Jolt: Drei-Punkte-Plan für schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur in Städten

Jolt: Drei-Punkte-Plan für schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur in Städten
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Der Hochlauf der Elektromobilität, den die Bundesregierung im Rahmen ihrer Klimaschutz-Offensive für die kommenden Jahre geplant hat, droht zu stocken. Einer von mehreren Gründen dafür ist der schleppende Ausbau der Schnellladeinfrastruktur in Städten und Ballungszentren. Das E-Mobilitätsunternehmen Jolt Energy, aktiv beim Betrieb von Ultra-Schnellladestationen in urbanen Gebieten, fordert daher ein Sofortprogramm, um den Ausbau der innerstädtischen Schnellladeinfrastruktur zu beschleunigen.

Wer nicht überall schnell laden und dadurch ungehindert sein Ziel erreichen kann, der zögert beim Kauf eines Elektroautos“, sagt Maurice Neligan, CEO von Jolt. Die Nachfrage nach ultraschnellen Ladevorgängen sei riesig, wie Jolt anhand der Nutzungsdaten von Jolt-Stationen in vielen deutschen Großstädten festmacht. Zudem wächst laut unter anderem dem Verband der Automobilindustrie (VDA) die Lücke zwischen der Anzahl an Elektroautos und der Zahl der Ladesäulen stetig.

Jedoch sorgen gleich mehrere Hemmnisse dafür, dass der aus Klimaschutzgründen wichtige Ausbau der Schnellladeinfrastruktur im öffentlichen Raum unnötig ausgebremst wird: eine umständliche Vergabepraxis für öffentliche Standorte, zu lange Wartezeiten auf Netzanschlüsse, mangelndes Engagement der Kommunen und große Informationslücken über neue Ladetechnologien.

Kommunen, Stadtwerke und Netzbetreiber sind jetzt in der Pflicht, hier gegenzusteuern, um den Hochlauf der Elektromobilität nicht abzuwürgen“, sagt Neligan. Die kommunale Schnelllade-Offensive von Jolt umfasst drei zentrale Punkte:

1. Neue Regeln für Vergabeverfahren

Die Vergabe- und Ausschreibungspraxis für öffentlichen Standorte müsse sich sehr schnell ändern. Statt langwieriger und oftmals rechtsunsicherer, stadtgebietsweiter Ausschreibungen fordert Jolt die wiederkehrende Vergabe von kleineren Standort-Kontingenten im öffentlichen Raum. Diese Praxis werde beispielsweise bereits für Wind- und Solarkraftwerke angewendet. Ein solches Vorgehen fördere schnelle privatwirtschaftliche Lösungen; und die bisher häufig vorherrschende Monopolstellung von Stadtwerken und Kommunalunternehmen würde damit durchbrochen.

2. Verpflichtende Drei-Monatsfrist für Netzanschlüsse

Fertige Schnelllade-Stationen können oft nicht in Betrieb gehen, weil die Zeiträume, bis Netzanschlüsse genehmigt werden, viel zu lang sind. „Auf Netzanschlüsse warten wir manchmal bis zu zwölf Monate, das kann nicht das vielzitierte Deutschlandtempo sein“, sagt Maurice Neligan. Jolt fordert daher Kommunen auf, bei ihren lokalen Netzbetreibern, zumeist den eigenen Stadtwerken, mehr Druck zu machen. Jede Anfrage für einen Stromanschluss zur Ladeinfrastruktur sollte innerhalb von höchstens drei Monaten nach Antragstellung abgeschlossen sein.

3. Engere Kooperation von Kommunen, Stadtwerken und Ladenetzbetreibern

Um lokale Hemmnisse zu beseitigen und ihren Bürger:innen ein sicheres und verlässliches Schnellladenetz an hochfrequentierten innerstädtischen Standorten bieten zu können, schlägt Jolt den Kommunen vor, Round Tables mit den Stadtwerken und weiteren Kommunalunternehmen sowie Ladenetzbetreibern (CPOs) zu initiieren. In diesem Rahmen könnte auch das vorherrschende Informationsdefizit, ein weiteres Hemmnis beim Ausbau des Schnellladenetzes, beseitigt werden. Denn die großen Unterschiede der Ladegeschwindigkeiten zwischen Wechselstrom-, Gleichstrom- und Schnellladen (AC, DC und HPC-Laden) seien oft weder bei politischen Entscheidungsträgern noch in der Bevölkerung bekannt.

An den Ladestationen von Jolt können Fahrer von Elektroautos dank der hohen Ladeleistung von derzeit bis zu 320 kW innerhalb von fünf Minuten bis zu 100 km Reichweite laden, so das Unternehmen. Die Ladepunkte sind eine Kombination aus Ladestation und Batteriespeicher, so dass die HPC-Ladetechnologie von Jolt auch mit einem Anschluss an das überall verfügbare Niederspannungsnetz problemlos möglich sei.

Durch die Steigerung der Ladegeschwindigkeiten kommt es zukünftig immer weniger auf die Größe der Batterie im Elektroauto und auch nicht auf die schiere Menge der Lader, sondern vielmehr auf die Ladeleistung an. „Niemand will stundenlang an einem der Tausenden AC-Lader in Deutschland hängen. Die Leute wollen in wenigen Minuten ein paar hundert Kilometer Reichweite laden und weiterfahren“, ist Neligan, selbst Elektromobilist der ersten Stunde, überzeugt. Daher fordert er: „Laden muss so einfach und schnell werden wie Tanken.“

Quelle: Jolt – Pressemitteilung vom 28.07.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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