Wer bereits elektrisch fährt, möchte meist nicht zurück zum Verbrenner. Gleichzeitig verlieren Reichweitenängste an Bedeutung, während Preise, zuverlässiges Laden und die Qualität der Ladeorte stärker in den Mittelpunkt rücken. Das zeigt die Shell Elektromobilitätsstudie 2026. Auch elektrische Dienstwagen und Flotten spielen demnach eine zunehmend wichtige Rolle.
Für die gemeinsam mit dem Forschungspartner Strive erstellte Untersuchung wurden weltweit mehr als 7400 Menschen befragt. In Deutschland waren es 1500 Personen, darunter 1000 E-Auto-Fahrer und 500 Menschen ohne Elektroauto. Untersucht wurden unter anderem Fahrzeugnutzung, Kaufabsichten und Erfahrungen mit der Ladeinfrastruktur.
Besonders deutlich fällt die Bindung der bestehenden Nutzer an den Elektroantrieb aus. 89 Prozent der befragten E-Auto-Fahrer würden für ihr nächstes Fahrzeug erneut ein Elektroauto in Betracht ziehen, 74 Prozent konkret einen reinen Stromer. Bemerkenswert ist zudem der Gebrauchtwagenmarkt: 69 Prozent der heutigen E-Auto-Fahrer könnten sich ein gebrauchtes Elektroauto vorstellen. Selbst unter den von Shell als potenzielle E-Auto-Käufer eingestuften Befragten sind es 67 Prozent. Von den Menschen, die derzeit noch kein Elektroauto fahren, ziehen immerhin 37 Prozent einen Umstieg grundsätzlich in Betracht.
Kosten überzeugen – und schrecken zugleich ab
Dabei ergibt sich ein interessantes Spannungsfeld. Unter den heutigen E-Auto-Fahrern nennen 45 Prozent eingesparte Energie- beziehungsweise Kraftstoffkosten als einen wesentlichen Vorteil. Es folgen Umweltvorteile mit 39 Prozent und Fahrspaß mit 32 Prozent. Geringere Wartungskosten kommen auf 29 Prozent. Auf der Gegenseite halten Reichweite und Laden 43 Prozent der Nicht-E-Auto-Fahrer vom Kauf ab. Für 32 Prozent sind die Anschaffungskosten zu hoch, 29 Prozent beklagen zu wenige öffentliche Ladepunkte. Weitere 18 Prozent empfinden öffentliches Laden als zu teuer.
Dass das Elektroauto für seine Nutzer längst nicht mehr nur Zweit- oder Stadtfahrzeug ist, zeigen die Fahrleistungen. 17 Prozent legen jährlich mehr als 20.000 Kilometer zurück, weitere 14 Prozent zwischen 16.000 und 20.000 Kilometer. Noch deutlicher ist die Entwicklung auf der Langstrecke: 68 Prozent haben bereits längere Fahrten unternommen, bei denen öffentlich geladen werden musste. 46 Prozent berichten dabei von guten Erfahrungen, 22 Prozent von Schwierigkeiten. Nur sechs Prozent vermeiden solche Reisen wegen der Ladeinfrastruktur, weitere vier Prozent aufgrund von Reichweitenbedenken.
Ladeinfrastruktur wird besser bewertet
Auch die öffentliche Ladeinfrastruktur bekommt deutlich bessere Noten als zuvor. 69 Prozent sehen gegenüber dem Vorjahr Fortschritte bei der Verfügbarkeit, 67 Prozent bei der Auswahl der Anbieter und jeweils 64 Prozent bei Zuverlässigkeit und Standortqualität. Allerdings sehen nur 47 Prozent eine Verbesserung beim Preis-Leistungs-Verhältnis.
Damit verschiebt sich das Problem aus Sicht vieler Nutzer zunehmend vom grundsätzlichen Vorhandensein von Ladepunkten hin zur Qualität des Angebots. Bei der Wahl eines Ladeortes nennen jeweils 42 Prozent Kosten sowie Shops, Gastronomie oder Toiletten als relevantes Kriterium. 38 Prozent achten auf die Ladegeschwindigkeit, 32 Prozent auf Zuverlässigkeit. Laut Shell würden 73 Prozent sogar einen Umweg für einen zuverlässigeren Ladepunkt fahren. 54 Prozent wären bereit, für schnelleres Laden mehr zu bezahlen.
Das erklärt auch, warum sich die Anforderungen an Schnellladeparks verändern. 43 Prozent wünschen sich Kaffee und Heißgetränke am Standort, 41 Prozent warme Mahlzeiten, 38 Prozent Einkaufsmöglichkeiten und 36 Prozent Sitzgelegenheiten. Jeder zweite E-Auto-Fahrer kauft der Befragung zufolge mindestens monatlich Kaffee an einer Tankstelle oder einem Lade-Hub.
Flotten fahren besonders viel elektrisch
Eine wichtige Rolle sieht die Untersuchung zudem bei Firmenflotten. Unter den befragten E-Auto-Fahrern liegt der Anteil der Flottenfahrer bei 33 Prozent, unter den Nicht-E-Auto-Fahrern bei 21 Prozent. Elektrische Flottenfahrzeuge werden dabei keineswegs nur für kurze Wege eingesetzt: Elf Prozent der elektrischen Flottenfahrer kommen auf mehr als 30.000 Kilometer pro Jahr, gegenüber sechs Prozent aller E-Auto-Fahrer.
54 Prozent nutzen das Fahrzeug regelmäßig für Kunden- und Lieferantenbesuche, 51 Prozent für den Transport von Ausrüstung. Gleichzeitig gewinnt Laden am Unternehmensstandort an Bedeutung: 65 Prozent der elektrischen Flottenfahrer laden dort mindestens einmal pro Woche. Damit wird das Laden am Arbeitsplatz zum Bindeglied zwischen heimischer und öffentlicher Ladeinfrastruktur.
Insgesamt zeigt die Studie, dass die grundsätzliche Akzeptanz für viele kaum noch das Problem zu sein scheint. Wichtiger werden nun Anschaffungspreise, günstiges Laden sowie zuverlässige und angenehme Ladestandorte. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Shell selbst ein großer Ladeinfrastrukturbetreiber ist und damit ein wirtschaftliches Interesse insbesondere an den Themen Schnellladen und Lade-Hubs hat. Die deutsche Stichprobe ist zudem gezielt stark mit E-Auto-Fahrern besetzt und bildet deshalb nicht die Antriebsverteilung der Gesamtbevölkerung ab.
Quelle: Shell – Pressemitteilung vom 7. Oktober 2026









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