Green NCAP hat sieben der meistverkauften Neuwagen in Europa auf ihre tatsächliche Umweltbilanz geprüft – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Die Ergebnisse zeigen, wie weit auseinander Marketingversprechen und gemessene Realität liegen können.
Hersteller bewerben ihre Modelle regelmäßig mit Begriffen wie „emissionsfrei“ oder verweisen auf günstige Verbrauchswerte im Normzyklus. Green NCAP setzt dem eine umfassendere Methodik entgegen: Die sogenannte Lebenszyklusanalyse (Life Cycle Assessment, kurz LCA) erfasst nicht nur den Ausstoß während der Fahrt, sondern auch Produktion, Batterieherstellung, Energiequellen und Entsorgung. Nur so, so die Organisation, lasse sich der tatsächliche ökologische Fußabdruck eines Autos zuverlässig bestimmen.
Unter den aktuell untersuchten Modellen stechen drei E-Autos mit Bestwertungen hervor. Den höchsten Gesamtscore erzielte der Jeep Avenger Electric mit 96 Prozent und fünf Sternen – er basiert auf der Stellantis-eCMP2-Plattform und teilt seine technischen Grundlagen mit dem Fiat 600e. Im milden Alltagsbetrieb liegt sein Verbrauch laut Green NCAP bei 16,4 kWh pro 100 Kilometer. Bei minus sieben Grad Celsius steigt dieser Wert im Kältetest auf 24,8 kWh – was die Reichweite auf gemischten Strecken im Winter spürbar verringern kann.
Kleines Gewicht, großer Unterschied
Knapp dahinter rangiert der Mini Cooper E mit 95 Prozent. Das Modell wiegt 1561 Kilogramm und verfügt über eine nutzbare Batteriekapazität von 36,6 kWh. Green NCAP wertet insbesondere das effektive Rekuperationssystem positiv, das den Bremsenverschleiß und damit auch Feinstaubemissionen abseits des Auspuffs deutlich senkt. Die Lebenszyklusemissionen beziffert die Organisation auf 117 Gramm CO₂-Äquivalent pro Kilometer.
Den dritten Platz unter den elektrischen Modellen belegt der Renault 5 E-Tech mit 94 Prozent. Sein geringes Leergewicht von 1453 Kilogramm, so Green NCAP, wirke sich positiv auf die Effizienz aus – auch bereits in der Produktionsphase.
Deutlich schwächer schneidet der BMW 5er ab. Das Modell 520i, ein Mildhybrid mit Benzinmotor und einem Leergewicht von 1805 Kilogramm, erhielt lediglich 2,5 Sterne und 46 Prozent. Beim Treibhausgas-Index kommt das Fahrzeug nur auf 2,7 von 10 Punkten. Green NCAP zufolge fehlt dem Modell die Energierückgewinnung, die für eine wettbewerbsfähige Nachhaltigkeitsbilanz gegenüber stärker elektrifizierten Konkurrenten notwendig wäre.
Verbrenner mit respektablen, aber begrenzten Werten
Zwischen den Extremen ordnen sich drei weitere Modelle ein. Der Volkswagen Passat 1.5 eTSI erreicht drei Sterne mit 52 Prozent. Im Clean-Air-Index kommt er auf 6,8 von 10 Punkten, beim Treibhausgas-Index auf 3,4 – der CO₂-Ausstoß des Benziners zieht die Gesamtnote nach unten. Auch der Citroën C3 Hybrid schneidet mit 3,5 Sternen und 62 Prozent besser ab als konventionelle Kleinwagen, bietet gegenüber reinen Verbrennern im Mildhybrid-Segment aber nur einen begrenzten ökologischen Vorteil. Der Dacia Sandero (TCe 100, Benziner) erzielt drei Sterne und 59 Prozent – Green NCAP hebt das geringe Fahrzeuggewicht und die unkomplizierte Konstruktion als positive Faktoren hervor.
Dr. Aleksandar Damyanov, technischer Leiter von Green NCAP, betonte, dass Faktoren wie Batteriegröße, Fahrzeuggewicht und die Nachhaltigkeit der Energieversorgung die Gesamtbilanz eines Autos maßgeblich bestimmten.
Quelle: Green NCAP – Pressemitteilung









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