Studie: Wechsel aufs E-Auto ökologisch fast immer sinnvoll

Studie: Wechsel aufs E-Auto ökologisch fast immer sinnvoll
Copyright:

Shutterstock / 1204130884

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Forscher des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (Ifeu) haben berechnet, wann sich aus ökologischen Gesichtspunkten der Umstieg von einem Verbrenner auf ein Elektroauto lohnt. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass dies nahezu immer der Fall ist – außer bei Bestandsfahrzeugen mit Verbrennungsmotor, die jährlich weniger als 3000 Kilometer zurücklegen. Darüber berichtet die Zeit, der die Studie – hier als PDF zu finden – zunächst exklusiv vorlag.

Die Grundüberlegung dahinter klingt einleuchtend: Wäre es nicht sinnvoller, bereits existierende Produkte so lange wie möglich zu nutzen, ehe sie durch ein neues, wenn auch moderneres Produkt ersetzt werden? Was bei vielen Produkten zutrifft, ist laut Studie bei Autos jedoch lediglich die Ausnahme. „Diese widerlegt eindrücklich die verbreitete These von Altauto-Liebhabern, wonach es geradezu nachhaltig sei, bereits produzierte Verbrenner weiterzunutzen“, schreibt die Zeit. Die Betrachtung des gesamten Lebensweges kommt laut Ifeu aber zu einem anderen Ergebnis.

Herstellung fällt bei Gesamtbilanz kaum ins Gewicht

Bei bisherigen Studien wurden immer die Umwelt- und Klimabilanzen von Neuwagen ermittelt. Die neue Studie betrachtet hingegen die Weiternutzung gebrauchter Verbrennerfahrzeuge, und wie diese im Vergleich zum Umstieg auf neue Elektroautos in der Gesamtbilanz abschneiden. Zwar stimme es, dass die Bestandsfahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor bereits produziert sind. Wenn sie weiterhin gefahren werden, sparen sie somit die vergleichsweise hohen Herstellungsemissionen eines Elektroautos zunächst ein. „Die Fahrzeugnutzung führt dann aber aufgrund der Antriebstechnik zu erheblich höheren Emissionen, in der Regel auch gegenüber einem neuen Verbrenner“, erklärt Hinrich Helms, der an der Studie beteiligt war.

Die Emissionen, die bei der Herstellung entstehen, entsprächen bei Autos mit Verbrennungsmotor lediglich 15 Prozent der Gesamtbilanz. Diese seien in einem „Verbrennerleben“ vergleichsweise schnell „abgeschrieben“, womit sie bei der Gesamtbetrachtung kaum noch ins Gewicht fallen. Die Zeit schreibt: „Bei einer üblichen Pkw-Jahresfahrleistung von durchschnittlich 13.750 Kilometern ist der Umstieg aufs E-Auto bereits nach 5,2 Jahren klimafreundlicher.“ Und das bei „gut gemeinten“ Annahmen bei der Berechnung der Emissionen durch Benziner und Diesel.

Nur Fahrzeuge, die sehr wenig bewegt werden, seien noch einige Jahre die klimafreundlichere Alternative. Wer also seinen alten Verbrenner nur maximal 3000 Kilometer im Jahr bewegt und ansonsten seine Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, brauche kein schlechtes Gewissen wegen seiner mobilitätsbedingten Klimawirkung haben.

Alle Verbrenner unverzüglich stilllegen?

Aus Klima- und Umweltschutzgründen ist es laut der Studie also sinnvoll, nahezu jeden Verbrenner unverzüglich stillzulegen. Die Zeit stellt ferner fest: „Auch wenn sich Vorbehalte gegenüber Elektromobilität hartnäckig halten: Deren ökologische sowie ökonomische Vorteile sind längst belegt.“ Und auch das Argument, dass ausrangierte Verbrenner in Deutschland ja anschließend ohnehin in anderen Ländern weiter eingesetzt werden würden, gelte nicht. Denn in der Regel würden diese Fahrzeuge dort noch ältere Autos ersetzen, deren Auswirkungen auf Umwelt und Klima noch größer seien.

Aus Klimaschutzgründen ist der Wechsel auf ein Elektroauto also für fast jeden sinnvoll. Ein großer Hemmschuh sind aber nach wie vor die Kosten. Auch wenn bei genauer Betrachtung der Total Cost of Ownership ein E-Auto trotz höherer Anschaffungskosten für sehr viele bereits heute die günstigere Alternative wäre, können und wollen sich viele einen teuren elektrischen Neuwagen nicht leisten – und die Anzahl der alltagstauglichen Gebrauchten ist bei E-Autos noch eher überschaubar. Doch daran dürfte sich in den kommenden Jahren einiges ändern, dass es bald keine guten Gründe mehr geben dürfte, sich gegen den Umstieg auf die Elektromobilität zu entscheiden.

Quelle: Zeit online- „Die Mär vom nachhaltigen Langzeitauto“

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

EU riskiert 34 Batteriefabriken durch Lockerung des Verbrenner-Aus

Daniel Krenzer  —  

T&E warnt: Weicht die EU das Verbrenner-Aus weiter auf, könnten 34 Batteriefabriken in Northvolt-Größe verloren gehen – ein Milliardendesaster.

E-Auto-Nachfrage weltweit zwei Monate in Folge gestiegen

E-Auto-Nachfrage weltweit zwei Monate in Folge gestiegen

Sebastian Henßler  —  

Im April wurden weltweit 1,6 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride zugelassen – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Europa wächst, Nordamerika verliert.

200 Milliarden Euro: Europas Wette auf das E-Auto

200 Milliarden Euro: Europas Wette auf das E-Auto

Sebastian Henßler  —  

Europas Länder haben fast 200 Milliarden Euro in Elektromobilität investiert – mit dem klaren Ziel, die Abhängigkeit von China bei Batterien zu verringern.

„Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität“

„Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität“

Michael Neißendorfer  —  

Und das „nicht aus Ideologie, sondern aus rein wirtschaftlichem Denken“, so Guillaume Dejean, Branchenexperte bei Allianz Trade.

Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

Diese zwei EU-Länder schaffen bald 100 Prozent Ökostrom

Daniel Krenzer  —  

Eine Studie zeigt, welche zwei europäische Länder kurz davor stehen, 100 Prozent und mehr des Strombedarfs mit Erneuerbaren abzudecken. Und Deutschland?

E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Gutverdienenden

E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Gutverdienenden

Tobias Stahl  —  

Deutsche Autofahrer sind immer aufgeschlossener gegenüber Elektroautos. Das Interesse wächst aber nicht in allen Regionen und Schichten gleichermaßen.

Leapmotor T03 wird in Italien unter 5000 Euro verkauft

Leapmotor T03 wird in Italien unter 5000 Euro verkauft

Sebastian Henßler  —  

Leapmotor profitiert von Kaufprämien, Renault verliert an Schwung: Die Top 10 Westeuropas zeigen zum Jahresauftakt ein klar uneinheitliches Marktbild.