Volkswagen setzt die Entwicklungsvorleistungen für den elektrischen ID. Golf in Wolfsburg vorerst aus. Als Grund nennt VW-Pkw-Chef Thomas Schäfer die wirtschaftliche Situation der Marke, die er in einem betriebsinternen Interview offen ansprach. „Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten“, sagte der Manager und sprach von einer „harten Entscheidung“. Auf die Beschäftigten im Stammwerk hat die Pause zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen.
Gestoppt wird eine frühe Phase des Projekts. Gebaut werden soll das Elektromodell erst ab Anfang der 2030er-Jahre. Derzeit prüfen Ingenieur:innen, wie ein neuer Golf auf der kommenden Elektroplattform SSP aussehen könnte, und genau diese Vorarbeiten ruhen nun. Trotz fehlender Folgen für Arbeitsplätze ist die Botschaft laut Einschätzung der Automobilwoche ein Warnschuss an die Belegschaft in Wolfsburg.
Hintergrund sind verfehlte Kostenziele. Jede Fabrik des Konzerns bekam Ende 2024 entsprechende Vorgaben auferlegt, und das Stammwerk bleibt nach seiner Darstellung hinter ihnen zurück. „Wolfsburg erreicht seine Ziele aktuell nicht“, so Schäfer. Nach seinen Angaben hat der Standort vereinbarte Kostenziele in Höhe von 300 Millionen Euro verfehlt. Rund 200 Millionen Euro davon seien „Kosten, die wir selbst beeinflussen können“.
Wie es um die Marke insgesamt steht, zeigen die Quartalszahlen. Im dritten Quartal lag das operative Ergebnis von VW Pkw, der wichtigsten Marke im Konzern, bei minus 182 Millionen Euro. Schäfer verzichtete darauf, die Entwicklung zu beschönigen: „Das Ergebnis ist schlecht. Da gibt es nichts schönzureden.“
Emden und Zwickau liefern, Wolfsburg hinkt hinterher
Zum Vergleich verwies der VW-Pkw-Chef auf zwei andere Standorte. „Emden und Zwickau sind in diesem Jahr auf Zielkurs“, sagte er. Dabei hätten es beide Werke wegen der unsicheren Aussichten schwer, fügte Schäfer hinzu. Wolfsburg hingegen nehme es nach Ansicht des Managers mit den Kostenvorgaben nicht genau genug.
Diese Unsicherheit hat einen konkreten Hintergrund. Zwickau und Emden zählen gemeinsam mit Hannover und dem Audi-Werk Neckarsulm zu jenen deutschen Fabriken, deren Zukunft ab den 2030er-Jahren ungeklärt ist. Für das kommende Jahrzehnt hat der Konzern dort bislang keine Modelle zugesichert.
In Wolfsburg stellt sich die Lage anders dar. Im Stammwerk soll ab 2030 der elektrische T-Roc vom Band laufen, anschließend ist der Anlauf des ID. Golf vorgesehen. Anders als die vier genannten Fabriken verfügt das Stammwerk damit bereits über Modellzusagen für die 2030er-Jahre. Beim geplanten Folgemodell ruhen nun allerdings die Vorarbeiten.
Der Konzernbetriebsrat reagierte mit einer internen Stellungnahme. „Die Pause bedeutet nicht, dass der ID. Golf tatsächlich verzögert an den Start gehen wird. Zeitverzug lässt sich aufholen“, heißt es darin. Zugleich werten die Arbeitnehmervertreter:innen den Ausgabenstopp als „ein weiteres Anzeichen dafür, wie angespannt die finanzielle Lage des Konzerns ist“.
Kein Widerspruch vom Betriebsrat trotz Sparkurs
Einen Einwand gegen die Entscheidung selbst formuliert das Gremium nicht. Es verweist lediglich darauf, dass Elektro-T-Roc und ID. Golf fest vereinbart seien, und hält fest: „Der Vorstand steht hier weiterhin in der Pflicht.“ Gemessen an der sonst selbstbewussten Tonlage der Arbeitnehmerseite stuft die Automobilwoche das Statement als defensiv ein, auch mit Blick auf die Situation des Unternehmens.
Im Aufsichtsrat wurden umfangreiche Sparmaßnahmen beschlossen. Bis 2030 sollen zusätzlich 50.000 Stellen wegfallen. Allein 12.000 davon entfallen in Deutschland auf die Stammmarke Volkswagen. Darüber hinaus kündigte die Volkswagen AG zehn Tarifverträge, woraufhin die IG Metall mit Streiks ab Januar droht.
Quelle: Automobilwoche – VW pausiert ID. Golf: „Wolfsburg erreicht seine Ziele aktuell nicht“








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