CO₂-basierte Mautsysteme verändern die Wirtschaftlichkeit im Straßengüterverkehr offenbar deutlich schneller als von vielen erwartet – allerdings nicht überall gleichermaßen. Eine aktuelle Analyse der Logistikplattform Transporeon, über die Logistra berichtet, zeigt vielmehr, dass die unterschiedlichen europäischen Mautsysteme zunehmend darüber entscheiden, wie attraktiv Elektro-Lkw wirtschaftlich bereits heute sind.
Im Zentrum der Analyse steht dabei der Vergleich verschiedener europäischer Länder und ihrer jeweiligen Mautmodelle. Denn während manche Staaten CO₂-intensive Diesel-Lkw inzwischen deutlich stärker belasten und E-Lkw gleichzeitig massiv entlasten, fällt der wirtschaftliche Vorteil elektrischer Nutzfahrzeuge in anderen Ländern noch deutlich geringer aus.
Besonders stark wirkt sich dies laut Transporeon derzeit in Deutschland aus. Hier sorgt die CO₂-basierte Lkw-Maut seit Ende 2023 für erhebliche Zusatzkosten bei Diesel-Fahrzeugen, während batterieelektrische Lastwagen weiterhin von der Maut befreit sind. Dadurch verschiebt sich die Total Cost of Ownership (TCO) im Fernverkehr deutlich zugunsten von E-Lkw.
Durchfahrene Länder spielen große Rolle
In anderen europäischen Ländern fällt dieser Effekt dagegen bislang schwächer aus. Die Analyse macht damit deutlich, dass die Geschwindigkeit der Elektrifizierung im Straßengüterverkehr nicht allein von Fahrzeugpreisen, Batterietechnik oder Ladeinfrastruktur abhängt, sondern zunehmend auch von politischen Rahmenbedingungen und nationalen Mautsystemen.
Gerade für international tätige Speditionen wird das relevant. Denn je nachdem, durch welche Länder Transporte führen, verändert sich die Wirtschaftlichkeit elektrischer Lkw teils erheblich. Staaten mit hohen CO₂-basierten Mautaufschlägen beschleunigen den Umstieg deutlich stärker als Länder mit klassischen oder weniger emissionsabhängigen Systemen.
Dass die Rechnung für viele Unternehmen bereits heute aufgeht, zeigen aktuelle Erfahrungen aus der Praxis. Eine Untersuchung des Öko-Instituts unter 57 Transportunternehmen mit schweren E-Lkw im täglichen Einsatz kommt zu einem bemerkenswert klaren Ergebnis: 93 Prozent der befragten Unternehmen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihren elektrischen Lastwagen. Als zentrale Vorteile nennen die Unternehmen neben niedrigeren Energie- und Wartungskosten ausdrücklich auch die Mautbefreiung. Gerade im Fernverkehr könne diese bereits heute einen erheblichen wirtschaftlichen Unterschied machen. Hinzu kommen laut der Studie eine hohe technische Zuverlässigkeit und positive Rückmeldungen der Fahrerinnen und Fahrer.
Ladeinfrastruktur bleibt entscheidend
Gleichzeitig bleibt die öffentliche Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge ein entscheidender Faktor. Johannes Pallasch, Leiter der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur, hatte erklärt, dass insbesondere ein dichteres Schnellladenetz entlang der Hauptverkehrsachsen nötig sei, damit Speditionen europaweit verlässlich elektrisch fahren können. Wettbewerb beim Laden werde künftig zudem entscheidend für sinkende Betriebskosten sein. Durch mittlerweile teils sehr hohe elektrische Reichweiten kann aber bei geschickter Planung und der Nutzung von Ladeinfrastruktur an eigenen Betriebsstandorten sowie bei Partnern der Anteil am notwendigen öffentlichen und meist auch kostspieligerem Laden gering gehalten werden.
Die Transporeon-Analyse zeigt indes vor allem eines: Nicht jedes europäische Land setzt derzeit dieselben wirtschaftlichen Anreize für klimafreundlichen Güterverkehr. Während CO₂-basierte Mautsysteme den Wechsel zum E-Lkw massiv beschleunigen können, bleibt der finanzielle Druck zum Umstieg andernorts deutlich geringer. Für die Logistikbranche wird die europäische Mautlandschaft damit zunehmend zu einem strategischen Wettbewerbsfaktor. Und vor allem in Deutschland fällt die TCO-Rechnung inzwischen für sehr viele Flottenbetreiber deutlich zugunsten von Elektro-Lkw aus.
Quelle: Logistra – Transporeon-Analyse E-Mobilität: CO2-Maut verändert Wirtschaftlichkeit im Straßengüterverkehr









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