E-Lkw in Deutschland besonders wirtschaftlich

E-Lkw in Deutschland besonders wirtschaftlich
Copyright:

Shutterstock / 179200397

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

CO₂-basierte Mautsysteme verändern die Wirtschaftlichkeit im Straßengüterverkehr offenbar deutlich schneller als von vielen erwartet – allerdings nicht überall gleichermaßen. Eine aktuelle Analyse der Logistikplattform Transporeon, über die Logistra berichtet, zeigt vielmehr, dass die unterschiedlichen europäischen Mautsysteme zunehmend darüber entscheiden, wie attraktiv Elektro-Lkw wirtschaftlich bereits heute sind.

Im Zentrum der Analyse steht dabei der Vergleich verschiedener europäischer Länder und ihrer jeweiligen Mautmodelle. Denn während manche Staaten CO₂-intensive Diesel-Lkw inzwischen deutlich stärker belasten und E-Lkw gleichzeitig massiv entlasten, fällt der wirtschaftliche Vorteil elektrischer Nutzfahrzeuge in anderen Ländern noch deutlich geringer aus.

Besonders stark wirkt sich dies laut Transporeon derzeit in Deutschland aus. Hier sorgt die CO₂-basierte Lkw-Maut seit Ende 2023 für erhebliche Zusatzkosten bei Diesel-Fahrzeugen, während batterieelektrische Lastwagen weiterhin von der Maut befreit sind. Dadurch verschiebt sich die Total Cost of Ownership (TCO) im Fernverkehr deutlich zugunsten von E-Lkw.

Durchfahrene Länder spielen große Rolle

In anderen europäischen Ländern fällt dieser Effekt dagegen bislang schwächer aus. Die Analyse macht damit deutlich, dass die Geschwindigkeit der Elektrifizierung im Straßengüterverkehr nicht allein von Fahrzeugpreisen, Batterietechnik oder Ladeinfrastruktur abhängt, sondern zunehmend auch von politischen Rahmenbedingungen und nationalen Mautsystemen.

Gerade für international tätige Speditionen wird das relevant. Denn je nachdem, durch welche Länder Transporte führen, verändert sich die Wirtschaftlichkeit elektrischer Lkw teils erheblich. Staaten mit hohen CO₂-basierten Mautaufschlägen beschleunigen den Umstieg deutlich stärker als Länder mit klassischen oder weniger emissionsabhängigen Systemen.

Dass die Rechnung für viele Unternehmen bereits heute aufgeht, zeigen aktuelle Erfahrungen aus der Praxis. Eine Untersuchung des Öko-Instituts unter 57 Transportunternehmen mit schweren E-Lkw im täglichen Einsatz kommt zu einem bemerkenswert klaren Ergebnis: 93 Prozent der befragten Unternehmen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihren elektrischen Lastwagen.  Als zentrale Vorteile nennen die Unternehmen neben niedrigeren Energie- und Wartungskosten ausdrücklich auch die Mautbefreiung. Gerade im Fernverkehr könne diese bereits heute einen erheblichen wirtschaftlichen Unterschied machen. Hinzu kommen laut der Studie eine hohe technische Zuverlässigkeit und positive Rückmeldungen der Fahrerinnen und Fahrer.

Ladeinfrastruktur bleibt entscheidend

Gleichzeitig bleibt die öffentliche Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge ein entscheidender Faktor. Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, hatte erklärt, dass insbesondere ein dichteres Schnellladenetz entlang der Hauptverkehrsachsen nötig sei, damit Speditionen europaweit verlässlich elektrisch fahren können. Wettbewerb beim Laden werde künftig zudem entscheidend für sinkende Betriebskosten sein. Durch mittlerweile teils sehr hohe elektrische Reichweiten kann aber bei geschickter Planung und der Nutzung von Ladeinfrastruktur an eigenen Betriebsstandorten sowie bei Partnern der Anteil am notwendigen öffentlichen und meist auch kostspieligerem Laden gering gehalten werden.

Die Transporeon-Analyse zeigt indes vor allem eines: Nicht jedes europäische Land setzt derzeit dieselben wirtschaftlichen Anreize für klimafreundlichen Güterverkehr. Während CO₂-basierte Mautsysteme den Wechsel zum E-Lkw massiv beschleunigen können, bleibt der finanzielle Druck zum Umstieg andernorts deutlich geringer. Für die Logistikbranche wird die europäische Mautlandschaft damit zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor. Und vor allem in Deutschland fällt die TCO-Rechnung inzwischen für sehr viele Flottenbetreiber deutlich zugunsten von Elektro-Lkw aus.

Quelle: Logistra – Transporeon-Analyse E-Mobilität: CO2-Maut verändert Wirtschaftlichkeit im Straßengüterverkehr

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Neue E-Auto-Prämie: Knapp 42.000 Anträge in zwei Wochen

Neue E-Auto-Prämie: Knapp 42.000 Anträge in zwei Wochen

Tobias Stahl  —  

Zwei Wochen nach dem Start der neuen E-Auto-Prämie liegen dem Umweltministerium knapp 42.000 Anträge vor – die überwiegende Mehrheit entfällt auf reine E-Autos.

Ladeinfrastruktur wächst – doch Netzbetreiber werden zum Nadelöhr

Ladeinfrastruktur wächst – doch Netzbetreiber werden zum Nadelöhr

Daniel Krenzer  —  

Deutschlands Ladeinfrastruktur hat mehr als 200.000 Ladepunkte, doch Netzanschlüsse und Bürokratie bremsen den weiteren Ausbau zunehmend aus.

Europas Automarkt wächst wieder – dank E-Autos

Europas Automarkt wächst wieder – dank E-Autos

Daniel Krenzer  —  

Die Elektromobilität sorgt für Wachstum auf Europas Automarkt. E-Autos erreichen 19,7 Prozent Marktanteil und lassen Verbrenner weiter zurückfallen.

Gebrauchte E-Autos: Ein reifer Markt mit guten Perspektiven

Gebrauchte E-Autos: Ein reifer Markt mit guten Perspektiven

Michael Neißendorfer  —  

Was vor wenigen Jahren noch eine Nische war, entwickelt sich zunehmend zu einem etablierten Marktsegment, so eine aktuelle Fraunhofer-Analyse.

Q1 2026 im Hersteller-Check: China gewinnt an Boden

Q1 2026 im Hersteller-Check: China gewinnt an Boden

Sebastian Henßler  —  

Leapmotor steigert seine Zulassungen in Europa um 683 Prozent und wird im März zur volumenstärksten Elektromarke innerhalb des Stellantis-Konzerns.

Werkstätten unter Druck: E-Autos schmälern Serviceerträge

Werkstätten unter Druck: E-Autos schmälern Serviceerträge

Daniel Krenzer  —  

E-Auto-Fahrer lassen deutlich weniger Geld in Werkstätten als Verbrenner-Fahrer – doch das wird für Werkstätten mitunter zum Problem.

Schwedt: Ölkrise zeigt gefährliche fossile Abhängigkeit auf

Schwedt: Ölkrise zeigt gefährliche fossile Abhängigkeit auf

Michael Neißendorfer  —  

Der ACE fordert eine krisenfeste, bezahlbare und unabhängige Mobilität – mit fossilen Treibstoffen sei dies unmöglich.