Toyota steht in China vor einer Neuordnung seiner Partnerschaften. Die GAC Group aus dem südchinesischen Guangzhou will den 50-Prozent-Anteil übernehmen, den FAW bislang am Gemeinschaftsunternehmen FAW-Toyota hält. Finanziert werden soll der Schritt über eine Aktienemission, deren Volumen nicht näher beziffert wurde. Damit hätten künftig beide chinesischen Joint Ventures des japanischen Konzerns denselben Partner auf der Gegenseite. Parallel rücken FAW und GAC auch auf Konzernebene zusammen, und das mit sehr unterschiedlichen Ausgangslagen in der Elektromobilität.
Bisher arbeitet Toyota in China sowohl mit FAW als auch mit GAC zusammen, wobei sich die beiden Joint Ventures den Markt nach Regionen aufgeteilt haben. Beide verzeichnen derzeit sinkende Zahlen. GAC-Toyota lieferte von Januar bis August rund 446.600 Autos aus, ein Minus von zehn Prozent. FAW-Toyota kam im selben Zeitraum auf 378.900 Einheiten und damit auf einen Rückgang von 26,6 Prozent.
Offiziell bieten beide Gesellschaften getrennte Modellpaletten an, ähnlich wie es bei FAW-VW und SAIC-VW der Fall ist. In der Praxis überschneiden sich die Angebote jedoch deutlich. Der RAV4 von FAW-Toyota trägt zwar den bekannten Namen, der Wildlander von GAC-Toyota ist bis auf wenige optische Änderungen aber dasselbe Auto. Welche Folgen der neue Eigentümerzuschnitt für regionale Zuständigkeiten und Modelle hat, ist bislang nicht bekannt.
Die Übernahme ist Teil einer größeren Bewegung auf Ebene der Muttergesellschaften. Die Guangzhou Automobile Industry Group, Mehrheitsaktionärin der GAC Group, hat eine strategische Kooperationsvereinbarung mit China FAW unterzeichnet. Laut Erklärung sollen dabei „die Zusammenarbeit in den Bereichen Anlagen und Kapital mit der Technologieentwicklung und der regionenübergreifenden Koordinierung industrieller Ressourcen“ verbunden werden, um Betriebsqualität und Effizienz zu steigern. Auch wenn es so nicht ausgesprochen wird, deutet die Vereinbarung darauf hin, dass FAW zunehmend Kontrolle über GAC gewinnt. Ob daraus ein Joint Venture, eine Fusion oder eine Übernahme wird, ist offen.
Peking will den Wildwuchs der Autobauer beenden
Treibende Kraft hinter den Plänen ist weniger das Management der beiden Konzerne als die Politik. Im September hat das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) seinen Fünf-Jahres-Plan für die Autobranche vorgestellt. Neben den üblichen Wachstumszielen und Vorgaben für den Anteil der „New Energy Vehicles“ (NEV), unter denen China vor allem Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammenfasst, kündigte das Ministerium darin an, den über Jahre gewachsenen Wildwuchs an Herstellern und Fabriken einzudämmen.
Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 sind eine strengere Überwachung der Kapazitäten und höhere Hürden für die Gründung neuer NEV-Hersteller vorgesehen. Ausdrücklich nennt das MIIT zudem „Fusionen, Umstrukturierungen und regionenübergreifende Konsolidierungen unter den Automobilherstellern“ als Mittel gegen die Überkapazitäten im Markt. Mit FAW und GAC gehören zwei staatliche Autobauer zu den ersten Unternehmen, bei denen diese Linie greift. Nachdem Mitte September Gerüchte über eine Annäherung aufgekommen waren, wurde der Handel mit GAC-Aktien am 14. September ausgesetzt. Seit dem 29. September sind die Papiere wieder handelbar.
Für GAC fällt die Neuordnung in eine schwierige Phase. Der Konzern setzte 2025 rund 1,72 Millionen Autos ab, 14 Prozent weniger als im Vorjahr, und schrieb einen Nettoverlust. Im ersten Halbjahr 2026 hielt dieser Trend an: Der Verlust wuchs um 76 Prozent auf 4,47 Milliarden Yuan, umgerechnet 587 Millionen Euro.
Auch FAW verzeichnete zuletzt einen sinkenden Absatz, unter anderem wegen einer Schwäche bei den NEV. Lediglich 13,5 Prozent der Jahresproduktion entfielen auf diese Kategorie. GAC dagegen gilt mit seiner Submarke Aion, die auch Ambitionen für Europa verfolgt, gerade in diesem Segment als wettbewerbsfähig.
Quelle: Automobilwoche – Marktkonsolidierung in China: FAW und GAC schließen strategische Partnerschaft









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