Indien: Chinesische Technologien fassen Fuß

Indien: Chinesische Technologien fassen Fuß
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Maria Glaser
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Bereits vor sechs Jahren hat Indien Investitionen aus seinen Nachbarländern eingeschränkt und chinesischen Unternehmen dadurch den Marktzugang zum drittgrößten Automobilmarkt der Welt weitgehend verwehrt. Indien hat dabei laut einem Bericht von Reuters die Kontrolle chinesischer Unternehmen verschärft, nachdem bei einem Grenzkonflikt zwischen den beiden Ländern im Jahr 2020 Soldaten auf beiden Seiten ums Leben gekommen waren.

Im letzten Jahr beschränkte China den Export von technologischem Know-How ins Ausland, insbesondere im Bereich Batterieentwicklung und Elektromobilität, was in der Folge auch die Zusammenarbeit mit Indien belastet. Wie Reuters berichtet, nimmt allerdings die Verbindung der Automobilindustrien beider Länder entgegen dieser Widerstände weiter zu. Beide Seiten nehmen dabei eine pragmatische Position ein: „Wenn Indien seinen Fertigungssektor ausbauen und eine größere Rolle in der globalen Lieferkette spielen will, ist eine Partnerschaft mit China unvermeidlich“, sagte Santosh Pai von der Anwaltskanzlei Dentons ⁠Link Legal. Gleiches gelte für die andere Seite: „Wenn chinesische Unternehmen weltweit führend sein wollen, können sie Indien und sein wirtschaftliches Potenzial nicht einfach ignorieren“, so Pai.

Eine fragile Win-Win-Situation

Tata Motors, der drittgrößte Autohersteller Indiens, gab Anfang Juni bekannt, dass er eine Autoplattform von Chery nutzen wird, um Premium-Elektroautos herzustellen. Konform mit den politischen Regelungen sei im Vertrag ausdrücklich erklärt, dass kein Transfer von technischem Know-How an Tata stattfindet, wie Reuters berichtet.

Langfristig plane Tata, von importierten Bausätzen aus China auf die lokale Entwicklung von Komponenten umzustellen und damit die indische Fertigungsindustrie anzukurbeln. Das sehen auch die indischen Behörden positiv, die Reuters zitiert: Man unterstütze Vereinbarungen, die langfristig zu mehr lokaler Fertigung oder Verschiebungen in der Lieferkette führen. Dies sei ein guter Weg, um mit China umzugehen.

Auch für chinesische Hersteller entstehen in diesen Abkommen Vorteile, da sie den Umsatz steigern können. Durch die starke Konkurrenz im chinesischen Inland und den erbitterten Wettbewerb um Billigpreise werden viele Unternehmen immer mehr an den Rand gedrängt und sehen sich mit Überkapazitäten der Produktion konfrontiert.

Ein ähnliches Abkommen hat Chery daher mit dem indischen Unternehmen JSW Motor, das für umgerechnet knapp 184 Millionen Euro das Recht erworben hat, mehrere Chery-Plattformen zu nutzen und anzupassen, um Elektro- und Hybridautos in Indien zu bauen. JSW strebt bis 2030 einen Absatz von 300.000 dieser Fahrzeuge an.

Chinesische Technologien etablieren sich also trotz politischer und wirtschaftlicher Spannungen immer mehr auf dem wachsenden indischen Markt, in den auch andere Hersteller stark investieren, beispielsweise aus Japan. Die Situation zeige laut Reuters, dass immer mehr Unternehmen aus China auf anderen Märkten konkurrieren, die lange Zeit von japanischen, koreanischen und europäischen Unternehmen dominiert wurden.

Wenn wirtschaftliche Zusammenarbeit politisch scheitert

Es gibt jedoch auch Projekte, die an den politischen Konfliktlinien gescheitert sind. Dazu gehört eine Kooperation zwischen dem indischen Unternehmen Amara Raja und dem chinesischen Unternehmen Gotion im Batteriebereich. Nach der Exportbeschränkung der chinesischen Seite 2025 musste der Lizenzvertrag über Lithium-Ionen-Zelltechnologie für Elektroautobatterien aufgelöst werden. „Die gesamte technische Zusammenarbeit wurde eingestellt“, erklärte Vikramadithya Gourineni, Geschäftsführer von Amara Raja.

Infolgedessen habe Amara Raja die Investitionen in die eigene Forschung und Entwicklung sowie in Talente gestärkt, so Gourineni. Zwar könne das Unternehmen nun Materialien von chinesischen Lieferanten importieren, habe jedoch Schwierigkeiten bei der Visavergabe für Ingenieur:innen aus China. Ob chinesische Unternehmen auf dem indischen Markt eine Vorreiterrolle aufbauen können und welche Rolle Elektromobilität dabei spielt, die in Indien eine Übergangsphase durchlebt, bleibt abzuwarten.

Quelle: Reuters – Chinese EV makers are shut out of India – but their tech isn’t

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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