Die britische Regierung hat umfangreiche Fördermittel für die heimische Fahrzeug- und Batterieindustrie bestätigt. Den größten Einzelposten erhält Agratas, eine Tochtergesellschaft der Tata Group: 436 Millionen Euro fließen in den Bau einer Gigafactory im englischen Somerset, die künftig Jaguar Land Rover mit Batteriezellen versorgen soll. Das Werk befindet sich derzeit noch im Bau.
Laut Angaben der Regierung sichert das Projekt 4200 direkt betroffene Arbeitsplätze sowie weitere tausende in der Lieferkette. Hinzu kommen 300 Ausbildungsplätze. Wirtschaftsminister Peter Kyle begründete die Förderentscheidung mit dem Ziel, Wachstum und wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit zu stärken. „Diese Regierung unterstützt die Zukunftsindustrien, indem sie landesweit in Automobilunternehmen, mittelständische Betriebe und Batteriehersteller investiert“, so Kyle. Damit erhöhe man die Kaufkraft der Menschen und sichere Beschäftigung. Bereits die konservative Vorgängerregierung hatte das Projekt 2023 unterstützt – damals allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen.
Produktion für Range Rover, Defender und neue Jaguar-Modelle
Nach Fertigstellung soll die Fabrik eine jährliche Kapazität von 40 Gigawattstunden erreichen – rechnerisch ausreichend für rund 500.000 Fahrzeuge. Vorgesehen ist die Belieferung künftiger Elektroversionen von Range Rover, Defender und Discovery sowie neuer Jaguar-Modelle. Darüber hinaus schließt Agratas eine Lieferbeziehung zu weiteren Automobilherstellern nicht aus. Earl Wiggins, Vizepräsident Produktion bei Agratas UK, bezeichnete das Werk als „wichtigen Beitrag zur Erreichung der Netto-Null-Klimaziele“ und sieht darin eine Stärkung von „Großbritanniens Position als globaler Batterie-Standort.“
Der Zeitpunkt der Ankündigung fällt in eine Phase, in der Jaguar Land Rover mit Lieferengpässen zu kämpfen hatte. Vor einigen Wochen musste der Automobilhersteller einzelne Produktionslinien vorübergehend stilllegen, weil Teile von Zulieferern ausblieben. Die heimische Batterieproduktion soll die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten langfristig verringern.
Chinesische Beteiligung rückt ins Blickfeld
Ein Detail der Eigentümerstruktur verdient dabei eine genauere Betrachtung: AESC, ein chinesisches Unternehmen, hält seit dem vergangenen Jahr eine Minderheitsbeteiligung an Agratas. Chinesische Firmen spielen in der globalen Batterie- und E-Mobilitätsbranche ohnehin bereits eine führende Rolle – und sind auch auf dem britischen Markt präsent wie in keinem anderen Land Europas. Ihr Marktanteil lag zuletzt bei rund 15 Prozent, entsprechend etwa 100.000 verkauften Einheiten.
Unterdessen erreichten die Neuzulassungen elektrifizierter Fahrzeuge in Großbritannien im März mit 86.120 Einheiten einen Rekordwert. Besonders deutlich legten Plug-in-Hybride zu, mit einem Plus von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In dieses Marktumfeld bettet sich der staatliche Vorstoß ein: Großbritannien will die Grundlagen für eine wettbewerbsfähige Batterieproduktion im Inland legen – und setzt dabei auf ein Werk, an dem chinesisches Kapital beteiligt ist.
Quelle: Automobilwoche – 436 Millionen Euro Zuschuss für Tata-Batterie-Werk in UK








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