Nur noch 50 Wasserstoff-Tankstellen für Pkw in Deutschland

Nur noch 50 Wasserstoff-Tankstellen für Pkw in Deutschland
Copyright:

Rob Crandall / Shutterstock / 558258265

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Während der Münchner Automobilhersteller BMW fast 300 Millionen Euro an Fördergeldern erhält und die bayerische Landesregierung mit Markus Söder (CSU) und Hubert Aiwanger (Freie Wähler) an der Spitze die vermeintlich glorreiche Zukunft der Wasserstoffautos bejubelt, schließen in Deutschland nach und nach die Tankstellen für derartig angetriebene Fahrzeuge. Wie das Handelsblatt berichtet, sind von den vor zwei Jahren noch mehr als 80 für Brennstoffzellen-Autos nutzbaren Tankstellen inzwischen nur noch 50 übrig. Und in vielen Monaten weist die Statistik des Kraftfahrtbundesamts inzwischen genau Null neue Wasserstoffautos bei den Neuzulassungen aus.

Der Betreiber der Tankstellen, H2 Mobility, richtet sein Netz strategisch neu aus – weg vom Pkw, hin zu schweren Nutzfahrzeugen. Für Lkw und Busse gelten andere Anforderungen: 350-Bar-Betankung statt 700 Bar, höhere Durchsätze, größere Flächen. Viele der bestehenden Stationen waren dafür schlicht ungeeignet und zugleich kaum ausgelastet. Wasserstoff-Pkw bleiben in Deutschland ein Nischenphänomen – trotz politischer Symbolik und einzelner Leuchtturmprojekte.

Das betrifft auch die Hersteller. Modelle wie der Toyota Mirai oder der Hyundai Nexo sind technisch ausgereift, spielen aber am Markt kaum eine Rolle. BMWs Wasserstoffstrategie beschränkt sich bislang auf eine Kleinserie, die vor allem Demonstrationszwecken dient. Die geplante Überführung in ein Serienmodell ab 2028 dürfte aus heutiger Sicht mangels Nachfrage ins weitestgehend Leere laufen. Parallel dazu rollt der batterieelektrische Markt ungebremst weiter, mit steigenden Reichweiten, sinkenden Kosten und einer Ladeinfrastruktur, die – bei allen bekannten Problemen – kontinuierlich wächst. Für viele Betreiber stellt sich daher weniger die Frage nach Technologieoffenheit als nach wirtschaftlicher Vernunft.

Gerade im Schwerlastverkehr sollte Wasserstoff eigentlich seine Stärken ausspielen. Doch auch hier zeigt sich ein ernüchterndes Bild. Wie bereits berichtet, ist die Technik bei Wasserstoff-Lkw schwer kalkulierbar. Hohe Anschaffungskosten, komplexe Systeme aus Brennstoffzelle, Hochdrucktanks und Batteriepuffern sowie ein unsicherer Wasserstoffpreis machen belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnungen schwierig. Grüner Wasserstoff ist rar und teuer, grauer Wasserstoff klimapolitisch keine Lösung. Gleichzeitig holen batterieelektrische Lkw auf – mit Megawatt-Ladestandard, planbarer Effizienz und deutlich besserem Gesamtwirkungsgrad.

Schwächen in der Praxis

Noch deutlicher werden die Herausforderungen im realen Betrieb. Bei der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) ist zuletzt rund die Hälfte der Wasserstoffbus-Flotte ausgefallen. Technische Probleme, insbesondere mit Kompressoren bei niedrigen Temperaturen, legten zahlreiche Fahrzeuge lahm. Der Winterbetrieb wurde zum Stresstest für eine Technologie, die eigentlich als robust und zukunftsfähig gelten soll. Für den öffentlichen Nahverkehr, der auf Verlässlichkeit angewiesen ist, ist das ein ernstes Problem – unabhängig von guten Absichten und Förderkulissen.

All das führt zu einer eindeutigen Erkenntnis: Wasserstoff in der Mobilität ist kein Selbstläufer. Er kann in einigen sehr wenigen Anwendungsfällen sinnvoll sein, etwa dort, wo Batterien an physikalische oder betriebliche Grenzen stoßen. Doch die Realität in Deutschland zeigt derzeit vor allem Rückbau statt Aufbruch. Während politische Akteure von Zukunft sprechen, entscheidet der Markt nach Kosten, Effizienz und Alltagstauglichkeit.

Die schrumpfende Zahl der Tankstellen zeigt, dass sich Wasserstoff im Pkw-Bereich nicht durchsetzen konnte und sich vermutlich auch nicht durchsetzen wird – und dass selbst im Nutzfahrzeugsektor noch erhebliche Hürden bestehen. Technologieoffenheit bedeutet am Ende eben auch, unbequeme Entwicklungen anzuerkennen und nicht funktionierende Techniken irgendwann aufzugeben.

Quelle: Handelsblatt – Zahl der Wasserstoff-Tankstellen schrumpft deutlich

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Brennstoffzelle / Brennstoffzellenantrieb

Scania und Gruber testen Wasserstoff-Lkw in Italien

Scania und Gruber testen Wasserstoff-Lkw in Italien

Sebastian Henßler  —  

Im Rahmen des ZEFES-Projekts startet in Italien ein Praxistest mit dem Scania 40R FCEV. Er vereint 416 kWh und 56 Kilogramm Wasserstoff in einer Plattform.

Fraunhofer ISI fasst zusammen, wo Wasserstoff sinnvoll ist

Fraunhofer ISI fasst zusammen, wo Wasserstoff sinnvoll ist

Daniel Krenzer  —  

Obwohl Wasserstoff hohe Kosten verursacht, dürfte er der Studie zufolge einige wichtige Anwendungsfälle haben. Pkw und Lkw sind es eher nicht.

BMW setzt auf Flachspeicher für mehr Wasserstoffreichweite

BMW setzt auf Flachspeicher für mehr Wasserstoffreichweite

Sebastian Henßler  —  

Der BMW iX5 Hydrogen bekommt ein neues Tanksystem aus sieben verbundenen Druckbehältern. Der Serienstart des Wasserstoffautos ist für 2028 geplant.

Freudenberg steigt aus Brennstoffzellengeschäft aus

Freudenberg steigt aus Brennstoffzellengeschäft aus

Sebastian Henßler  —  

Nach Jahren der Forschung beendet Freudenberg sein Brennstoffzellen-Engagement. Hohe Kosten und regulatorische Unsicherheiten bremsten den Durchbruch.

Neue Wasserstoff-Subventionsrunde geht wieder am Markt vorbei

Neue Wasserstoff-Subventionsrunde geht wieder am Markt vorbei

Daniel Krenzer  —  

Warum die erneute Förderung von Wasserstoff-Tankstellen und H2-Lkw an der Realität vorbeigeht – und weshalb Akku-Fahrzeuge effizienter und marktreifer sind.

Bund startet Förderprogramm für H2-Tankstellen und -Lkw

Bund startet Förderprogramm für H2-Tankstellen und -Lkw

Tobias Stahl  —  

Das Verkehrsministerium fördert den Bau von Wasserstofftankstellen und die Anschaffung von H2-Lkw mit 220 Millionen Euro. Die wichtigsten Details zur Förderung.