Ladeinfrastruktur wächst – doch Netzbetreiber werden zum Nadelöhr

Ladeinfrastruktur wächst – doch Netzbetreiber werden zum Nadelöhr
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Daniel Krenzer
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Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur in Deutschland kommt weiterhin zügig voran. Laut Bundesnetzagentur waren zum 1. April 2026 bundesweit bereits 200.255 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Betrieb, darunter mehr als 51.000 Schnellladepunkte. Innerhalb eines Jahres ist das Netz damit um rund 17 Prozent gewachsen. Die eigentliche Herausforderung liegt inzwischen vielerorts jedoch nicht mehr beim Bau von Ladesäulen selbst, sondern bei den Stromnetzen und den Prozessen rund um deren Anschluss.

Noch vor wenigen Jahren galt vor allem der Mangel an Ladepunkten als größtes Hindernis für die Elektromobilität. Inzwischen hat sich die Situation deutlich verändert. Entlang vieler Fernstraßen, in Städten und zunehmend auch in ländlichen Regionen entstehen neue Schnellladeparks. Das Problem: Zwischen Planung und tatsächlicher Inbetriebnahme vergehen häufig viele Monate, weil Netzanschlüsse fehlen oder deren Realisierung deutlich länger dauert als erwartet.

Branchenvertreter berichten sogar von Wartezeiten von teilweise mehr als einem Jahr für leistungsstarke Netzanschlüsse. Besonders betroffen sind Schnellladeparks mit mehreren Hundert Kilowatt Anschlussleistung sowie Ladehubs für elektrische Nutzfahrzeuge, wie die Automobilwoche zuletzt thematisierte.

Die Entwicklung überrascht kaum. Bereits Anfang des Jahres hatte Eon darauf hingewiesen, dass sich die Diskussion rund um die Elektromobilität zunehmend vom Ladepunkt hin zum Stromnetz verlagert. Deutschland stehe vor einer Phase, in der nicht mehr die Anzahl der Ladesäulen, sondern die Verfügbarkeit von Netzanschlüssen, Smart Metern und intelligentem Lastmanagement über die Geschwindigkeit der Energiewende entscheide.

Dänemark zeigt, wohin die Reise geht

Wie sich die Herausforderungen verändern, zeigt ein Blick nach Dänemark. Dort gilt die öffentliche Ladeinfrastruktur bereits heute als vergleichsweise gut ausgebaut. Die Diskussion dreht sich daher zunehmend um netzdienliches Laden, flexible Stromtarife und intelligente Steuerung der Lasten.

Auch Deutschland dürfte sich mittelfristig in diese Richtung entwickeln. Die Bundesnetzagentur zählt inzwischen mehr als 200.000 öffentliche Ladepunkte. Gleichzeitig wächst die Ladeleistung deutlich schneller als die Anzahl der Standorte, weil Betreiber verstärkt auf High-Power-Charging setzen. Allein die Zahl der Schnellladepunkte ist binnen eines Jahres um rund ein Drittel gestiegen. Die Netzbetreiber selbst stehen dabei vor einer Mammutaufgabe. Einerseits müssen sie Millionen neue Verbraucher wie Elektroautos, Wärmepumpen und Batteriespeicher integrieren. Andererseits sehen sie sich mit komplexen Genehmigungs- und Planungsprozessen konfrontiert.

Eon-Chef Leonhard Birnbaum hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die Energiewende inzwischen in eine neue Phase eintrete. „In der zweiten Halbzeit wird die Energiewende zur Systemwende“, sagte er und betonte, dass künftig „Effizienz und Bezahlbarkeit“ stärker in den Mittelpunkt rücken müssten. Für Betreiber von Ladeinfrastruktur bedeutet das: Selbst wenn Investitionsbereitschaft und Nachfrage vorhanden sind, können fehlende Netzkapazitäten oder langwierige Anschlussverfahren Projekte erheblich verzögern.

Schnellere Prozesse gefragt

Gleichzeitig mehren sich die Stimmen, die einen stärkeren Fokus auf den Abbau bürokratischer Hürden fordern. Der Energiewirtschaftsverband En2x kritisierte zuletzt, dass komplexe Verfahren und fehlende Fristen weiterhin den Ausbau der Ladeinfrastruktur ausbremsen. Gefordert werden unter anderem schnellere Genehmigungen, verbindliche Bearbeitungszeiten und digitalisierte Prozesse.

Hinzu kommen weitere regulatorische Herausforderungen. Erst kürzlich forderten mehrere Verbände eine Reform des Eichrechts für Ladesäulen. Der derzeitige Prüfaufwand führe zu zusätzlichen Kosten und langen Ausfallzeiten. „Der Ausbau und Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur“ müsse effizienter gestaltet werden, argumentieren die Verbände. Auch der Bundesverband Neue Mobilität hat eine Arbeitsgruppe und entsprechende Prozesse gestartet, um die Ladeinfrastruktur für Betreiber und somit auch für die Endnutzer günstiger und zudem transparenter zu machen.

Stromnetz gehört größte Aufmerksamkeit

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Deutschland beim Ausbau der Ladeinfrastruktur deutlich weiter ist, als es die öffentliche Debatte häufig vermuten lässt. Weiße Flecken auf der Landkarte werden seltener, Schnellladeparks entstehen entlang der wichtigsten Verkehrsachsen und die Auslastung vieler Standorte steigt spürbar. Wer eine Ladestation benötigt, findet diese in der Regel auch schnell und unkompliziert.

Gerade deshalb verschiebt sich der Engpass. Die Herausforderung besteht heute immer weniger darin, neue Standorte zu finden und Ladepunkte aufzustellen. Entscheidend wird vielmehr, ob Netzbetreiber, Politik und Regulierung den Anschluss der Anlagen beschleunigen können. Denn eine Schnellladesäule ohne ausreichenden Netzanschluss bleibt am Ende nur teure Infrastruktur ohne Nutzen.

Die nächste Ausbaustufe der Elektromobilität wird deshalb nicht primär auf Parkplätzen entschieden, sondern in den Verteilnetzen. Dort fällt zunehmend die Entscheidung darüber, wie schnell Deutschland seine Verkehrs- und Energiewende tatsächlich umsetzen kann. Und noch präsenter dürfte dieses Thema werden, wenn durch die Änderungen im Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz (GEIG) immer mehr Parkplatzbesitzer ab kommendem Jahr gezwungen sind, Ladeinfrastruktur aufzubauen.

Quelle: Automobilwoche – Die Ladeinfrastruktur der Zukunft – und was ihr im Weg steht

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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