Hyundai will E-Autos mit Auspuffknallen emotionaler machen

Hyundai will E-Autos mit Auspuffknallen emotionaler machen
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Daniel Krenzer

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Elektroautos sind leise, effizient und lokal emissionsfrei. Genau diese Eigenschaften gelten als einige ihrer größten Vorteile. Gegen den Strom schwimmend wirkt nun ein Vorhaben des südkoreanischen Automobilherstellers Hyundai: Die nächste Generation der sportlichen N-Modelle soll künftig nicht nur virtuelle Gangwechsel und Motorvibrationen simulieren, sondern sogar das typische Auspuffknallen leistungsstarker Verbrenner nachahmen.

Wie aus einem von Golem aufgegriffenen Interview von Entwicklungschef Manfred Harrer mit dem britischen Magazin Autocar hervorgeht, arbeitet Hyundai an einer Weiterentwicklung der bereits aus dem Ioniq 5 N bekannten Fahrsimulation. Neben künstlichen Leerlaufgeräuschen und Vibrationen sollen künftig auch Fehlzündungen imitiert werden – also jenes laute Knallen, das bei hochgezüchteten Verbrennungsmotoren nach Gangwechseln entsteht. Die Funktionen sollen Bestandteil der neuen Elektroplattform IMA werden, die die bisherige E-GMP-Architektur ablösen soll.

Hyundai verfolgt das Ziel, die elektrischen N-Modelle möglichst emotional wirken zu lassen und damit insbesondere sportlich orientierte Fahrer anzusprechen. Bereits heute simuliert der Ioniq 5 N Schaltvorgänge und Motorsounds. Die nächste Evolutionsstufe soll das Fahrerlebnis noch authentischer erscheinen lassen. Das ist technisch durchaus beeindruckend. Schließlich lassen sich Leistungsentfaltung, Geräusche und Vibrationen bei einem Elektroauto nahezu beliebig künstlich erzeugen. Die Frage ist allerdings, ob das eine solche Spielerei nötig ist.

Erschließen neuer Kundengruppen

Dass Hersteller versuchen, den Umstieg auf das Elektroauto für eingefleischte Sportwagenfans attraktiver zu machen, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Viele verbinden Fahrspaß seit Jahrzehnten mit Schaltvorgängen, Motorbrummen oder eben auch dem charakteristischen Auspuffknallen. Wenn künstliche Geräusche tatsächlich dazu beitragen, dass sich bisher skeptische Verbrennerfahrer für ein Elektroauto entscheiden, spricht wenig dagegen. Schließlich lassen sich solche Funktionen jederzeit deaktivieren und verändern weder Effizienz noch Emissionen des Fahrzeugs. In diesem Sinne sind virtuelle Schaltvorgänge oder Motorsounds letztlich nichts anderes als Fahrmodi oder Ambientebeleuchtung: optionale Features für eine bestimmte Zielgruppe.

Problematisch wird es allerdings, wenn künstliches Auspuffknallen auch außerhalb des Fahrzeugs zu hören wäre. Einer der größten gesellschaftlichen Vorteile der Elektromobilität besteht gerade darin, dass Städte und Wohngebiete deutlich leiser werden können. Vor allem unnötiger Sportwagenlärm sorgt seit Jahren für Beschwerden von Anwohnern. Es wäre ein Rückschritt, wenn Elektroautos diesen Lärm künstlich wieder erzeugen würden.

Deshalb wäre objektiv betrachtet wohl eine klare Trennung sinnvoll: Wer sich ein künstliches Motorsporterlebnis wünscht, sollte dieses ausschließlich im Innenraum erleben können – ähnlich wie viele Hersteller bereits heute synthetische Motorsounds über die Lautsprecher wiedergeben. Außen sollte das Fahrzeug hingegen so leise bleiben, wie es die Elektromobilität ermöglicht. Für die vorgeschriebenen Warnsysteme bei niedrigen Geschwindigkeiten (AVAS) existieren bereits gesetzliche Vorgaben. Zusätzliche künstliche Fehlzündungen würden darüber hinaus keinen Sicherheitsgewinn bringen, sondern lediglich die Lärmbelastung erhöhen.

„Nicht so ernst wie Porsche“

Mehrere Hersteller suchen inzwischen nach Möglichkeiten, ihre Fahrzeuge emotional aufzuladen und weitere Kundengruppen für ihre E-Autos zu erschließen, zum Beispiel auch Nissan mit dem Ariya Nismo. Dabei gäbe es eigentlich genügend Eigenschaften, die Elektroautos ganz ohne Verbrenner-Nostalgie faszinierend machen: spontane Beschleunigung, präzise Leistungsdosierung, niedriger Schwerpunkt oder innovative Softwarefunktionen.

Doch Hyundai setzt offenbar dennoch auf zusätzlichen Klamauk. Harrer sagte: „Viele sagen, es sei unecht, aber den Leuten gefällt es, also hat es etwas Schönes an sich – und warum sollte man nicht ein bisschen damit herumspielen? Wir sind nicht so ernst wie Porsche. Mit uns macht das Fahren Spaß.“

Quelle: Golem – Hyundais sportliche Stromer sollen Auspuffknallen bekommen

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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