Insolvenz: Schnellladesäulen-Pionier Numbat vor dem Aus

Insolvenz: Schnellladesäulen-Pionier Numbat vor dem Aus
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Numbat

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Das deutsche Startup Numbat Energy, das sich auf die Entwicklung von Schnellladesäulen mit integriertem Batteriespeicher spezialisiert hat, steht vor dem finanziellen Aus. Das Amtsgericht Kempten ordnete einer öffentlichen Bekanntmachung zufolge am 9. August 2024 das vorläufige Insolvenzverfahren an und bestellte den Kemptener Anwalt Robert Saam als vorläufigen Insolvenzverwalter. Numbat trägt somit die direkten Folgen eines sich verschlechternden Ladesäulenmarktes, der mittlerweile einige etablierte Player im Markt getroffen hat. Zuletzt den österreichische Hersteller EnerCharge im Juli, der ebenfalls Insolvenz anmeldete.

Im Herbst 2023 konnte Numbat nochmals Kapital einwerben und hat zu diesem Zeitpunkt eine Finanzierungsrunde über 140 Millionen Euro geschlossen. Diese Mittel sollten den Ausbau des Unternehmens vorantreiben. „Die im Markt bekannte Kapitalrunde von 140 Millionen Euro war für eine Projektgesellschaft vorgesehen und speziell für die Ausstattung mit Numbat-Systemen sowie deren Installation gedacht“, so Numbat in entsprechender Meldung zum Insolvenzantrag.

Tatsächlich hatte das Start-up einige bedeutende Verträge abgeschlossen: Der Einzelhändler Tegut plante den Bau von bis zu 1000 Numbat-Säulen, Shell wollte 70 Säulen installieren, Euronics 150 und der Discounter Norma über 100. Diese Partnerschaften zeigten das Vertrauen, das Kunden in die Technologie von Numbat setzten.

Das Besondere an den Ladesäulen von Numbat ist, dass sie durch einen Pufferspeicher auch ohne entsprechender Netzkapazität vor Ort ein Schnellladen ermöglichen. Während aus der Leitung nur 20 kW an Leistung entnommen werden, kann mit dem in der Batterie gespeicherten Strom die Ladeleistung deutlich erhöht werden. Solange kein Auto an der Ladestation lädt, lädt sich dann der Akku in Ruhe wieder auf. Auch Jolt Energy setzt beispielsweise auf diesen Ansatz.

Geplant war auch, das Numbat-Netz zu einem riesigen Schwarmspeicher zu verknüpfen, und überschüssige Energie – zum Beispiel während Schließzeiten der Märkte – ins Netz einzuspeisen. Dabei soll Solar- und Windenergie zu Überschuss-Zeiten billig eingekauft und zu lukrativen Lastspitzen-Preisen wieder ins Netz eingespeist werden. Darin liegt ein enormes Erlöspotenzial. Leider konnte dies nicht zeitnah erschlossen werden.

Update vom 12.08.2024 – 17:00 Uhr

Der Wettbewerb um Marktanteile und die hohen Kosten für den Aufbau der Infrastruktur haben Numbat in die Insolvenz getrieben. Ebenso war die nicht ausreichende Auslastung der Ladeinfrastruktur nicht gerade positiv für das Geschäftsmodell. In einer Mitteilung versichert Numbat, dass große Anstrengungen unternommen wurden, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. „Doch hat sich dies aufgrund der Marktlage und technischer Herausforderungen in der verfügbaren Zeit nicht realisieren lassen“, so Martin Schall, CEO und Co-Gründer. „Das hat dazu geführt, dass wir nun innerhalb eines Insolvenzverfahrens unsere Fortführung und Restrukturierung organisieren.“

Auf die Frage, wie es für die Kund:innen, die auf die Technologie von Numbat gesetzt haben, weitergeht, teilt Numbat mit: „Alle Services und Dienste von Numbat, wie das Laden von Elektroautos oder die Nutzung der Werbescreens laufen im Betrieb weiter. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Robert Saam werden die strategischen Optionen und Chancen für die Numbat GmbH neu analysiert und bewertet.“ 

Quelle: insolvenzbekanntmachungen.de – Insolvenz Numbat / Numbat – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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