als zurückhaltenden 640 PS unterwegs, so gibt es beim 4,71 Meter langen Temerario einen wahnwitzigen Nachschlag auf 920 PS. Möglich macht das nicht allein der neue V8-Doppelturbo, sondern auch ein Übernahmeteil aus dem großen Bruder Revuelto. Die gesamte Vorderachse des V12-Hypercars wurde in den deutlich kompakteren Temerario verpflanzt, der somit zum Elektroallradler wird, da es keine Kardanwelle mehr an die Vorderachse gibt.

„Das Hochdrehzahlkonzept, das wir durch den neuen V8-Turbo umsetzen könnten, verleiht dem Wagen einen einzigartigen Charakter“, macht Entwicklungsvorstand Rouven Mohr bereits vor der ersten Fahrt Lust auf mehr. Rein in den Boliden, ein kurzer Blick die großen Displays, das griffige Steuer mit seinen unverändert futuristisch anmutenden Drehreglern und Knöpfen, die sich auch in der markigen Mittelkonsole wiederfinden.

Ein Elektromotor kaschiert das Turboloch

Klappe hoch, Knopf gedrückt und der Kraftprotz erwacht zum Leben. Unverkennbar kein V10 mehr und ebenso unverkennbar ein Achtzylinder, der Dank entsprechender Aufladung 588 kW / 800 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 730 Nm zur Verfügung stellt. Ein Elektromotor versteckt sich zwischen Verbrenner und achtstufigem Doppelkupplungsgetriebe, das hinten an den Motor angeflanscht wurde. Er verhindert ein Turboloch und lässt das Triebwerk besonders schnell ansprechen. Zwei weitere Axial-Elektromotoren mit jeweils 110 kW / 150 PS Maximalleistung treiben bei Bedarf die beiden Vorderräder an. Ihre Dauerleistung von 60 Kilowatt sorgt dafür, dass sich die Gesamtleistung des italienischen Plug-in-Hybriden auf 676 kW / 920 PS erhöht.

Die ersten Runden auf der Rennstrecke in der Nähe von Modena zeigen nicht nur die unglaubliche Kraft dieses neuen Energieriegels, sondern auch die Agilität des Temerario, denn in diesem Punkt ist der Unterschied zum Huracan vielleicht sogar noch größer als der Leistungszuwachs – neuer Aerodynamik, entsprechendem Fahrwerk und steiferem Gesamtpaket sei Dank.

Lamborghini-Temerario-Plug-in-Hybrid-Rennstrecke
Lamborghini / Press-Inform

Einlenken, Abbremsen und wieder herausbeschleunigen sind nicht nur imposant, sondern schlicht grandios – zumindest nachdem man sich etwas an die Rennstrecke mit ihren engen Kurvenradien und nicht enden wollenden Kehren gewöhnt hat. Die Fahrbahn ist trocken, die Curbs ungefährlich und so kann im Corsa-Modus geräubert werden. Immer williger, immer bissiger geht es über den kurzen Schnellkurs. Der Schub, den der Vierliter-Turbo in Zusammenarbeit mit der elektrischen Vorderachse und dem Powermodul vor dem Getriebe verbreitet, ist unfassbar. Bei Vollgas sind auf der Autobahn mehr als 340 km/h drin, deutlich unter drei Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100.

Das Drehmoment ist derart gewaltig, dass man mit dem Doppelkupplungsgetriebe an sich fast schon schaltfaul allein in den Fahrstufen drei und vier über den Kurvenkurs im italienischen Norden düsen könnte. Doch vor den engen Kurven geht es herunter in den zweiten Gang und dann hoch auf drei und vier, wenn der Drehzahlmesser sich mühelos über die 9000er-Marke züngelt. Auf der langen Geraden geht es wenn gewünscht sogar kurz in den fünften Gang – nur um danach wieder aus mehr als 220 km/h zusammengepresst zu werden.

Lamborghini-Temerario-Plug-in-Hybrid-Test
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Für diese Strecke ist der Temerario eigentlich zu schnell, kann aber mit seiner Agilität glänzen, die nicht allein die deutlich größeren Räder (20 Zoll vorn / 21 Zoll hinten) bringen. Das bringt beim Bremsen und Einlenken viel Ruhe in den Vorderwagen und erleichtert massiv das Herausbeschleunigen aus engen Passagen, obschon der Temerario anders als sein großer Bruder ohne eine Hinterachslenkung auskommen muss. Da die beiden Boliden aber derart technisch miteinander verwandt sind, ist davon auszugehen, dass technische Finessen wie ein Heckflügel oder eine Hinterachslenkung für nachfolgende Sportversion folgen könnten.

Bei aller Dynamik und diesem ersten Abstecher auf die Rennstrecke kann der Lamborghini Temerario jedoch auch ganz anders: mehr Komfort im Innern, Platz für jeweils zwei Bordkoffer im Laderaum vorn und hinter den beiden Sitzen, statt der Sportstühle auf Wunsch klimatisierte Komfortsessel oder eben die Möglichkeit, morgens in geheimer Schleichfahrt rein elektrisch die Tiefgarage oder Wohnsiedlung zu verlassen. Hierfür werden die Elektromotoren aus einem gerade einmal 15 x 3 cm großen Akkupaket gespeist, das mit seiner Kapazität von 3,8 kWh auch per Stecker nachgeladen werden kann. Gibt es aktuell einen beeindruckenderen Plug-in-Hybriden? Auf einer Rennstrecke definitiv nicht.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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