Harley-Davidson Livewire: Kraftwerk auf zwei Rädern

Harley-Davidson Livewire: Kraftwerk auf zwei Rädern
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Harley-Davidson

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 5 min

Es gibt Marken, die hatten Elektro-Mobilisten bislang eher nicht so auf dem Schirm. Harley-Davidson gehört wohl dazu. Die Amerikaner sind bekannt für schweres Eisen und großvolumige Verbrenner mit dicken Auspufftöpfen.

But times they´re changing – und mit ihrem neuesten Modell katapultieren sich die Jungs (und ein Mädels) aus Milwaukee unter die innovativsten Motorradbauer überhaupt. „Wir wollen die elektrische Mobilität bei Zweirädern anführen“, spricht Harley-Chef Matthew Levatich – et voilá, da ist es: Das Akku-Bike Livewire.

Schon vor fünf Jahren war das Konzept-Fahrzeug angerollt; die ab sofort für knapp 33.000 Euro verkaufte Serienversion hat zwar kein Teil übernommen, wohl aber den optischen Gesamteindruck: Der gigantische, 104 Kilogramm schwere Akkupack präsentiert sich ehrlich, nackt und unverkleidet, und dominiert das komplette Design Eindruck des progressiven gestalteten Bikes.

Der Fahrer sitzt entspannt bis leicht sportlich; weder muss er die Füße so weit nach vorne strecken wie bei anderen Harleys, noch irgendwie gebückt verkrampfen. Nach dem Drücken der Starttaste pulsiert das weiterhin stille Bike leicht, aber spürbar. Ein Warnsignal: Ich bin wach, dreh jetzt bitte nur noch kontrolliert am rechten Griff.

Was dann passiert, gehört selbst im Bereich der Elektro-Mobilität zu den besonders spektakulären Erlebnissen. In drei Sekunden beschleunigt das 106 PS starke, immerhin fast 250 Kilo schwere Motorrad auf Tempo 100 – natürlich aus dem Stand mit der vollen Wucht seines Drehmoments von 116 Newtonmetern. Aus jedem Landstraßen-tauglichen Tempo heraus entfesselt das Bike einen unglaublichen Vortrieb und die Magennerven zittern – und das typischerweise nahezu lautlos. Nur ein Zischen, oder manchmal ein Pfeifen dringt an die Ohren des Fahrers oder Außenstehender.

Geknatter gewohnte Motorradfahrer, erst Recht Harley-Fans, werden sich daran gewöhnen müssen; oder sie lassen es und kaufen die vibrierenden Verbrenner weiter.

Per einstellbarer Rekuperation, die überschüssige Kraft vom Hinterrad zurück in den Akku speist, dirigiert der Fahrer intuitiv das Tempo des Bikes; die Brembo-Bremsen benötigt er im Grunde nur für den Notfall. Gerade auf einem leistungsstarken Zweirad zeigen sich die Stärken der Elektro-Mobilität: ohne Kuppeln, Schalten oder Beobachten eines Drehzahlmessers kann man seine Konzentration ganz den Kurven der Landstraße und der Ideallinie widmen. Die durcheilt die Elektro-Harley mit überraschender Handlichkeit; der niedrige Schwerpunkt kaschiert ihr Gewicht.

Auch beim Rangieren wirkt sie schlanker und leichter beherrschbar, als es das wuchtige Design vermuten lässt. So lässt sich die Livewire locker an die Schnelllade-Säule parken, wo sie sich per üblichem Typ-2-Stecker in 40 Minuten zu 80 Prozent und nach einer Stunde voll laden lässt – was in den ersten zwei Jahren nach Kauf beim Harley-Händler gratis ist. Am Schuko-Stecker in der heimischen Garage nuckelt das E-Bike dagegen die ganze Nacht.

Ja nach Fahrweise und Messzyklus reicht der volle Akku dann für 150 bis 230 Kilometer; realistisch im Mix zwischen langsamen Stadtverkehr und Landstraßen-Fun sind knapp 200 Kilometer. Für die sonntägliche Spritztour reicht das in der Rege. Eine App informiert über Restreichweite und die nächste Ladestation.

Für das Ziel, bei der Elektro-Mobilität im Einspur-Bereich die Pace zu übernehmen, ist die Livewire jedenfalls der perfekte Auftakt. Die anderen etablierten Krad-Herstellern haben da bislang so gut wie nichts auf der Pfanne. Keiner der vier großen japanischen Anbieter beispielsweise bietet ein Akku-Bike im Programm. Konkurrenz kommt vor allem von Start-Ups wie Energica aus Italien oder Zero aus den USA. Letztere bieten eine noch stärke Maschine zu einem deutlich preisgünstiger an.

Harley-Davidson verlässt sich bei seiner Premium-Strategie ganz auf die – trotz sinkender Verkaufszahlen noch immer existente – Strahlkraft seiner Marke. Außerdem hat der Hersteller bereits weiteren kleineren Elektro-Bikes versprochen. Denn die Livewire ist nur der Auftakt zu einer beispiellosen Produkt-Offensive, die das kriselnde und verkaufshemmende Alteisen-Image der Marke komplett wandeln könnte: Urbane Flitzer mit Akku sollen die Generation Greta ködern oder City-Pendler aus dem Auto locken.

Bei ihren bisherigen Fans wird das alles freilich nicht auf ungeteilte Begeisterung stoßen, das ist auch den Machern in Milwaukee klar; deshalb werden sie ihre bisherigen Modelle mit blubberndem V2-Motor und Retro-Design weiterbauen. Doch der Trend in Richtung Elektromobilität ist auch bei Zweirädern nicht mehr aufzuhalten; und die Livewire sowie ihre geplanten kleinen Schwestern leisten da einen wichtigen Beitrag.


Gastbeitrag von Marcus Efler für Elektroauto-News.net – Instagram.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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