Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf
Copyright:

VW

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen setzt die Entwicklungsvorleistungen für den elektrischen ID. Golf in Wolfsburg vorerst aus. Als Grund nennt VW-Pkw-Chef Thomas Schäfer die wirtschaftliche Situation der Marke, die er in einem betriebsinternen Interview offen ansprach. „Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten“, sagte der Manager und sprach von einer „harten Entscheidung“. Auf die Beschäftigten im Stammwerk hat die Pause zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen.

Gestoppt wird eine frühe Phase des Projekts. Gebaut werden soll das Elektromodell erst ab Anfang der 2030er-Jahre. Derzeit prüfen Ingenieur:innen, wie ein neuer Golf auf der kommenden Elektroplattform SSP aussehen könnte, und genau diese Vorarbeiten ruhen nun. Trotz fehlender Folgen für Arbeitsplätze ist die Botschaft laut Einschätzung der Automobilwoche ein Warnschuss an die Belegschaft in Wolfsburg.

Hintergrund sind verfehlte Kostenziele. Jede Fabrik des Konzerns bekam Ende 2024 entsprechende Vorgaben auferlegt, und das Stammwerk bleibt nach seiner Darstellung hinter ihnen zurück. „Wolfsburg erreicht seine Ziele aktuell nicht“, so Schäfer. Nach seinen Angaben hat der Standort vereinbarte Kostenziele in Höhe von 300 Millionen Euro verfehlt. Rund 200 Millionen Euro davon seien „Kosten, die wir selbst beeinflussen können“.

Wie es um die Marke insgesamt steht, zeigen die Quartalszahlen. Im dritten Quartal lag das operative Ergebnis von VW Pkw, der wichtigsten Marke im Konzern, bei minus 182 Millionen Euro. Schäfer verzichtete darauf, die Entwicklung zu beschönigen: „Das Ergebnis ist schlecht. Da gibt es nichts schönzureden.“

Emden und Zwickau liefern, Wolfsburg hinkt hinterher

Zum Vergleich verwies der VW-Pkw-Chef auf zwei andere Standorte. „Emden und Zwickau sind in diesem Jahr auf Zielkurs“, sagte er. Dabei hätten es beide Werke wegen der unsicheren Aussichten schwer, fügte Schäfer hinzu. Wolfsburg hingegen nehme es nach Ansicht des Managers mit den Kostenvorgaben nicht genau genug.

Diese Unsicherheit hat einen konkreten Hintergrund. Zwickau und Emden zählen gemeinsam mit Hannover und dem Audi-Werk Neckarsulm zu jenen deutschen Fabriken, deren Zukunft ab den 2030er-Jahren ungeklärt ist. Für das kommende Jahrzehnt hat der Konzern dort bislang keine Modelle zugesichert.

In Wolfsburg stellt sich die Lage anders dar. Im Stammwerk soll ab 2030 der elektrische T-Roc vom Band laufen, anschließend ist der Anlauf des ID. Golf vorgesehen. Anders als die vier genannten Fabriken verfügt das Stammwerk damit bereits über Modellzusagen für die 2030er-Jahre. Beim geplanten Folgemodell ruhen nun allerdings die Vorarbeiten.

Der Konzernbetriebsrat reagierte mit einer internen Stellungnahme. „Die Pause bedeutet nicht, dass der ID. Golf tatsächlich verzögert an den Start gehen wird. Zeitverzug lässt sich aufholen“, heißt es darin. Zugleich werten die Arbeitnehmervertreter:innen den Ausgabenstopp als „ein weiteres Anzeichen dafür, wie angespannt die finanzielle Lage des Konzerns ist“.

Kein Widerspruch vom Betriebsrat trotz Sparkurs

Einen Einwand gegen die Entscheidung selbst formuliert das Gremium nicht. Es verweist lediglich darauf, dass Elektro-T-Roc und ID. Golf fest vereinbart seien, und hält fest: „Der Vorstand steht hier weiterhin in der Pflicht.“ Gemessen an der sonst selbstbewussten Tonlage der Arbeitnehmerseite stuft die Automobilwoche das Statement als defensiv ein, auch mit Blick auf die Situation des Unternehmens.

Im Aufsichtsrat wurden umfangreiche Sparmaßnahmen beschlossen. Bis 2030 sollen zusätzlich 50.000 Stellen wegfallen. Allein 12.000 davon entfallen in Deutschland auf die Stammmarke Volkswagen. Darüber hinaus kündigte die Volkswagen AG zehn Tarifverträge, woraufhin die IG Metall mit Streiks ab Januar droht.

Quelle: Automobilwoche – VW pausiert ID. Golf: „Wolfsburg erreicht seine Ziele aktuell nicht“

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen prüft die Montage chinesischer Modelle in der Türkei. Fahrzeugbausätze aus China könnten dort künftig zusammengesetzt werden.

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Daniel Krenzer  —  

VW erprobt mit Telekom und Partnern automatisierte Fahrzeugtransporte im Hafen Emden. Auch das fahrerlose Verladen auf Züge wurde getestet.

Sind E-Autos schuld an der Krise von VW, BMW und Mercedes?

Sind E-Autos schuld an der Krise von VW, BMW und Mercedes?

Sebastian Henßler  —  

Mercedes und BMW verkaufen in Europa so viele E-Autos wie nie, trotzdem sinken die Gewinne. Ich erkläre, warum China und die USA dafür entscheidender sind.

VW Zwickau baut Autos jetzt auch wieder auseinander

VW Zwickau baut Autos jetzt auch wieder auseinander

Sebastian Henßler  —  

Zur Förderung der Kreislaufwirtschaft zerlegt VW Autos auf einer industriellen Linie. Ab 2027 sollen dort jährlich 4100 Fahrzeuge demontiert werden.

Audi: Milliardenschwere US-Pläne stehen bereits auf der Kippe

Audi: Milliardenschwere US-Pläne stehen bereits auf der Kippe

Daniel Krenzer  —  

Audis milliardenschwere US-Pläne wackeln: Verbindliche Zusagen fehlen, und die Wahlkampfhilfe für Donald Trump sorgt für massive Kritik.

Erfolg mit Folgen: E-Autos drücken die Marge bei VW

Erfolg mit Folgen: E-Autos drücken die Marge bei VW

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen verbucht in neun Monaten 39 Prozent mehr Aufträge für E-Autos. Gleichzeitig fällt das operative Ergebnis auf 0,1 Milliarden Euro zurück.