Die britische Regierung unter Premierminister Keir Starmer will die Vorgaben für den Verkauf von Elektroautos offenbar deutlich abschwächen. Medienberichten zufolge soll der Anteil batterieelektrischer Neuwagen im Jahr 2030 nicht mehr bei 80 Prozent liegen, sondern nur noch bei etwa 50 Prozent. Die verbleibende Lücke könnten Hybridfahrzeuge schließen, berichten mehrere britische Medien.
Hintergrund sind Forderungen von Teilen der Automobilindustrie und von Gewerkschaften, die strengeren Vorgaben würden Arbeitsplätze gefährden und den Druck auf Hersteller zu stark erhöhen. Kritiker der Pläne warnen dagegen vor einem Verlust an Planungssicherheit und einer Schwächung des Investitionsstandorts Großbritannien.
Die Debatte erinnert stark an aktuelle Diskussionen innerhalb der Europäischen Union. Auch dort fordern Teile der Politik und Industrie regelmäßig eine Abschwächung bestehender Klimavorgaben oder eine stärkere Rolle für Hybridfahrzeuge. Gleichzeitig argumentieren Befürworter der Elektrifizierung, dass ständige Kurskorrekturen vor allem Unsicherheit schaffen und Investitionen in neue Technologien ausbremsen.
Andere Herangehensweise als EU
Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings darin, dass die EU bislang grundsätzlich am Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor ab 2035 festhält. Zwar wurden einzelne Vorgaben, etwa bei den CO₂-Flottengrenzwerten, zeitlich flexibler gestaltet. Ein grundsätzlicher Richtungswechsel ist bislang trotz starker Intervention der EVP und vor allem aus Deutschland jedoch nicht erkennbar, auch wenn durch sogenannte E-Fuels eine Hintertür für Verbrenner offenbleiben könnte.
Die britische Regierung verfolgt nun offenbar einen anderen Ansatz. Zwar soll das Aus für neue reine Benzin- und Dieselfahrzeuge im Jahr 2030 bestehen bleiben, Hybridmodelle könnten jedoch eine deutlich größere Rolle erhalten als ursprünglich vorgesehen. Statt durch Elektroautos könnten somit britische Verbrenner großflächig lediglich durch sparsamere Verbrenner ersetzt werden.
Ob dies der heimischen Automobilindustrie tatsächlich hilft, ist umstritten. Vertreter der Elektromobilitätsbranche warnen bereits davor, dass eine Abschwächung der Quoten langfristig vor allem chinesischen Herstellern nutzen könnte. Denn diese investieren bereits heute massiv in Elektromobilität und könnten ihre technologische Führungsrolle weiter ausbauen.
Für Europa liefert die britische Diskussion damit einen interessanten Ausblick auf eine Frage, die auch hier zunehmend gestellt wird: Führen strengere Vorgaben schneller zum Erfolg? Oder verzögern politische Kompromisse letztlich nur den ohnehin unvermeidlichen Wandel – zum langfristigen Nachteil für die eigene Wirtschaft?
Quelle: BBC – UK electric car sales target set to be weakened; The Times – Keir Starmer overrules Ed Miliband on electric car sales targets









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