Seit Wochen häufen sich im Raum Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen die Beschwerden über verspätete oder ausfallende Bus- und Bahnverbindungen. Besonders in den Wintermonaten hat sich die Lage für viele Fahrgäste spürbar verschlechtert. Auf Nachfrage der Rhein-Neckar-Zeitung bestätigt die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH erhebliche Einschränkungen im laufenden Betrieb. Hauptursache sind technische Probleme mit neuen Wasserstoffbussen, die bei anhaltender Kälte nicht zuverlässig einsatzfähig sind.
Nach Angaben des Verkehrsunternehmens sind seit Anfang Dezember Schäden an den Kompressoren bekannt, die bei Frost auftreten können. Während sich die Situation zu Beginn des Winters noch überschaubar darstellte, hat sich die Lage inzwischen deutlich zugespitzt. Aktuell steht im Durchschnitt mehr als die Hälfte der 48 neu beschafften Busse nicht zur Verfügung. Ein Sprecher der RNV rechnet damit, dass die Einschränkungen noch über einen längeren Zeitraum anhalten werden.
Ursprünglich war man davon ausgegangen, die Schwierigkeiten rasch in den Griff zu bekommen. Noch im Dezember hieß es, innerhalb weniger Wochen solle der reguläre Betrieb wieder vollständig möglich sein. Diese Einschätzung hat sich inzwischen relativiert. Eine kurzfristige Stabilisierung des Busverkehrs sei derzeit nicht realistisch, heißt es nun aus dem Unternehmen. Die Folgen zeigen sich konkret im Liniennetz: Die Linie 20 zwischen Karlstor und Neuenheimer Feld wurde vorübergehend komplett eingestellt. Laut RNV bestehen dort zwar alternative Verbindungen, dennoch bedeutet der Ausfall eine zusätzliche Belastung für Pendler und Studierende.
Hoher Anteil an Wasserstoffbussen trifft Heidelberg hinsichtlich Ausfälle besonders
Grundsätzlich treten die technischen Probleme an allen Standorten auf, an denen die neuen Busse eingesetzt werden. In Heidelberg wirken sich die Ausfälle jedoch besonders stark aus, da hier der Anteil der Wasserstoffbusse an der Gesamtflotte am höchsten ist. Allein 27 der 48 Fahrzeuge sind für den Einsatz am Neckar vorgesehen. Zum Vergleich: Noch Anfang November lag die Verfügbarkeit der Busse zeitweise bei 96 Prozent. Erst in den vergangenen Wochen sei die Zuverlässigkeit deutlich zurückgegangen.
Die betroffenen Busse befinden sich nach Angaben der RNV weiterhin in der Gewährleistungsphase. Die Verantwortung für die technischen Mängel liege daher vollständig beim Hersteller. Dieser habe zugesagt, mit Ersatzfahrzeugen auszuhelfen. Konkret handelt es sich um Unterstützung durch Daimler Buses. Wann diese Ersatzbusse tatsächlich in der Region eintreffen, ist allerdings noch offen.
Parallel dazu versuchen die Werkstätten der RNV, möglichst viele der defekten Fahrzeuge wieder instand zu setzen. Zusätzlich werden Busse von Subunternehmern eingesetzt, um die größten Lücken im Fahrplan zu schließen. Diese Lösung stößt jedoch an Grenzen, da die Fahrzeuge nicht vollständig mit der für den Betrieb notwendigen Kommunikationstechnik ausgestattet sind. Entsprechend lassen sich nicht alle Ausfälle kompensieren, sodass Fahrgäste weiterhin mit Einschränkungen rechnen müssen.
Zahlen zeigen zuletzt steigende Ausfallquoten im Betrieb
Wie hoch die aktuelle Ausfallquote im gesamten Netz ist, kann das Unternehmen derzeit nicht beziffern. Für das Jahr 2025 liegen jedoch Zahlen vor: In der ersten Jahreshälfte fanden in Heidelberg zwischen 98 und 99 Prozent der geplanten Fahrten statt, wobei bereits zwei Streiktage berücksichtigt sind. Im dritten Quartal nahm die Zuverlässigkeit ab. Die Ausfälle lagen bei knapp sieben Prozent im Straßenbahnverkehr und bei rund 2,5 Prozent im Busbetrieb.
Neben der Fahrzeugtechnik spielte zeitweise auch der Personalmangel eine Rolle. Es fehlten Bus- und Straßenbahnfahrer, was die Situation zusätzlich verschärfte. Die RNV reagierte mit intensiver Personalgewinnung, unter anderem durch die Anwerbung von Fahrern aus dem Ausland. Inzwischen habe sich die Lage spürbar entspannt, auch die Krankenstände seien in diesem Winter bislang niedriger als im Vorjahr. Frühere Probleme bei den Straßenbahnen, etwa durch Hitzeperioden und fehlende Ersatzteile im Sommer, gelten mittlerweile als behoben.
Die Wasserstoffbusse sind seit dem Sommer 2024 in Heidelberg und Mannheim im Einsatz, Ludwigshafen folgte im Dezember. Vor dem Hintergrund kommunaler Klimaziele kam für die RNV eine weitere Beschaffung von Dieselbussen nicht infrage. Langfristig plant das Unternehmen, die gesamte Flotte bis 2033 vollständig zu elektrifizieren.
Quelle: RNZ – RNV bekommt Kälte-Probleme bei Wasserstoff-Bussen nicht gelöst








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