Ford stattet E-Transit mit Allradantrieb und mehr Reichweite aus

Ford stattet E-Transit mit Allradantrieb und mehr Reichweite aus
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Das Elektromodell des Ford Transit bietet jetzt eine neue Allradoption für Unternehmen, die emissionsfrei fahren wollen und zuverlässige Leistung zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter und auf anspruchsvollem Untergrund benötigen. Das E-Transit Custom AWD genannte Modell integriert eine motorisierte Vorderachse zusätzlich zum bestehenden Heckmotor und verteilt bis zu 630 Nm Drehmoment intelligent auf alle vier Räder. Dies sorgt nicht nur für optimale Bodenhaftung, sondern erhöht auch die Energierückgewinnung durch regeneratives Bremsen, so Ford in einer aktuellen Mitteilung.

Die neue Kombination aus emissionsfreiem Fahren und sicherer Traktion dürfte vor allem in Skandinavien und den Alpenregionen Anklang finden und ist auch für Hersteller von Reisemobilen interessant, die nach einem geeigneten elektrischen Van als Basisfahrzeug suchen. Der neueste E-Transit Custom ist bereits bestellbar und kommt im Frühjahr zu den Ford Pro Händlern.

Das neue Allradantriebssystem des E-Transit Custom wurde speziell für die elektrische Plattform entwickelt. Die Ingenieure haben die Vorderachse mit einer leistungsstarken elektrischen Antriebseinheit ausgestattet, die mit dem Heckmotor zusammenarbeitet, um das Drehmoment präzise auf die einzelnen Räder zu verteilen und so auf das Verhalten des Fahrers und die verfügbare Bodenhaftung zu reagieren.

Im Gegensatz zu einem mechanischen Allradantriebssystem, bei dem Vorder- und Hinterachse miteinander verbunden sind, arbeiten die beiden elektrischen Antriebseinheiten des E-Transit Custom AWD völlig unabhängig voneinander. Jede Einheit kann die volle Leistung des Fahrzeugs bereitstellen, um trotz unterschiedlicher Griffigkeit die Kontrolle und Leistung aufrechtzuerhalten. Der Radschlupf wird bis zu 50 Mal pro Sekunde überwacht, sodass das Drehmoment in Echtzeit angepasst werden kann, um Stabilität und Kontrolle zu gewährleisten.

Das Allradsystem arbeitet zudem mit den Fahrerassistenzsystemen des E-Transit Custom zusammen und kann auch reagieren, wenn sich die Bodenhaftung von links nach rechts oder von vorne nach hinten ändert. Computer überwachen die Lenkbewegungen des Fahrers sowie die Bodenhaftung und steuern dann je nach Bedarf Drehmoment und Bremskraft für jedes Rad. Dies hilft beim Anfahren aus dem Stand, wenn eine Seite des Transporters in Schlamm oder Schnee steht, und beim Fahren auf losem Untergrund oder auf nasser Fahrbahn.

Effizienzvorteile im Stop and Go

Die Möglichkeit, das Drehmoment vollständig zwischen den Vorder- und Hinterrädern aufzuteilen, ist zudem eine effektive Methode, um Über- oder Untersteuern zu verringern. So verbessert das System die Kurvenstabilität des E-Transit Custom AWD.

Die Verwendung einer Doppelmotor-Konfiguration bringt auch Effizienzvorteile bei der Rekuperation mit sich. Bei langsamer Fahrt mit häufigem Anhalten und Anfahren, wie sie für städtische Lieferrouten typisch ist, kann der E-Transit Custom AWD bis zu 50 Prozent mehr regenerative Bremskraft als das Standardmodell zurückgewinnen, um die Reichweite zu optimieren.

Das neue AWD-System wurde auf dem Ford-Testgelände in Lommel (Belgien) unter schwierigen Bedingungen und auf unterschiedlichen Untergründen getestet: von glattem Asphalt bis zu losem Schotter. Außerdem wurde es im Klimatestzentrum des Kölner Ford-Werks extremen Temperaturen ausgesetzt und in Finnland, Schweden und den italienischen Alpen unter realen Extrembedingungen getestet. Diese intensive Arbeit umfasste auch Tests zur Feinabstimmung der Leistung der E-Transit Custom AWD-Fahrmodi, darunter der Glatt/Rutschig (Slippery Mode) und der Offroad Modus (Trail Mode).

Der Slippery Mode verringert das Durchdrehen der Räder auf vereisten, schlammigen und nassen Oberflächen auf ein absolutes Minimum, und soll so für Kontrolle sorgen und das Vertrauen und die Sicherheit des Fahrers erhöhen. Der Trail-Modus wurde für lose Untergründe entwickelt – wie Schotter oder sandbedeckten Asphalt –, indem er mehr Radschlupf zulässt. Dieser „kontrollierte Schlupf“ trägt zu einem besser vorhersehbaren und stabileren Fahrverhalten auf sehr losem Untergrund bei – eine Strategie, die auf der langen Erfahrung von Ford mit Offroad-Nutzfahrzeugen wie Pick-ups und robusten Varianten des Transit basiert.

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Mit Leistungsoptionen von 100 kW (136 PS), 160 kW (218 PS) oder 210 kW (285 PS) ist das Allradantriebssystem für mehrere Modell- und Karosserievarianten erhältlich, als Kastenwagen, Kombi, Doppelkabine und MultiCab. In seiner leistungsstärksten Ausführung liefert das System ein Gesamtdrehmoment von bis zu 630 Nm aus dem Stand, ermöglicht so eine Nutzlast von bis zu 914 kg und zieht gebremste Anhänger mit einem Gewicht von bis zu 2300 kg.

Höhere Reichweite, schnelleres Laden

Neben der Einführung des neuen Allradantriebs erhöht Ford Pro auch die Batteriekapazität für alle E-Transit Custom-Modelle. Die nutzbare Kapazität beträgt nun 70 kWh statt bisher 64 kWh: Dadurch wird die maximale elektrische Reichweite auf 373 km – mehr als 10 Prozent mehr im Vergleich zum vorherigen Modelljahr – oder bis zu 342 km mit Allradantrieb erhöht.

Trotz der größeren Akkukapazität lassen sich die neuesten E-Transit Custom-Modelle dank überarbeiteter Software schneller als zuvor aufladen. Eine Schnellladung mit einem 125-kW-Gleichstrom-Schnellladegerät kann in zehn Minuten eine Reichweite von mehr als 100 Kilometern hinzufügen. Bei längeren Fahrten kann eine Ladung von 10 bis 80 Prozent in weniger als einer halben Stunde durchgeführt werden.

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Dank der Konnektivität des E-Transit Custom können auch bestehende Betreiber von Verbesserungen beim Ladevorgang profitieren. Wenn ein Kunde das integrierte 5G-Modem in seinem E-Transit Custom aktiviert hat, können Over-the-Air-Software-Updates die Ladeleistung verbessern, sodass eine 10-bis-80-prozentige Aufladung bei 125 kW etwa 25 Minuten dauert – rund 14 Minuten schneller als zuvor. Mit aktiviertem Modem profitieren Kunden außerdem von den proaktiven Wartungswarnungen des FordLiive-Systems, die die Betriebszeit der Fahrzeuge verlängern, sowie von einer Reihe von Lade- und Telematik-Lösungen, die dazu beitragen, die Kosten und den Verwaltungsaufwand für Betreiber von Nutzfahrzeugflotten zu senken.

Die gleichen Batterie-, Lade- und Allradantriebsfunktionen sind auch für die Van-Variante E-Tourneo Custom verfügbar und erweitern damit den Nutzwert für Kunden, die Arbeit, Familie und Abenteuer unter einen Hut bringen möchten.

Quelle: Ford – Pressemitteilung vom 24.02.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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