Kompakte E-Autos bei Gesamtkosten günstiger als Verbrenner

Kompakte E-Autos bei Gesamtkosten günstiger als Verbrenner
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Citroën

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
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Wer heute in Deutschland ein neues Elektroauto der Kompaktklasse kauft, hat schon jetzt niedrigere Gesamtbetriebskosten als beim benzinbetriebenen Pendant, zeigt eine neue Studie. In der Kleinwagen-Kategorie hingegen seien demnach die Kosteneinsparungen geringer und verschwänden ohne Kaufprämie ganz. Vor dem Hintergrund, dass die Bundesregierung die aktuelle Förderung Ende 2025 auslaufen lassen will, könne dies ein Problem werden für die beschleunigte Elektrifizierung des Individualverkehrs.

Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der gemeinnützigen Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT), die die Gesamtbetriebskosten von benzinbetriebenen und batteriebetriebenen Modellen im Kleinwagen- und Kompaktwagensegment vergleicht und ein sozial ausgerichtetes Förderkonzept vorstellt. Bei der Betrachtung der Gesamtkosten für Kauf und Betrieb eines Fahrzeugs spielen demnach Faktoren wie Förderungen, Steuern, Wartung und Kraftstoffkosten eine ebenso wichtige Rolle wie der Anschaffungspreis des Fahrzeugs. Die Analysen des ICCT zeigen dabei im Kompaktsegment einen klaren Kostenvorteil der E-Auto-Optionen gegenüber ihren benzinbetriebenen Pendants.

“Der Markt für batterieelektrische Autos entwickelt sich sehr schnell. Verglichen mit Benzinern ist der Elektroantrieb im Kompakt- und Kleinwagensegment in Deutschland auch finanziell eine sinnvolle Option. Wenn das Auto mindestens vier Jahre gehalten wird, gleichen niedrigere Betriebskosten und aktuelle Förderungen die Differenz zu einem höheren Kaufpreis aus”, sagt Dr. Sandra Wappelhorst, Mitautorin der Studie und leitende Wissenschaftlerin am ICCT.

VW ID.3 günstiger als Golf VIII

Die Studie vergleicht die Gesamtbetriebskosten von zwei ähnlichen Fahrzeugen der Kompaktklasse: einem batterieelektrischen VW ID.3 Pro und einem benzinbetriebenen VW Golf VIII Style 2. Die Kosteneinsparungen des Elektromodells über vier Jahre belaufen sich auf 5100 Euro (49.900 Euro versus 55.000 Euro). Unter Berücksichtigung der Kaufprämie für Elektroautos sinken die Gesamtkosten des E-Modells deutlich auf 42.700 Euro – und der Kostenvorteil erhöht sich auf 12.300 Euro.

Im Kleinwagensegment ergibt sich ein anderes Szenario als bei der Kompaktklasse. Vergleicht man die Gesamtkosten eines batterieelektrischen Dacia Spring Extreme Electric 65 mit denen eines benzinbetriebenen Toyota Aygo X 1.0, ist der Dacia über den Zeitraum von vier Jahren zunächst 6000 Euro teurer (34.000 Euro vs. 28.000 Euro). Berücksichtigt man jedoch zusätzlich die Kaufprämie, so ist auch hier das Elektroauto mit Gesamtkosten von 26.900 Euro die wirtschaftlichere Wahl, was einer Ersparnis von etwa 1100 Euro gegenüber dem Benziner entspricht.

“Die Kaufprämie ist ein wichtiges Instrument, um die Wettbewerbsbedingungen für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge im Kleinwagensegment zu verbessern. Sollte diese Förderung auslaufen, wird ein großer Teil der Bevölkerung ohne bezahlbare Elektromobilitätsoption dastehen. Dies ist umso problematischer, wenn man bedenkt, dass der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge noch unterentwickelt ist”, warnt Kyle Morrison, Hauptautor der Untersuchung.

Vorschlag für neues Förderkonzept

Über 40 Prozent der deutschen Haushalte hätten ein Nettoeinkommen von 2600 Euro oder weniger im Monat. Und nur ein Drittel derjenigen, die zwischen 1700 und 2600 Euro netto im Monat verdienen, besitzen laut offiziellen Statistiken einen Neuwagen. Geringverdiener bedienten sich vielmehr meist auf dem Gebrauchtwagenmarkt, der jedoch noch kaum elektrische Optionen bereithalte. „Hier könnte eine Neugestaltung der Kaufanreize für Elektroautos helfen, Belastungen für einkommensschwächere Gruppen zu verringern und den Zugang zur Elektromobilität zu erleichtern“, heißt es in der Pressemitteilung zur Studie.

Deshalb haben die Studienautoren ein einkommensabhängiges Förderkonzept für den Kauf von E-Autos entwickelt. Der Vorschlag sieht eine Einkommensobergrenze von 5000 Euro netto für die Förderung vor und verdoppelt dafür den aktuellen Förderbetrag von 7200 Euro auf 14.400 Euro. Von einer solchen Änderung des Anreizprogramms würden somit Haushalte mit niedrigerem Einkommen am meisten profitieren.

Kleine batteriebetriebene Elektroautos können ihren Marktanteil in Deutschland steigern, wenn gut konzipierte politische Instrumente zur Förderung der sozialen Teilhabe vorhanden sind. Ein sozial angelegtes Förderprogramm für neue E-Autos ermöglicht es, diesen Prozess zu beschleunigen. Es kann dabei helfen, die Vorteile der Elektromobilität auf eine breitere Bevölkerungsschicht auszuweiten und die Emissionen potenziell schneller zu reduzieren”, sagt Morrison. In der ersten Jahreshälfte 2023 lag der Anteil der batterieelektrischen Fahrzeuge an den Neuzulassungen in Deutschland bei 14 Prozent. „Bei einer durchschnittlichen Lebensdauer von 13 Jahren wird jedes neu zugelassene Benzin- oder Dieselfahrzeug noch lang zu den Emissionen des Bestands beitragen“, geben die Autoren zu bedenken.

Quelle: International Council on Clean Transportation – Pressemitteilung vom 16. Oktober 2023

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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