Kia hat in diesem Jahr den Preisabstand zu chinesischen Wettbewerbern auf dem europäischen Markt gezielt verringert. Das bestätigte Kia-Chef Song Ho-sung auf dem Investor Day des Unternehmens Anfang des Monats. Demnach liegt die Preisdifferenz zwischen Kia-Modellen und vergleichbaren chinesischen Fahrzeugen in Europa nun bei 15 bis 20 Prozent – zuvor waren es je nach Markt 20 bis 25 Prozent. Die Strategie zahlt sich nach Unternehmensangaben bereits aus: Kia konnte seinen globalen Umsatz steigern und sich damit gegen einen allgemeinen Marktabschwung behaupten, wie Reuters berichtet.
Der Schritt unterstreicht, wie stark Europa zum zentralen Kräftemessen zwischen etablierten Automobilherstellern und chinesischen E-Auto-Marken geworden ist. Anbieter wie BYD drängen mit Nachdruck auf den Kontinent – getrieben von schwächelnden Absatzzahlen im Heimatmarkt und dem weitgehenden Ausschluss vom US-Markt. Allein im März stiegen die BYD-Zulassungen in Europa um fast 150 Prozent. Kia und der Schwesterkonzern Hyundai verzeichneten im selben Zeitraum ein Plus von sechs Prozent – und lagen damit immer noch über dem Gesamtmarktwachstum von elf Prozent.
Der Druck durch günstige chinesische Modelle hat Kia bereits konkrete Kosten verursacht. Im abgelaufenen Quartal meldete das Unternehmen einen Rückgang beim Gewinn, der unter anderem auf höhere Verkaufsanreize in Europa zurückzuführen ist. „Chinesische Unternehmen haben mit aggressiv bepreisten E-Auto-Modellen einen starken Vorstoß unternommen, und in einigen europäischen Ländern ist ihr Marktanteil deutlich schneller gestiegen als erwartet“, erklärte Kia in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.
Europa als Schlachtfeld der Autobranche
Song Ho-sung zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass Kia die Auseinandersetzung mit den chinesischen Rivalen aus einer Position der Stärke heraus führen kann. Das Unternehmen verfüge über solide Gewinne und eine entsprechende finanzielle Basis, um die Wettbewerbsstrategie durchzuhalten. Gleichzeitig erwartet Song, dass die Restrukturierung der chinesischen Automobilindustrie früher einsetzen könnte als bislang angenommen. Peking signalisierte bereits im Oktober, die jahrelangen staatlichen Subventionen für die heimische E-Auto-Industrie zurückzufahren – ein Boom, der den weltgrößten Automarkt mit massiven Überkapazitäten zurückgelassen hat.
„Da sie keine Unterstützung mehr von der chinesischen Regierung erhalten werden, fehlt den chinesischen Automobilherstellern die Feuerkraft, um weiter voranzupreschen“, so Song. „Es scheint, als könnte die Zeit für eine Restrukturierung näher rücken. Bis dahin sollten wir weiter eine Wachstumsstrategie verfolgen und unsere Reserven nutzen.“ Chinas Autoabsatz ging im ersten Quartal um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück und dürfte auf absehbare Zeit stagnieren oder weiter fallen.
Ähnlich äußerte sich zuletzt Hyundai-Chef Jose Munoz. Er betonte, sein Unternehmen setze auf profitables Wachstum statt auf bloße Volumengewinne. „Wir können nicht im gleichen Tempo wachsen wie sie insgesamt, aber wir sind in der Lage, sehr profitabel zu wachsen“, sagte Munoz. Zugleich verwies er darauf, dass Hyundai ohne staatliche Rückendeckung agiere: „Wir machen das alles alleine.“
Quelle: Reuters – Kia CEO signals price cuts in Europe to fend off Chinese competition







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