Honda streicht neue Elektroautos für Nordamerika

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Daniel Krenzer
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Der japanische Automobilhersteller Honda hat die Entscheidung bekanntgegeben, die Entwicklung und Markteinführung von drei Elektroauto-Modellen, deren Produktion in Nordamerika geplant war, zu streichen. Diese Entscheidung wurde einer Pressemitteilung zufolge innerhalb der Neubewertung der Elektrifizierungsstrategie des Unternehmens unter anderem mit Blick auf die jüngsten Veränderungen im Geschäftsumfeld getroffen. Infolgedessen rechnet Honda nun mit Verlusten in seinem konsolidierten Finanzergebnis für das im März endende Geschäftsjahr, was zu einer Korrektur der zuvor veröffentlichten Prognosen für das konsolidierte Finanzergebnis für das Geschäftsjahr führe.

Mit dem Ziel, bis 2050 für alle Produkte und Unternehmensaktivitäten von CO2-Neutralität zu erreichen, und aufgrund einer bedeutenden politischen Wende in den USA, die den Übergang zu Elektrofahrzeugen beschleunigen sollte, hatte Honda eine bedeutende strategische Neuausrichtung hin zur Verbreitung von Elektrofahrzeugen vorgenommen. Dies geschah den Ausführungen nach „basierend auf der Überzeugung, dass Elektroautos langfristig die optimale Lösung für die Verwirklichung der CO2-Neutralität sind, insbesondere für kleine Mobilitätsprodukte wie Personenkraftwagen“.

Honda gibt zu, nicht mithalten zu können

Honda habe stetige Fortschritte bei der Einführung von Elektrofahrzeugen erzielt, indem es seine stabile Ertragsbasis aus dem bestehenden Benzin- und Hybridfahrzeuggeschäft sowie aus dem Motorrad- und Finanzdienstleistungsgeschäft mit einer soliden Kundenbasis nutzte. Allerdings sei die Rentabilität des Automobilgeschäfts von Honda derzeit rückläufig, was in erster Linie auf zwei Faktoren zurückzuführen sei: 1.) die ungünstigen Auswirkungen der Änderungen der US-Zollpolitik auf das Benzin- und Hybridfahrzeuggeschäft und 2.) den Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit von Honda-Produkten in Asien aufgrund der Auswirkungen der Umschichtung von Ressourcen in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen.

Darüber hinaus unterliege das Umfeld des Automobilgeschäfts von Honda erheblichen Veränderungen, und die Aussichten bleiben den Japanern zufolge ungewiss. Zuvor, als strenge Umweltvorschriften in den USA und anderen Ländern vollständig umgesetzt wurden, verfolgte Honda die Einführung von Elektroautos mit der festen Überzeugung, dass das Streben nach CO2-Neutralität eine Verantwortung ist, die Honda als Hersteller von Mobilitätsprodukten für die Zukunft erfüllen muss. In den USA hat sich die Expansion des Marktes für E-Autos nun jedoch verlangsamt,, was vor allem auf die Lockerung der Vorschriften für fossile Brennstoffe und die Überarbeitung der Anreize für Elektrofahrzeuge zurückzuführen sei.

„Darüber hinaus verlagert sich in China der Fokus der Kunden bei Automobilen von Hardware-Merkmalen wie Kraftstoffeffizienz und Innenraumgröße hin zu softwarebasierten Funktionen, die entsprechend den Kundenwünschen kontinuierlich weiterentwickelt werden“, stellt Honda weiter fest. Dies habe zu einem verschärften Wettbewerb geführt, da neue Hersteller schnell auf den Markt drängen, die ihre kurzen Produktentwicklungszyklen und ihre Stärken im Bereich der Software-Defined-Vehicle-Technologien (SDV), einschließlich fortschrittlicher Fahrerassistenzsysteme (ADAS), nutzten. „In diesem schwierigen Wettbewerbsumfeld war Honda nicht in der Lage, Produkte anzubieten, die ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten als die neueren Elektroauto-Hersteller, was zu einem Rückgang der Wettbewerbsfähigkeit führte“, gibt der Hersteller selbstkritisch zu.

Honda 0 und Acura RSX gestrichen

Das Automobilgeschäft von Honda sei aufgrund verschiedener Faktoren in eine äußerst schwierige Ertragslage geraten, darunter die Unfähigkeit, flexibel auf diese Veränderungen im Geschäftsumfeld zu reagieren, sowie der Rückgang der Rentabilität von Benzin- und Hybridmodellen aufgrund der Auswirkungen neu eingeführter Zölle.

Um die aktuelle Ertragslage so schnell wie möglich zu verbessern, habe Honda verschiedene Optionen in Betracht gezogen. Nach sorgfältiger Abwägung hat das Unternehmen jedoch beschlossen, die Entwicklung und Markteinführung von drei Modellen, deren Produktion in den USA geplant war, nämlich dem Honda 0 SUV, dem Honda 0 Saloon und dem Acura RSX, zu streichen. „Honda kam zu dem Schluss, dass die Aufnahme der Produktion und des Verkaufs dieser drei Modelle unter den aktuellen Geschäftsbedingungen, unter denen die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen deutlich zurückgeht, langfristig wahrscheinlich zu weiteren Verlusten führen würde“, schreiben die Japaner.

Aufgrund dieser Entscheidung rechnet Honda nun mit Abschreibungen und Wertminderungsaufwendungen auf materielle und immaterielle Vermögenswerte, die für die Produktion dieser drei Modelle vorgesehen waren, sowie Verlusten im Zusammenhang mit zusätzlichen Aufwendungen, die sich aus der Einstellung der Entwicklung und des Verkaufs dieser Modelle ergeben. Darüber hinaus habe Honda angesichts des verschärften Wettbewerbs in China die dortigen Investitionen neu bewertet und rechnet nun mit einer Wertminderung.

Bis zu 3,1 Milliarden Euro Sonderverluste

Infolgedessen erwartet Honda für das laufende Geschäftsjahr in den konsolidierten Finanzergebnissen Betriebsaufwendungen in Höhe von 820 Milliarden Yen bis 1,12 Billionen Yen (4,5 bis 6,1 Milliarden Euro) und Sonderverlusten in Höhe von 340 bis 570 Milliarden Yen (1,9 bis 3,1 Milliarden Euro). Diese Beträge seien vorläufige Schätzungen und sollen in den konsolidierten und nicht konsolidierten Finanzergebnissen für das am 31. März 2026 endende Geschäftsjahr endgültig festgelegt werden.

Angesichts der jüngsten Verlangsamung des Wachstums des Elektro-Marktes in den USA will Honda seine Ressourcenzuweisung neu bewerten und seine Hybridmodelle weiter stärken. Was das regionale Geschäft betrifft, so werde Honda neben seinen Hauptmärkten Japan und den USA auch in Indien, wo eine Marktexpansion erwartet wird, die Modellpalette und die Kostenwettbewerbsfähigkeit verbessern. Auch in anderen Ländern Asiens werde Honda seine Wettbewerbsfähigkeit durch die Einführung von Hybridmodellen der nächsten Generation und die Neubewertung seiner Ressourcenallokation stärken.

Quelle: Honda – Pressemitteilung vom 12. März 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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