Was der Cupra Born VZ besser kann als der normale Born

Was der Cupra Born VZ besser kann als der normale Born
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Elektroauto-News

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 7 min

Der Cupra Born VZ mit 240 kW war der letzte Testwagen des Jahres 2025 – und wurde entsprechend nicht unter Idealbedingungen bewegt, war das Wetter doch sehr wechselhaft. Die Fahreindrücke sammelten wir Ende Dezember sowie in der ersten Kalenderwoche 2026 rund um Heidelberg. Das bedeutete winterliche Temperaturen meist zwischen null und fünf Grad, teils darunter, feuchte Fahrbahnen, einzelne frostige Morgen und wenig günstige Voraussetzungen für Effizienz- oder Komforttests. Genau dadurch ergibt sich jedoch ein realistisches Bild für den Alltag.

Optisch bleibt der Cupra Born VZ klar als Born erkennbar, setzt aber gezielt sportlichere Akzente. Dazu zählen spezifische 20-Zoll-Räder, dunklere Exterieurdetails, dezente VZ-Badges sowie eine insgesamt etwas schärfer wirkende Präsenz. Die Proportionen bleiben kompakt, die Linienführung vertraut, doch der Born VZ wirkt in Summe gedrungener und athletischer als die zivileren Varianten. Gerade in dunkleren Farben tritt der Unterschied nicht plakativ, sondern eher subtil auf – ganz im Sinne eines sportlichen Understatements. Wer den Born kennt, erkennt den VZ sofort, wer nicht, nimmt ihn als besonders straff gezeichnete Version wahr.

Auch im Innenraum setzt der Born VZ eigene Akzente, ohne das bekannte Layout grundsätzlich zu verändern. Die markanten Sportsitze mit stärker ausgeprägtem Seitenhalt prägen den ersten Eindruck und passen zur Leistungssteigerung. Kupferfarbene Details, spezifische Bezüge und kleinere VZ-Hinweise schärfen den Charakter. Gleichzeitig bleibt der grundsätzliche Aufbau identisch: kleines Fahrerdisplay, zentraler Touchscreen, viele digitale Bedienflächen. Wer vom normalen Born umsteigt, findet sich sofort zurecht – spürt aber, dass hier mehr Fokus auf Dynamik und Sitzposition gelegt wurde als auf Komfort oder Lounge-Gefühl.

Technische Unterschiede zwischen Cupra Born VZ und Basisversion

Technisch unterscheidet sich der Born VZ deutlicher vom regulären Cupra Born, als es das Design vermuten lässt. Während die schwächeren Varianten mit weniger Leistung und kleineren Batterien auskommen müssen, ist der VZ ausschließlich mit der 79-kWh-Batterie und dem stärkeren Heckmotor 240 kW/ 326 PS mit 545 Nm Drehmoment erhältlich. Hinzu kommen die höhere Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h, die deutlich bessere Ladeperformance (AC 11 kW/ DC 180 kW) sowie das serienmäßige adaptive Fahrwerk. Der Born VZ ist damit weniger eine Ausstattungsvariante als vielmehr eine eigenständige Auslegung des Konzepts – klar positioniert für Fahrer:innen, die bewusst Leistung, Fahrdynamik und Langstreckentauglichkeit kombinieren wollen.

Im Stadtverkehr zeigt sich der der Stromer von Cupra überraschend kontrolliert. Die Leistungsentfaltung ist spontan, aber nicht nervös. Gerade bei winterlichen Temperaturen wirkt das Ansprechverhalten angenehm linear. Gleichzeitig wird deutlich, dass das Auto klar sportlich abgestimmt ist. Querfugen, schlechte Asphaltoberflächen und Kanaldeckel werden spürbar weitergereicht, insbesondere mit der großen Bereifung. Für den urbanen Alltag ist das akzeptabel, Komfortorientierte werden hier jedoch schneller an Grenzen stoßen.

Auf Landstraßen rund um Heidelberg spielt der Born VZ seine stärksten Karten aus. Der Heckantrieb, der tiefe Schwerpunkt und das hohe Drehmoment sorgen für sehr souveräne Zwischenspurts. Überholmanöver gelingen mühelos, das Auto lässt sich präzise platzieren und wirkt deutlich agiler, als es sein Gewicht (ca. 1980 bis 2020 kg) vermuten lässt. Gleichzeitig zeigt sich die Kehrseite der Abstimmung: ESP und Traktionskontrolle greifen früh und konsequent ein. Selbst im Cupra- oder Performance-Modus bleibt wenig Spielraum für spielerische Dynamik. Das Fahrgefühl ist sportlich, aber klar auf Kontrolle statt auf Grenzerfahrung ausgelegt.

Auf der Autobahn überzeugt der Born VZ mit hoher Stabilität und spürbaren Leistungsreserven auch oberhalb der Richtgeschwindigkeit. Gerade unter winterlichen Bedingungen vermittelt das Fahrwerk viel Vertrauen. Die Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig, der Travel Assist entlastet spürbar auf längeren Strecken. Kritisch bleibt das Bremsgefühl, wirkt das Bremspedal doch ein wenig weich und intransparent. Der Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Bremse wirkt nicht immer harmonisch, was gerade bei höheren Geschwindigkeiten oder dynamischer Fahrweise irritiert. Für ein Performance-Modell ist das einer der deutlichsten Schwachpunkte.

Platzangebot im Cupra Born VZ für Alltag und Winter

Der Cupra Born VZ bietet für ein kompaktes Elektroauto ein überraschend solides Raumangebot und präsentiert sich im bekannten MEB-Grundlayout mit Cupra-spezifischer Schärfung. Bei einer Außenlänge von 4324 mm, einer Breite von 1809 mm und einem Radstand von 2767 mm profitieren vor allem die Passagiere im Fond von ordentlicher Bein- und Kopffreiheit. Auch groß gewachsene Erwachsene finden hinten ausreichend Platz.

Der Kofferraum fasst 385 Liter bei aufgestellter Rückbank und lässt sich durch Umklappen der Lehnen auf bis zu 1267 Liter erweitern. Die Ladekante ist niedrig, die Öffnung breit, der Laderaum gut nutzbar. Gerade im Winteralltag – etwa mit Jacken, Einkäufen oder zusätzlichem Ladeequipment – reicht das Volumen problemlos aus. Ein zusätzlicher Frunk fehlt zwar, das Hauptstaufach kompensiert dies jedoch weitgehend.

Kritik an Bedienlogik und Anzeigeelementen

Weniger überzeugend bleibt die Bedienung. Die Vielzahl an Touchflächen – am Lenkrad, für Fensterheber, Licht und Assistenzfunktionen – sorgt weiterhin für Ablenkung. Haptisches Feedback fehlt, Funktionen werden leicht unbeabsichtigt verstellt. Das kleine Fahrerdisplay darf man ebenfalls kritisieren, wenn man den Vergleich mit Marktbegleitern wagt. Zwar liefert das Augmented-Reality-Head-up-Display einen echten Mehrwert und gehört zum Besten in dieser Klasse, das eigentliche Kombiinstrument wirkt dagegen zu klein und informationsarm – insbesondere im Vergleich zu anderen Cupra-Modellen.

Auch der Materialmix bleibt ein Thema. Sitze, Lenkrad und ausgewählte Oberflächen wirken hochwertig, an anderen Stellen dominieren harte Kunststoffe. Angesichts eines Preises jenseits der 50.000 Euro entsteht hier ein spürbarer Bruch zwischen Anspruch und Umsetzung. Hinzu kommt der fehlende Frunk. Trotz Heckantrieb gibt es keinen zusätzlichen Stauraum vorn, was im Alltag – etwa für Ladekabel – als verpasste Chance zu werten ist.

Beim Verbrauch zeigt sich der Born VZ unter realistischen Bedingungen. Bei 466 Kilometern verriet der Blick auf den Bordcomputer einen Durchschnitt von 22,6 kWh pro 100 Kilometer. Das liegt über sommerlichen Erfahrungswerten, ist aber klar einzuordnen. Gefahren wurde bei niedrigen Temperaturen, mit Heizung, Sitzheizung, Winterreifen sowie einem ausgewogenen Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn – ohne Effizienzfokus. Unter diesen Voraussetzungen ist der Wert nachvollziehbar. Daraus ergibt sich eine praxisnahe Winterreichweite von rund 340 bis 360 Kilometern. Bei milderen Temperaturen dürfte der Born VZ spürbar näher an die 400-Kilometer-Marke heranrücken.

Fazit zum Cupra Born VZ nach zwei winterlichen Wochen

Unterm Strich zeigt sich der Cupra Born VZ als sportlich geprägtes Elektroauto mit klaren Stärken und ebenso klaren Schwächen. Antrieb, Ladeperformance, Reichweite und Platzangebot überzeugen auch im Wintereinsatz. Kritikpunkte bleiben die Bedienlogik, das Bremsgefühl, der eingeschränkte Spielraum für echte Dynamik sowie Details im Innenraum.

Der Born VZ ist kein kompromissloser Sportler, sondern ein schneller, kontrollierter Allrounder. Wer genau das sucht und mit den bekannten MEB-Eigenheiten leben kann, findet hier ein stimmiges Gesamtpaket – gerade als leistungsstarkes E-Auto für Alltag und Langstrecke.


Disclaimer: Der Cupra Born VZ wurde uns für diesen Testbericht kostenfrei für den Zeitraum von zwei Wochen von Cupra zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unsere hier geschriebene ehrliche Meinung.

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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