Warum die Kosten von Wasserstoff-Lkw schwer kalkulierbar sind

Warum die Kosten von Wasserstoff-Lkw schwer kalkulierbar sind
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Der Hochlauf wasserstoffbasierter Antriebe im schweren Straßengüterverkehr gilt seit Jahren als technisch möglich, wirtschaftlich aber schwer kalkulierbar. Zwar bieten wasserstoffbetriebene Lkw klare Vorteile bei Reichweite und Betankungszeit, doch fehlende Planungssicherheit und eine lückenhafte Infrastruktur bremsen die Entwicklung. Genau an diesem Punkt setzt ein aktuelles Forschungsprojekt an, das digitale Werkzeuge als Schlüssel für mehr Transparenz und geringere Kosten versteht.

Im Mittelpunkt steht das Projekt „HyConnect“, das am Lehrstuhl Production Engineering of E-Mobility Components der RWTH Aachen koordiniert wird. Gemeinsam mit mehreren Partnern arbeitet das Team an einer digitalen Plattform, die Angebot und Nachfrage entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette zusammenführen soll. Ziel ist es, bestehende und künftige Tankstellenkapazitäten effizienter zu nutzen und damit sowohl für Betreiber als auch für Flottenkunden verlässlichere Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Lösung ist von Beginn an so ausgelegt, dass sie auf den EU-Binnenmarkt übertragbar ist.

Der Hintergrund ist ein klassisches Henne-Ei-Problem. Für Logistikunternehmen lohnt sich der Einsatz von Wasserstoff-Lkw nur, wenn Preise transparent und Versorgungspunkte zuverlässig verfügbar sind. Tankstellenbetreiber wiederum zögern mit Investitionen, solange die Nachfrage unsicher bleibt. Diese gegenseitige Zurückhaltung führt zu hohen Kosten und einer geringen Auslastung der vorhandenen Infrastruktur. Laut Projektverantwortlichen entstehen daraus nicht nur wirtschaftliche Nachteile, sondern auch operative Probleme, etwa durch Umwege bei der Routenplanung oder ungeplante Standzeiten.

Strukturelle Defizite treiben Kosten und Unsicherheiten

Professor Achim Kampker, Leiter des PEM-Lehrstuhls, verweist in diesem Zusammenhang auf die strukturellen Defizite des aktuellen Systems. Die geringe Dichte an Wasserstofftankstellen und deren begrenzte Vorhaltekapazitäten könnten für Logistikbetriebe erhebliche Mehrkosten verursachen. Gleichzeitig würden Tankstellenbetreiber die bestehenden Unsicherheiten über höhere Preise kompensieren. Ein besserer Datenaustausch könne diese Effekte deutlich abschwächen, sei bislang aber meist nur über individuell entwickelte Insellösungen realisierbar.

Hier setzt „HyConnect“ mit einem plattformbasierten Ansatz an. Kern des Projekts ist eine Reservierungs- und Buchungslösung, die den Wasserstoffbedarf von Flottenbetreibern mit der verfügbaren Kapazität der Tankstellen abgleicht. Ergänzt wird dieses System durch eine integrierte Zahlungsabwicklung, die administrative Prozesse vereinfachen soll. Auf diese Weise entsteht eine durchgängige digitale Verbindung zwischen beiden Seiten des Marktes, die kurzfristige Engpässe sichtbar macht und langfristige Planungen erleichtert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Preisbildung. Im Projektverlauf entwickelt das Konsortium einen dynamischen, rechtskonformen Mechanismus, der sich an Nachfrage, Verfügbarkeit und weiteren Marktparametern orientiert. Dieser Ansatz soll empirisch überprüft werden, unter anderem mit Blick auf Preiselastizitäten und die Auswirkungen auf die Wahl von Tankstellen sowie auf die Kostentransparenz für Flottenkunden. Ziel ist es, wirtschaftliche Risiken zu minimieren, ohne neue Markteintrittsbarrieren zu schaffen.

Universelle Datenschnittstelle als technisches Bindeglied

Parallel dazu entsteht eine universelle Datenschnittstelle, die den Austausch zwischen unterschiedlichen IT-Systemen ermöglicht. Diese Schnittstelle soll mithilfe KI-basierter Verfahren flexibel an bestehende Softwarelösungen andocken können. Projektverantwortlicher Ferdinand Cordes sieht darin einen zentralen Hebel, um Skaleneffekte zu erzielen und die Einführungskosten für Unternehmen gering zu halten. Der Prototyp wird im Laufe des Projekts implementiert und in einem Pilotbetrieb getestet.

Das auf rund zweieinhalb Jahre angelegte Vorhaben wird vom Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Am Ende der Laufzeit steht eine Bewertung der Alltagstauglichkeit unter realen Bedingungen. Die Erwartungen sind dabei nüchtern formuliert: Nicht die Technologie allein soll den Durchbruch bringen, sondern verlässliche digitale Prozesse, die Wasserstoff im Transportsektor kalkulierbarer machen.

Quelle: RWTH Aachen – PEM erarbeitet Logistik-Tool für Wasserstoffbedarf und ‑angebot / RWTH Aachen – PEM entwickelt Logistik-Tool für Wasserstoffbedarf und ‑angebot

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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