Wenn Constantin Schwaab von seinem ersten E-Auto erzählt, klingt das fast wie eine kleine Anekdote aus einer anderen Zeit. 2012 übergab ihm Elon Musk persönlich eines der ersten 100 Tesla Model S, damals war Tesla noch ein kleines Unternehmen mit einer großen Vision. Aus der anfänglichen Begeisterung ist beim Wirelane-Gründer und CEO längst eine deutlich distanziertere Haltung gegenüber Musk geworden, dem Thema Elektromobilität ist Schwaab dagegen treu geblieben. Wie exotisch ein Elektroauto damals noch war, zeigt eine andere Episode aus dieser Zeit: Sein Tesla stand nach der Übergabe erst einmal vier Wochen ungenutzt, weil die passende Ladekarte schlicht noch nicht gedruckt war.
Aus dieser frühen Erfahrung ist mittlerweile ein Unternehmen mit rund 4000 Ladepunkten in Deutschland gewachsen. Wirelane hat sich dabei bewusst für ein vertikal integriertes Modell entschieden: eigene Software, eigene Hardware, eigenes geistiges Eigentum und der Betrieb der Ladeinfrastruktur inklusive Projektentwicklung und Finanzierung aus einer Hand. Ein Weg, der laut Schwaab viel Geld gekostet hat, aber Kontrolle und Qualität in einem wachsenden Markt sichert.
Wirelane: Vom Hotelzimmer bis zum Fitnessstudio
Das Kerngeschäft von Wirelane liegt im sogenannten Destination Charging, also im halböffentlichen Bereich. Den Anfang machten Hotels, getrieben von Unternehmen wie SAP, die ihre Außendienstmitarbeitenden mit Elektroautos ausstatten und entsprechende Ladeinfrastruktur an den Übernachtungsorten erwarten. Für viele Hotels war das zunächst eine Überraschung, denn ein eigener Stromanschluss musste her, und aus Sicherheitsgründen darf die Ladetechnik nicht über die Hotel-IT laufen.
Von dort aus erweiterte Wirelane sein Portfolio Schritt für Schritt: Fitnessstudios, in denen überraschend viele Gäste mit dem Auto anreisen, Supermärkte wie Alnatura, die statt 50 Kilowatt eher 200 oder 400 Kilowatt benötigen, dazu Krankenhäuser und öffentliche Straßenräume über Ausschreibungen. Der gemeinsame Nenner: überall dort, wo länger geparkt und geladen wird, sieht Schwaab das Zielsegment seines Unternehmens.
Mit 16 der 20 größten Hotelketten Deutschlands arbeitet Wirelane inzwischen zusammen, was auch mit den regulatorischen Anforderungen zu tun hat. DGUV-Kontrollen und zahlreiche weitere Vorschriften sorgen dafür, dass ein sicherer und rechtskonformer Betrieb kaum ohne spezialisierten Partner zu stemmen ist. Allein 70 Mitarbeitende bei Wirelane kümmern sich ausschließlich um den Betrieb der Ladeinfrastruktur. Damit Ladepunkte nicht von Verbrennerfahrzeugen blockiert werden, beteiligt Wirelane die Standortpartner finanziell am Ladeerlös, ein Modell, das laut Schwaab die Auslastung der Standorte spürbar verbessert.
Das Monopol-Problem in deutschen Städten
Deutlich kritischer wird Schwaab beim Thema Vergabe von öffentlichem Raum. Er bezeichnet sie als zentrales Problem beim Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland. Als Beispiel nennt er seine Heimatstadt München, wo die Stadtwerke seit zehn Jahren ein Monopol auf die Ladeinfrastruktur halten. Attraktive Standorte, die einst in der Frühphase vergeben wurden, ließen sich seither kaum mehr über Ausschreibungen neu verteilen, was aus Sicht von Schwaab zu hohen Preisen und wenig Anreiz führt, Service und Qualität zu verbessern.
Als positives Gegenbeispiel führt er Frankfurt an, wo mehrere Anbieter im Wettbewerb stehen und sich dadurch weder Preise noch Servicequalität einseitig diktieren lassen. Wo echter Wettbewerb entsteht, verbessert sich aus seiner Sicht automatisch die Situation für Autofahrer:innen. Kurzfristig rechnet Schwaab allerdings nicht mit schnellen Veränderungen bei den Kommunen, die an ihren Stadtwerken festhalten, notfalls hält er auch juristische Schritte für notwendig.
Für die kommenden Jahre sieht Schwaab das Wachstum von Wirelane über drei Dimensionen: neue Standorte, mehr Ladepunkte pro Standort und eine bessere Auslastung der bestehenden Infrastruktur. Gerade Letzteres galt in den vergangenen Jahren als Herausforderung, weil der Hochlauf der Elektromobilität langsamer verlief als ursprünglich erwartet.
Wie es mit Wirelane, den Städten und dem Ringen um faire Wettbewerbsbedingungen weitergeht, das besprechen Constantin und ich ausführlich im Gespräch. Lasst uns direkt reinhören.
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