Der deutsche Ladeinfrastruktur-Markt verzeichnet im Jahr 2026 weiterhin ein stabiles Wachstum. Zahlen der Datenanalysten von Cirrantic zeigen nun, dass sich der Ausbau zunehmend auf leistungsstarke Schnelllader konzentriert. Die klassischen AC-Ladesäulen haben mit circa 170.000 Anschlüssen zwar nach wie vor den größten Marktanteil, aber der Ausbau von leistungsstärkeren HPC-Standorten nimmt immer weiter an Fahrt auf.
Inzwischen gibt es unter den bundesweit 233.000 registrierten öffentlichen Ladepunkten mehr als 51.000 Schnellladepunkte. Diese kommen auf Ladegeschwindigkeiten von über 50 kW, womit die Durchsatzkapazität des Gesamtnetzes aktuell schneller wächst als die Anschlusszahl. Cirrantic-Geschäftsführer Ludwig Hohenlohe zufolge pendelt sich die Wachstumsrate der Schnellladestationen gerade bei circa 40 Prozent pro Jahr ein, was noch einmal belegt, wie groß der Fokus auf leistungsstarken Schnellladern ist.
Schnellladesäulen sind immer stärker ausgelastet
Auch bei der Auslastung der unterschiedlichen Ladesäulen zeigen sich klare Unterschiede: Während die leistungsstarken DC- und HPC-Lader pro Tag im Schnitt 2,5 Mal genutzt werden, liegt die Auslastung von innerstädtischen AC-Säulen im Schnitt lediglich bei 0,6 Ladungen pro Tag.
Letztere werden dabei offenbar hauptsächlich als langsame Standlader über Nacht oder beim Parken genutzt, während erstere von E-Auto-Besitzern im Alltag deutlich häufiger angefahren werden. Die geringe Auslastung von „Schnarchladern“ erklärt auch, warum man dort immer noch vergleichsweise viel für die Ladung zahlt: sie rechnen sich aufgrund der geringen Auslastung sonst einfach nicht.
Der Preis pro Kilowattstunde Gleichstrom an Schnellladestationen liegt dabei derweil bei durchschnittlich 62 Cent, während an Wechselstrom-Ladepunkten mit durchschnittlich 57 Cent pro Kilowattstunde zu rechnen ist. Damit hat sich der Preisabstand zwischen AC- und DC-Laden weiter verringert. Gleichzeitig werden die Preise im Vergleich zu den vergangenen Jahren immer stabiler, was die laufenden Kosten für E-Autos planbarer macht.
Monatliche Nutzung nimmt saisonbedingt leicht ab
Bei der monatlichen Nutzung zeigte sich im Juli im Vergleich zum Juni hingegen ein klarer Rückgang. Dieser sei Hohenlohe zufolge jedoch kein Grund zur Sorge und könne auf einen einfachen saisonalen Effekt zurückgeführt werden: Schließlich lassen viele E-Auto-Halter aus den Städten ihre Fahrzeuge zu Hause und reisen während des Sommerurlaubs eher mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Flugzeug. Dadurch sinke die Zahl der Ladevorgänge im städtischen Raum deutlich.
Außerdem würden viele der ausländischen Reisenden bei der sommerlichen Transitfahrt durch Deutschland Teslas Supercharger-Netz nutzen. Dieses kann jedoch nicht vollständig im Charging-Radar-Monitoring erfasst werden. Betrachtet man die Zahl der monatlichen Nutzungen im Jahresvergleich ergibt sich im Juli zudem ein klares Plus von 25 Prozent.
Aus den Daten von Cirrantic lässt sich demnach klar ableiten, dass der Ladeinfrastruktur-Markt zunehmend an Reife gewinnt. Saisonale Schwankungen können immer besser bewältigt werden, Preise sind stabiler und das Wachstum ist enorm. Lag die Zahl der öffentlichen Ladepunkte zum 1. April 2026 laut Bundesnetzagentur noch bei 200.255 waren es zwei Monate später bereits die von Cirrantic angeführten 233.000 und damit ein Plus von über 15 Prozent innerhalb dieses kurzen Zeitraums.
Quellen: Edison Media – Charging Radar: Schnelllader zementieren ihren Vorsprung / electrive – Deutschland knackt Marke von 200.000 öffentlichen Ladepunkten








Wird geladen...