Der Irankrieg bringt schon nach wenigen Tagen deutlich höhere Preise für fossiles Öl und Gas mit sich. Die Straße von Hormus, durch die rund ein Viertel des weltweit verschifften Rohöls und etwa ein Fünftel der globalen Flüssiggastransporte verlaufen, ist faktisch gesperrt. Die Energiepreise steigen auf den Weltmärkten, Benzin und Diesel sind an den Zapfsäulen schon deutlich teurer geworden und haben zum ersten Mal seit Jahren wieder die Schwelle von 2 Euro übersprungen. Unklar ist, inwieweit die Preise sich noch weiter erhöhen. Alle künftigen energiepolitischen Entscheidungen müssten helfen, Deutschland davon unabhängiger zu machen, fordert daher unter anderem Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).
„Die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten zeigt einmal mehr: Erneuerbare Energien sind Sicherheitsenergien, die Deutschlands und Europas fatale Abhängigkeit von fossilen Energien schon stark verringert haben“, so Schneider. Wärmepumpen und Elektroautos seien schon heute breit verfügbare und bewährte Technologien, die Deutschland „stärker und sicherer machen in unsicheren geopolitischen Zeiten“. Darum gelte, dass „alle energiepolitischen Weichenstellungen, die jetzt anstehen, dem Ziel dienen müssen, Deutschland unabhängiger zu machen von unsicheren fossilen Energien.“
„Ein Land, das sich mit Windrädern, Solaranlagen, Wärmepumpen und Elektroautos krisenfest gemacht hat, kann mit weniger ökonomischen Sorgen auf die Straße von Hormus blicken“, so der Umweltminister weiter. Der Irankrieg sei „eine schmerzhafte Erinnerung daran, wie verwundbar wir immer noch sind durch solche Schocks auf den Öl- und Gasmärkten.“ Deutschland kosten diese Abhängigkeiten Milliarden an Euro, getragen vor allem von den Verbrauchern – und „zugunsten der Öl- und Gaskonzerne“, so Schneider.
Der Ausweg aus dieser fossilen Energiekrise seien Technologien, die auf Klimaschutz ausgelegt sind, „das darf man gerade jetzt nicht aus dem Blick verlieren. Die Entscheidung für Klimaschutz ist auch eine geostrategisch und geoökonomisch kluge Entscheidung“, so der Umweltminister abschließend.
„Verbraucher zahlen an der Zapfsäule die Zeche für die deutsche Energieabhängigkeit“
Auch der ökologische Verkehrsclub VCD sieht im Irankrieg einen erneuten Beleg dafür, dass die gefährliche Abhängigkeit von fossilen Energien überwunden werden müsse. Die Bundesregierung müsse jetzt endlich umsteuern, und ihre Lehren ziehen, wie es auch schon beim Überfall Russlands auf die Ukraine und dem damaligen Gasschock der Fall gewesen wäre, fordert die VCD-Bundesvorsitzende Christiane Rohleder. Die Zukunft müsse den Erneuerbaren und der Elektromobilität gehören.
„Die explodierenden Spritpreise zeigen, dass die Abhängigkeit von Öl und Gas nicht nur ein Problem für das Klima ist, sondern auch für den Geldbeutel. Die Verbraucherinnen und Verbraucher zahlen an der Zapfsäule gerade die Zeche für die deutsche Energieabhängigkeit“, sagt die VCD-Bundesvorsitzende Christiane Rohleder. „Diese Abhängigkeit kann nur reduziert werden, wenn wir in Deutschland unsere eigene Energie erneuerbar erzeugen. Wir müssen konsequent Richtung E-Mobilität und auch Alternativen zum Auto umsteuern.“
Es sei grundfalsch, dass es die Bundesregierung Eigenheimbesitzern schwerer mache, Solarenergie zu produzieren und die Regelungen zu emissionsfreien Fahrzeugen ab 2035 aufweichen wolle, kritisiert Rohleder. „Das verschärft die Abhängigkeit, statt sie zu reduzieren.“
Elektroautos schonen nicht nur Klima und Umwelt, sondern sind bei den Kosten den Verbrennern mittlerweile gleichauf, in vielen Szenarien sogar günstiger. Weil E-Autos nicht von Spritpreisen abhängig sind, sind ihre Kosten auch besser kalkulierbar. Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, fordert kluge Anreize, um die Kostenvorteile weiter zu steigern: „Eine CO2-basierte Zulassungssteuer ist das Mittel der Wahl. Das sollte die Bundesregierung schnell umsetzen. Sie würde damit auch das anstehende Klimaschutzprogramm voranbringen.“
Ein Blick ins europäische Ausland zeige eindrucksvoll, wie eine solches Instrument die Elektromobilität andernorts zum neuen Normal werden lässt, so Müller-Görnert: „In Norwegen sind nahezu alle Neuwagen Stromer, in Dänemark über 80 Prozent. Deutschland hinkt hinterher – und wird von den Benzinkosten umso stärker getroffen. Das müssen wir ändern.“
Quelle: Bundesumweltministerium – Pressemitteilung vom 05.03.2026 / VCD – Pressemitteilung vom 06.03.2026








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