Krisenkurs: Honda lagert Fahrzeugentwicklung an Tata aus

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Arun Niemann
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  —  Lesedauer 3 min

Der japanische Autobauer Honda hat mit 2025 sein erstes Firmenjahr seit der Gründung 1948 hinter sich, in dem das Unternehmen Verluste eingefahren hat. Als Reaktion darauf wurden zunächst mehrere geplante E-Auto-Programme in Nordamerika gestrichen. Zudem macht Honda nun mit der Auslagerung eines neuen Fahrzeugprogramms an einen indischen Engineering-Dienstleister Schlagzeilen.

Verschiedenen mit der Entscheidung vertrauten Personen zufolge hat Honda Tata Technologies mit der kompletten Entwicklung einer neuen Fahrzeugplattform betraut. Auf dieser Plattform sollen dann sowohl neue Verbrennermodelle als auch elektrifizierte Antriebe für Hybride und Elektroautos aufbauen können. Zielmärkte wurden von den Insidern bisher jedoch noch nicht genannt.

Der Schritt ist insofern besonders, als Honda die Entwicklung seiner Kernplattformen bisher stets intern oder zumindest innerhalb des festen Zuliefernetzwerks gehalten hatte. Auf Nachfrage wollte sich einer der Sprecher von Honda nicht zu weiteren Details der Partnerschaft äußern, erklärte jedoch per Mail, dass man „stets die Möglichkeit verschiedener externer Partnerschaften“ prüfe.

Darum muss sich Honda jetzt neu ausrichten

Der Schritt folgt auf Hondas erstes Verlustjahr seit der Gründung 1948. Das Unternehmen will nun natürlich reagieren und seine Maßnahmen zur Kostensenkung beschleunigen. Der CEO Toshihiro Mibe hatte bereits verlauten lassen, dass man externe Ressourcen künftig „flexibler und strategischer“ nutzen wolle. Gleichzeitig nannte er explizit die Vorteile von Engineering-Talenten in Indien und China in Bezug auf die niedrigen Kosten und die hohe Geschwindigkeit.

Hondas Kooperation mit Tata könnte unter anderem auch darin begründet sein, dass die Lage für den Autobauer in Indien besonders dramatisch ist. Dort werden durch Honda bislang noch gar keine E-Autos verkauft, während indische Anbieter wie Mahindra & Mahindra oder eben auch Tata Motors schon mehrere Modelle am Markt etabliert haben.

Gleichzeitig sinkt der indische Marktanteil von Honda immer weiter. Von einem einstigen Höchststand bei 7 Prozent ist Hondas Anteil am drittgrößten Automarkt der Welt inzwischen auf nur noch 2 Prozent zusammengeschrumpft. Die Zusammenarbeit mit einem indischen Engineering-Dienstleister ist ein Bruch mit Hondas bisheriger Praxis und könnte der erste Schritt sein, um diesem Rückgang entgegenzuwirken.

Indien wird immer mehr zum globalen Engineering-Hub

Bloomberg zufolge zeigt dieser Schritt durch Honda noch einmal klar auf, wie wichtig Indien inzwischen als globaler Engineering-Standort für die Autoindustrie geworden ist. Auch Mercedes-Benz und BMW haben bereits Entwicklungsarbeiten auf den Subkontinent ausgelagert, um Kosten zu senken und Entwicklungszyklen zu verkürzen. Schon im Juli hatte der Tata-Technologies-CEO Warren Harris dann die Zusammenarbeit bei einem „kompletten Fahrzeugentwicklungsprogramm mit einem führenden japanischen Automobilhersteller“ bestätigt, bei dem es sich Bloomberg zufolge um Honda handelt.

Aus dem Earnings-Call-Transkript von Tata Technologies geht der Stellenwert hervor, den Harris in der Zusammenarbeit mit Honda sieht. Schließlich seien vor allem japanische Hersteller historisch gesehen extrem wählerisch bei der Wahl ihrer Engineering-Partner. Daher sei es eine „bemerkenswerte Bestätigung“ für die Fähigkeiten von Tata Technologies, dass man hier ganz ohne vorangegangene Geschäftsbeziehungen mit der kompletten Entwicklung eines Fahrzeugprogramms betraut werde.

Harris zufolge könne das Unternehmen komplette Fahrzeuge und Karosserieaufbauten innerhalb von anderthalb bis zwei Jahren zur Serienreife bringen, wofür westliche Hersteller normalerweise die doppelte Zeit benötigen würden. Das würde man vor allem auch durch die zehnjährige Präsenz in China und den strategischen Einsatz von KI-Technologien in der Entwicklung erreichen.

Eigenen Angaben zufolge plant Honda ab 2028 zudem die Einführung einer eigenen Fahrzeuglinie in Indien. Gleichzeitig soll die Rolle des Landes als Standort für Produktion und Export nach Lateinamerika und Südostasien ausgebaut werden. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Hondas Partnerschaft mit Tata Technologies dem Autobauer auch helfen wird, den Rückstand bei E-Autos in Indien und in anderen Wachstumsmärkten zu verringern.

Quellen: Bloomberg – Honda Outsources New Vehicle Program to Tata Tech to Cut Costs / Honda – Honda Business Briefing Update / Investing.com – Earnings call transcript: Tata Technologies posts strong Q1 2026 growth

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Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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