Jaguar setzt radikalen Elektro-Kurs unverändert fort

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Noch bevor er offiziell den Chefposten bei Jaguar Land Rover übernimmt, macht P.B. Balaji deutlich, dass er den eingeschlagenen Weg der Marke ohne Abstriche fortsetzen wird. Der derzeitige Finanzvorstand von Tata Motors wird im November an die Spitze von JLR wechseln. Sein Ziel: Jaguar vollständig zu einem Hersteller rein elektrischer Luxusautos umzubauen. Der Plan wurde vor Jahren beschlossen, und für Balaji steht fest, dass er ihn konsequent umsetzen wird. Kritik aus dem Markt beeindruckt ihn wenig. Die Rückmeldungen aus ersten Präsentationen seien sehr positiv, sagte er in einer Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen.

Der Übergang zur neuen Modellgeneration verläuft radikal. Ende 2024 stoppte Jaguar fast die gesamte Produktion und füllte zuvor die Lagerbestände auf. Einzig der SUV F-Pace bleibt bis zum Start der neuen Baureihen im Programm. Diese Lücke nimmt das Unternehmen bewusst in Kauf, um den Neustart klar zu markieren.

Den Anfang macht der GT, der Ende 2024 mit einer auffälligen Kampagne und dem Konzept Type 00 angekündigt wurde. Er ist das erste neue Modell seit dem I-Pace von 2018. Die Produktion soll in rund einem Jahr beginnen, der Marktstart könnte Ende des nächsten Jahres folgen. Der GT verfügt über zwei Elektromotoren mit zusammen etwa 600 kW, eine Reichweite von rund 777 Kilometern und ein Interieur im minimalistischen Hightech-Stil. Der Einstiegspreis dürfte bei etwa 150.000 Euro liegen.

Technische Basis ist die neu entwickelte JEA-Plattform. Sie wird ausschließlich für Jaguar genutzt und nicht mit Range Rover oder anderen Marken geteilt. Neben dem GT sind zwei weitere Modelle geplant. Das zweite dürfte ein großes Crossover-SUV mit drei Sitzreihen sein. Branchenkenner erwarten den Marktstart Ende 2027 oder Anfang 2028. Das dritte Modell könnte eine große Luxuslimousine werden, die sich gegen Hersteller wie Rolls-Royce oder Bentley positioniert. Hier wird ein Start im Jahr 2029 für das Modelljahr 2030 erwartet.

Beim exklusiven Roundtable im Hauptquartier in Coventry gaben führende Köpfe des Design- und Materialitätsteams Ende 2024 Einblicke in die kreative Neuausrichtung. Für das Team spielt die britische Herkunft weiterhin eine wichtige Rolle. „Britisch sein wurde immer als kreativ und disruptiv wahrgenommen – mit einem besonderen Twist“, erklärte eine Designerin. Diese überraschenden Elemente wolle man bewusst ins neue Jaguar-Design einfließen lassen. Auch bei den Materialien zeigt sich der lokale Bezug: Messing stammt aus einer nahegelegenen Gießerei in Birmingham, bekannt für seine Metallverarbeitung im Jewellery Quarter. Viele Künstler und Handwerker, mit denen Jaguar arbeitet, kommen aus Großbritannien. So soll die britische Identität spürbar bleiben – trotz eines internationalen Entwicklungsteams.

Land Rover und die starken Verkäufe von Defender und Range Rover geben finanziellen Spielraum

Rawdon Glover, Managing Director von Jaguar, sprach in Coventry offen über die wirtschaftliche Seite der Transformation. In den Jahren 2025 und 2026 rechnet er mit geringen Einnahmen. Trotzdem müsse Jaguar langfristig profitabel werden. Land Rover und die starken Verkäufe von Defender und Range Rover geben finanziellen Spielraum. Insgesamt investiert der Konzern 16 Milliarden Pfund in neue Plattformen, Technologien und Produktionsprozesse. Der Anteil für Jaguar sei dabei so bemessen, dass der Neustart gelingen könne.

Glover rechnet damit, dass bis zu 80 Prozent der heutigen Kunden verloren gehen. Die wichtigsten Märkte werden Nordamerika, China, Deutschland und Großbritannien sein – insgesamt etwa zehn Länder, die für rund 85 Prozent des Absatzes stehen. Jaguar will sowohl bestehende Käufer halten als auch neue gewinnen, vor allem aus wohlhabenden Mehrwagenhaushalten. In den ersten Jahren müsse Jaguar als Akquisitionsmarke funktionieren.

Mit dem GT will die Marke ein klares Signal setzen: Jaguar kehrt als moderner Luxusautohersteller zurück, geprägt von britischer Kreativität, hochwertiger Verarbeitung und technischer Eigenständigkeit. Für Balaji steht fest, dass dieser Kurs nicht nur ein Projekt, sondern die Zukunft der Marke ist.

Quelle: Automobilwoche – Trotz Kritik: Neuer CEO P.B. Balaji hält an der Jaguar-Verwandlung fest  / Austausch mit Jaguar Land Rover

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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