Auf der Brüssel Motor Show markiert Kia mit dem EV2 einen strategisch wichtigen Schritt: Der koreanische Hersteller bringt erstmals ein rein elektrisches B-SUV in das volumenstarke Einstiegssegment. Der EV2 ist dabei mehr als nur ein weiteres Modell im wachsenden Portfolio. Er soll neue Käufergruppen erschließen, den Einstieg in die Elektromobilität erleichtern und zugleich zentrale Kia-Tugenden wie Design, Alltagstauglichkeit und Technologie in ein kompaktes Format übersetzen.
Für Kia ist der EV2 kein Nischenprodukt, sondern bewusst auf Volumen ausgelegt. „Mit dem EV2 kommen wir jetzt, glaube ich, mit unserem Line-up so richtig ins Massensegment der Elektroautos“, sagte Thomas Djuren, Geschäftsführer von Kia Deutschland, im exklusiven Gespräch mit Sebastian Henßler, Herausgeber von Elektroauto-News. Das B-Segment sei eines der stärksten Segmente in Deutschland und biete das größte Potenzial, die Elektrifizierung in die Breite zu tragen. Der EV2 werde daher nicht nur für Kia selbst relevant sein, sondern auch für den Markt insgesamt.
Kia positioniert den EV2 klar als Einstiegsmodell, ohne ihn als Kompromisslösung zu verstehen. Djuren betonte im Gespräch mehrfach, dass man bewusst auf klassische Einschnitte verzichtet habe: „Wir gehen eigentlich gar keine Kompromisse ein. Gerade im B-Segment hat das Auto keine Kompromisse, sondern eher Vorteile.“ Diese Vorteile ergeben sich vor allem aus der konsequenten Auslegung als Elektroauto. Der EV2 basiert auf der E-GMP-Plattform und ist damit frei von konstruktiven Altlasten aus der Verbrennerwelt. Das ermögliche einen vergleichsweise großzügigen Innenraum trotz kompakter Außenmaße.

Mit rund vier Metern Länge ordnet sich der EV2 klar im urbanen Umfeld ein, soll aber zugleich mehr sein als ein reines Stadtauto. „Wir sehen das Auto klassisch eher lifestyleorientiert und im urbanen Umfeld, aber genauso für Umsteiger vom Verbrenner oder Absteiger von größeren SUVs“, so Djuren. Kia zielt damit auf eine breite Zielgruppe: vom Erstkäufer eines Elektroautos über Familien mit begrenztem Platzbedarf bis hin zu Haushalten, die ein alltagstaugliches Zweitauto suchen.
Die technischen Eckdaten unterstreichen diesen Anspruch. Der EV2 wird mit zwei Batteriegrößen angeboten: 42,2 Kilowattstunden für die Standard-Range-Version und 61 Kilowattstunden für die Long-Range-Variante. Die erwarteten Reichweiten liegen bei bis zu 317 beziehungsweise 448 Kilometern nach WLTP. Beide Varianten setzen auf eine 400-Volt-Architektur und ermöglichen DC-Schnellladen von zehn auf 80 Prozent in rund 30 Minuten. Bemerkenswert ist vor allem die AC-Ladefähigkeit: Erstmals unterstützt ein Kia-Modell bereits zum Marktstart sowohl 11 als auch 22 Kilowatt Wechselstromladen – ein klarer Fokus auf europäische Ladegewohnheiten.

Kia EV2 setzt auf Technologie aus höheren Segmenten
Sjoerd Knipping, COO von Kia Europe, ordnete diesen Ansatz in Brüssel ein: „Der EV2 bringt Oberklasse-Technologie in ein Einstiegsmodell. Seine kompakte Größe, der großzügige Innenraum und die Ladeflexibilität machen es leicht, ihn in den Alltag zu integrieren.“ Gerade die Kombination aus Schnellladen unterwegs und leistungsfähigem AC-Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz soll Hemmschwellen abbauen.
Auch beim Innenraum will Kia bewusst neue Maßstäbe im Segment setzen. Karim Habib, globaler Designchef der Marke, beschrieb den EV2 als „kleinstes Modell im EV-Line-up, aber vielleicht mit der größten Persönlichkeit“. Das Interieur folgt einem offenen, ruhigen Konzept mit wrap-around Dashboard, klar gegliederten Bedienelementen und nachhaltigen Materialien. Bei kompakten Abmessungen bietet der EV2 verschiebbare und neigbare Rücksitze sowie ein variables Kofferraumvolumen von bis zu 403 Litern. Ergänzt wird das Raumangebot durch einen 15-Liter-Frunk.

Digitale Funktionen spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Der EV2 nutzt je nach Ausstattung das neue ccNC-Infotainmentsystem oder eine preislich abgesenkte Lite-Variante. Over-the-Air-Updates, digitale Fahrzeugfunktionen, Plug & Charge sowie bidirektionales Laden über V2L und V2G gehören zum Konzept. Knipping sprach in diesem Zusammenhang von einem „vollständig vernetzten EV-Erlebnis“, das sich über Software und Upgrades weiterentwickeln lasse.
Strategisch ist der EV2 eng mit Kias Europa-Fokus verknüpft. Produziert wird das Modell im slowakischen Žilina, womit Kia kurze Lieferwege, lokale Wertschöpfung und eine stärkere Anpassung an europäische Kundenbedürfnisse verbindet. Soohang Chang, Präsident und CEO von Kia Europe, bezeichnete den EV2 als wichtigen Baustein, um Elektromobilität „zugänglicher für alle“ zu machen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit im europäischen Markt zu stärken.
Marktstart in Deutschland noch im Frühjahr mit Einstiegsvariante
Für den deutschen Markt sind die Zeitpläne bereits konkret. „Mit der Short-Range-Batterie starten wir im Februar/ März, mit der Long-Range-Batterie Mitte des Jahres“, sagte Djuren im Gespräch. Kia wolle bewusst nicht erst mit höherpreisigen Varianten beginnen, sondern früh ein echtes Einstiegsangebot schaffen. Das sei ein klares Signal an Kundinnen und Kunden, die auf Verfügbarkeit und Planungssicherheit achten.

Der Kia EV2 steht damit exemplarisch für einen Strategiewechsel, der sich in der Branche zunehmend abzeichnet: Elektromobilität soll nicht länger über große, teure Modelle erklärt werden, sondern über alltagstaugliche, bezahlbare Autos im Kern des Marktes. Kia setzt darauf, dass genau hier die nächste Wachstumsphase beginnt – und positioniert den EV2 als Schlüsselmodell dieser Entwicklung.
Disclaimer: Kia hat zum Kennenlernen des EV2 nach Brüssel eingeladen. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.








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