Zehn neue Modelle: GWM strebt Europa-Comeback an

Zehn neue Modelle: GWM strebt Europa-Comeback an
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Great Wall Motor (Archivbild)

Tobias Stahl
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  —  Lesedauer 3 min

Great Wall Motor (GWM) zählte zu den ersten chinesischen Autoherstellern, der in Europa für ein mediales Echo sorgte: Schon 2021 zeigte GWM einen Teil seiner stark auf Elektroautos ausgerichteten Modellpalette auf der Münchener Mobilitätsmesse IAA. Bislang blieb GWM auf dem hart umkämpften europäischen Markt jedoch hinter den eigenen Ansprüchen zurück.

In dieser Woche gab der Hersteller jedoch bekannt, einen neuen Anlauf in Europa wagen zu wollen: Great Wall Motors will in den kommenden zwei Jahren mindestens zehn neue Modelle auf den europäischen Markt bringen. GWM will in den nächsten zwölf Monaten zudem den Verkauf in 13 europäischen Märkten aufnehmen. Derzeit vertreibt GWM seine Fahrzeuge in neun europäischen Märkten, darunter Deutschland, Großbritannien, Irland und Schweden.

„Wir wollen auf keinem Markt der Welt der Verlierer sein“, erklärte Parker Shi, Präsident von GWM International, im Gespräch mit Reportern im Technologiezentrum des Unternehmens in Baoding, China. „Wir werden zurückkommen und wir werden mit dem richtigen Produkt antreten.“

Great Wall Motor will im Zuge des anvisierten Europa-Comebacks seine Antriebspalette stärker diversifizieren: Neben den E-Modellen sollen auch Hybrid- und Verbrennerfahrzeuge zur Modelloffensive gehören. Den Anfang soll der Ora 5 noch in der ersten Jahreshälfte 2026 machen. Es handelt sich um ein kleines Stadtauto, das als Stromer, Verbrenner oder Hybrid erhältlich sein wird. Ebenfalls noch im Laufe dieses Jahres plant der Hersteller den Marktstart des SUV Jolion Max und des Geländewagens H7.

Great Wall Motor will seine internationalen Verkäufe bis 2030 verdoppeln

Da der Fahrzeugabsatz in China seit geraumer Zeit stagniert und dortige Autobauer sich einen aggressiven Kampf um Marktanteile liefern, bemühen chinesische Hersteller sich zunehmend um eine Expansion in Europa sowie in zahlreichen Schwellenländern. Neuere chinesische Marktteilnehmer wie BYD, Leapmotor oder Chery mit seinen Marken Jaecoo und Omoda konnten im vergangenen Jahr ein bemerkenswertes Wachstum in Europa erzielen – der Absatz von GWM sank jedoch schon 2024 um 25,4 Prozent und 2025 um weitere knapp 30 Prozent auf nur 3500 Fahrzeuge.

Thiemo Jahnke, GWMs Marketingchef für Europa erklärte laut Reuters, dass der Hersteller im Juni den Verkauf in Italien und Spanien aufnehmen werde, gefolgt von Polen im Juli und zehn weiteren Märkten in den nächsten zwölf Monaten. Europa gilt als entscheidender Markt für das ehrgeizige Ziel von GWM, seinen Absatz im Ausland bis zum Ende des Jahrzehnts auf eine Million Fahrzeuge zu verdoppeln.

Das Unternehmen hatte zudem bereits angekündigt, bis 2029 ein europäisches Werk mit einer jährlichen Produktionskapazität von 300.000 Fahrzeugen errichten zu wollen. GWM-Geschäftsführer Mu Feng sagte, man habe sich noch nicht für einen Standort entschieden, prüfe jedoch Mittel- und Südeuropa.

Branchenexperten sehen in Europa schwierige Marktbedingungen für GWM

Branchenexperten rechnen damit, dass es angesichts der großen Zahl chinesischer Konkurrenten, die ebenfalls nach Europa expandieren, für GWM im zweiten Anlauf eher schwieriger werden dürfte. Laut Automobilanalyst Felipe Munoz bedeute GWMs Fokus auf verschiedene Antriebsstränge, dass das Unternehmen über ein stärkeres Angebot verfüge als bei seinem ersten Vorstoß nach Europa. Munoz merkte jedoch an, dass einige der Fahrzeuge, die GWM in Europa einführen will – darunter der große Offroad-SUV Tank 300 – für viele europäische Autokäufer nicht geeignet sein werden.

Auch Munoz sieht schwierige Vorzeichen für GWMs Europa-Comeback: „Es gibt bereits zu viele chinesische Autohersteller in Europa“, so der Analyst. „Es wird ihnen schwerfallen, sich von der Masse abzuheben.“

Quelle: Reuters – China’s Great Wall Motor seeks European comeback with launch of 10 new cars

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Tobias Stahl

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Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

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