Grüner Verkehrsexperte: „Deutsche Automobilindustrie muss auf Elektromobilität umstellen“

Grüner Verkehrsexperte: „Deutsche Automobilindustrie muss auf Elektromobilität umstellen“
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 639789637

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sprach in einem Interview mit Finanzen.de über die Zukunft der Elektromobilität, die Elektroauto-Kaufprämie und warum die Verbrenner-Technologie ein Auslaufmodell ist.

Ein anschauliches Beispiel für die derzeit stattfindende „Transformation der Autoindustrie“ sei die Gläserne Manufaktur von Volkswagen in Dresden, wo bis 2016 der Phaeton vom Band lief, „ein schwerer Oberklassewagen ohne Zukunft mit einem Verbrauch von über 15 Litern auf 100 Kilometern“, so Kühn. Seit April 2017 wird in eben jener Manufaktur das VW-Elektroauto e-Golf produziert, seit einigen Wochen sogar in Doppelschicht, um die hohe Nachfrage bedienen zu können. Desweiteren entwickeln etliche Start-ups auf dem Gelände „Mobilitätslösungen für die Zukunft“, so der Grünen-Politiker.

Auf den Straßen jedoch sehe man Elektroautos „leider noch viel zu selten“, wofür Kühn auch die „löchrige Ladeinfrastruktur“ verantwortlich sieht. Damit die Elektromobilität für Kunden attraktiver wird, möchte der Politiker die Kaufprämie für Elektroautos „wirksamer ausgestalten“. Er stellt sich „eine Erhöhung der Prämie und ein Bonus-Malus-System“ vor: „Klimaschädliche Spritschlucker“ sollten deutlich höher besteuert werden als bisher, emissionsarme Elektrofahrzeuge hingegen „eine Steuergutschrift erhalten“. Das aktuelle Kfz-Steuerrecht müsse „komplett ökologisch“ modernisiert werden. Dass der Diesel „derzeit noch mit acht Milliarden Euro jährlich subventioniert“ wird setze „falsche Marktanreize“ und verhindere den Umstieg auf nachhaltige Antriebe.

„Die deutsche Automobilindustrie weiß, dass der Verbrennungsmotor ein Verfallsdatum besitzt. Die Konkurrenz schläft nicht: In China, dem weltweit größten Automobilmarkt, wurden im letzten Jahr 650.000 E-Autos verkauft. Damit die deutsche Automobilindustrie international wettbewerbsfähig bleibt und wertvolle Industriearbeitsplätze erhalten werden können, wird sie sich auf die Elektromobilität umstellen müssen.“ – Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Kühn ist klar, dass Verbrenner-Fahrzeuge „nicht plötzlich von der Straße verschwinden“ werden. Aber wir werden „einen deutlichen Zuwachs bei der Elektromobilität erleben“, ist sich der Grünen-Politiker sicher. Das sei auch dringend nötig, „denn die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, die Treibhausgase im Verkehrssektor bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren. Bislang sind die Emissionen im Vergleich zu 1990 aber sogar noch gestiegen“.

Quelle: Finanzen.de – Elektromobilität: Der Verbrennungsmotor besitzt ein Verfallsdatum

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

KI-Boom treibt Speicherchip-Preise für Autobauer hoch

Sebastian Henßler  —  

Tech-Konzerne kaufen den Chipmarkt leer, die Autobranche zahlt drauf. Einzelne Speicherbausteine sind bis zu 400 Prozent teurer geworden.

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Europa liegt beim E-Auto-Absatz nur drei Jahre hinter China zurück

Michael Neißendorfer  —  

Hält Europa an seinen CO2-Grenzwerten fest, könne es den Rückstand auf China noch vor 2030 aufholen und den Ölverbrauch im Verkehrssektor drastisch senken.

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Tozero gewinnt in Bayern Lithium aus alten Batterien zurück

Sebastian Henßler  —  

Tozero verarbeitet jährlich 1500 Tonnen Batterieabfälle und gewinnt daraus Lithium, Graphit und Nickel-Kobalt zurück. Die Kosten liegen unter Bergbauniveau.

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Mehrheit der Deutschen wünscht sich bessere Förderung für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Eine aktuelle Befragung zeigt: Die Deutschen wechseln verstärkt vom Verbrenner zum Elektroauto – und fordern von der Politik mehr Initiative für E-Mobilität.

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

SolidCore: Was hinter MGs Batterieversprechen steckt

Sebastian Henßler  —  

MG will als erster Automobilhersteller eine Semi-Solid-State-Batterie in Großserie nach Europa bringen. Der Hochlauf läuft, doch manche Fragen bleiben offen.

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Experten und Verbände watschen „Klimaschutz“-Programm der Regierung ab

Michael Neißendorfer  —  

Verbände und Experten lassen kein gutes Haar am neuen „Klimaschutzprogramm“ der Bundesregierung. Wirklich neues habe es gar nicht zu bieten.

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

VDIK: Ladeinfrastruktur entscheidet über E-Auto-Hochlauf

Sebastian Henßler  —  

VDIK-Präsidentin Labbé schlägt eine staatliche Ladekarte mit Guthaben vor. Damit ließen sich Tarifchaos und umständliches Laden auf einen Schlag beseitigen.