IG Metall fordert günstigere Elektroautos aus deutscher Produktion

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Michael Neißendorfer
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Die Automobilproduktion in Ostdeutschland hat jede Menge Tradition. Das ist kaum besser zu sehen als an den vielen Exponaten im August Horch-Museum in Zwickau, der historischen Geburtsstätte von Audi. Genau dort beschäftigte sich die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen auf ihrer diesjährigen Automobilkonferenz nicht mit der Geschichte, sondern mit der Zukunft der Autobranche.

Klar und deutlich warnten die IG Metall-Vertreter davor, den Vorsprung Ostdeutschlands bei der E-Mobilität zu verspielen. „Ostdeutschland hat sich in der Produktion von Elektrofahrzeugen im nationalen und internationalen Vergleich einen Vorsprung hart erarbeitet“, sagte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender IG Metall. Den gelte es zu halten. „Das gelingt nur durch einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur, günstigen Ladestrom für E-Autos und Modelle, die sich auch ein Durchschnittsverdiener leisten kann“, so Hofmann weiter. Die aktuelle Auslastungssituation bei Volkswagen in Zwickau zeige „deutlich den Handlungsbedarf, soll die Antriebswende Erfolg haben.“

IG Metall Bezirksleiter Dirk Schulze rief die Politik auf, die Nachfrageschwäche auf dem Markt für E-Autos aktiv zu bekämpfen. „Ostdeutschland hat sich zum führenden Standort für Elektromobilität entwickelt. Dafür stehen VW in Zwickau und Dresden, BMW in Leipzig, Tesla in Brandenburg, zahlreiche innovative Batteriehersteller und viele weitere Ansiedlungserfolge“. Diesen Aufschwung sieht Schulze jetzt in Gefahr: „Der Beschäftigungsabbau in Zwickau sollte ein Weckruf für alle sein, die von einem Weiter so träumen“. Die Automobilhersteller und Zulieferer müssen die Mobilitätswende durch Investitionen in den Leichtbau, in Software und Digitales schneller vorantreiben, fordert der IG Metall Bezirksleiter.

„Wir brauchen öffentliche Ladeinfrastruktur, einheitliche Bezahlsysteme und verbilligten Ladestrom“

Die Hersteller „müssen rasch kostengünstige E-Modelle für den Wettbewerb insbesondere mit China auf den Markt bringen“, so Schulze weiter. Auch die Politik müsse liefern, damit E-Autos für die breite Masse attraktiver werden. „Wir brauchen einen schnellen Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur, einheitliche Bezahlsysteme an allen Ladesäulen und einen verbilligten Ladestrom.“

Thomas Knabel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, sagt, dass der von Volkswagen angekündigte Abbau von 269 befristeten Stellen in Zwickau „für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen eine Katastrophe“ sei. Viele der weiteren gut 2000 befristet Beschäftigten bangen nun um ihren Arbeitsplatz. Insgesamt arbeiten gut 10.000 Menschen an dem Standort.

In Zwickau werden nur vollelektrische Fahrzeuge wie der Volkswagen ID.3, ID.4 und ID.5, der Audi Q4 e-tron sowie Sportback e-tron und der Seat Cupra Born produziert. Im Januar 2022 wurde mit dem Start der Produktion des ID.5 die Transformation des Werkes Zwickau zum reinen E-Mehrmarkenstandort abgeschlossen. Der letzte Verbrenner in Zwickau lief Ende Juni 2020 vom Band – eine historische Wegmarke.

VW hat seine Zwickauer Fabrik stets als Pionier der Elektromobilität gefeiert. Die Beschäftigten haben sechs Modellanläufe gestemmt und das Werk zum ersten reinen E-Auto-Werk im Konzern umgebaut“, sagt Knabel. Jetzt müsse Volkswagen Verantwortung für die Belegschaft übernehmen und die Auslastung und Beschäftigung am Standort sichern.

Quelle: IG Metall Zwickau – Pressemitteilung vom 28.09.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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