Sony Afeela könnte ebenfalls auf der Kippe stehen

Sony Afeela könnte ebenfalls auf der Kippe stehen
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Afeela

Daniel Krenzer
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  —  Lesedauer 3 min

Der überraschende Rückzug des japanischen Automobilherstellers Honda von mehreren geplanten Elektroautos für Nordamerika hat bereits für reichlich Diskussionen gesorgt. Nachdem der japanische Hersteller angekündigt hatte, die Modelle Honda 0 SUV, Honda 0 Saloon und Acura RSX zu streichen, stellt sich nun eine weitere Frage: Was bedeutet dieser Kurswechsel für das gemeinsame Elektroauto-Projekt mit Sony? Laut Auto Motor und Sport könnte auch das auf der Kippe stehen.

Der Afeela, eine Elektro-Limousine aus dem Joint Venture Sony Honda Mobility (SHM),  sollte ursprünglich ab diesem Jahr auf den US-Markt kommen und gilt als eines der ambitioniertesten Projekte der Branche, da hier Unterhaltungselektronik, Softwareplattform und klassische Fahrzeugtechnik zusammengeführt werden sollen. Doch die jüngsten Entscheidungen bei Honda werfen Schatten auf diese Pläne. Der Hersteller hatte erst kürzlich eingeräumt, im sich wandelnden Marktumfeld nicht schnell genug reagiert zu haben. Insbesondere der Wettbewerb durch neue Elektroautohersteller und der zunehmende Fokus auf softwarebasierte Fahrzeugfunktionen hätten die eigenen Produkte unter Druck gesetzt.

Afeela soll in Ohio gebaut werden

Gleichzeitig schwächelt der Elektroautomarkt in Nordamerika zumindest aus Sicht einiger Hersteller nachhaltig, was nicht zuletzt auf die Politik der Trumpschen Regierung zurückzuführen ist. Lockerere politische Vorgaben für Verbrenner sowie veränderte Förderbedingungen haben laut Honda dazu geführt, dass sich das Wachstum der Elektromobilität langsamer entwickelt als erwartet. Vor diesem Hintergrund hat Honda seine Strategie neu ausgerichtet und setzt vorerst stärker auf Hybridmodelle. Die Konsequenz: Milliardenabschreibungen, gestrichene Projekte – und eine spürbare Verunsicherung rund um laufende Elektroprogramme. Auch der Afeela soll in einem Honda-Werk im US-Bundesstaat Ohio produziert werden – also genau dort, wo auch die nun gestrichenen Elektroauto-Programme geplant waren. Zudem ist dafür eine Plattform vorgesehen, die auf denjenigen der gestrichenen E-Modelle basiert.

Offiziell geben sich Sony und Honda bislang gelassen. Man habe Kenntnis von Hondas Entscheidung, erklärte ein Sprecher von Sony Honda Mobility, derzeit liefen Gespräche zwischen den Mutterkonzernen über mögliche Auswirkungen auf das gemeinsame Projekt. Konkrete Aussagen zur Zukunft des Fahrzeugs gibt es bislang jedoch nicht. Doch dass es zumindest geprüft wird, ist leicht anzunehmen. Dabei steht für den Afeela einiges auf dem Spiel. Das Modell positioniert sich bewusst im Premiumsegment und soll je nach Version rund 90.000 bis über 100.000 US-Dollar (78.000 bis 87.000 Euro) kosten. Damit tritt es gegen etablierte Elektro-Limousinen wie den Lucid Air an – ein anspruchsvolles Umfeld für einen Newcomer.

Vorzeigeprodukt mit Software-Fokus

Hinzu kommt: Der Afeela ist mehr als nur ein Auto. Sony will mit dem Fahrzeug seine Kompetenzen in Entertainment, Gaming und Softwareplattformen ins Auto bringen. Honda wiederum liefert Fertigung, Fahrzeugarchitektur und Automobil-Know-how. Genau diese Kombination aus Tech- und Autoindustrie sollte das Projekt ursprünglich zu einem Vorzeigeprojekt der neuen Mobilität machen. Das Fahrzeug soll also, wie viele Modelle in China, vor allem softwareseitig konzipiert sein.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen jedoch, wie fragil solche Visionen werden können, wenn sich Marktbedingungen schnell ändern. Während viele Hersteller ihre Elektrostrategien weiter ausbauen, reagieren andere – darunter Honda – mit kurzfristigen Kurskorrekturen. Für den Afeela werden die kommenden Monate entscheidend. Sollte Honda seinen Elektro-Fokus tatsächlich dauerhaft reduzieren, könnte das Prestigeprojekt mit Sony zum letzten großen Versuch werden, im Premiumsegment der Elektromobilität noch einmal Fuß zu fassen. Oder Honda hisst die weiße Flagge und streicht auch diese Vision aus dem Kopf. Und Sony müsste einen ähnlichen Rückschlag in Kauf nehmen wie Apple, deren Auto-Ambitionen ebenfalls ausgebremst wurden.

Quelle: Auto Motor und Sport – Sony-Auto Afeela vor dem Aus?

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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