Der US-amerikanische Automobilhersteller Ford will sich künftig deutlich stärker als Energieunternehmen positionieren. Mit „Ford Energy“ hat der Konzern eine neue Geschäftseinheit vorgestellt, die sich auf große Batteriespeicherlösungen konzentriert und langfristig auch Heimenergiesysteme umfassen soll. Damit reagiert Ford nicht nur auf die wachsende Bedeutung stationärer Energiespeicher, sondern offenbar auch auf die derzeit schwächere Nachfrage nach Elektroautos in den USA.
Wie Ford mitteilt, soll Ford Energy „in den USA montierte Batterie-Energiespeichersysteme für Energieversorger, Rechenzentren sowie große Industrie- und Gewerbekunden“ liefern. Der Konzern plant, künftig mindestens 20 Gigawattstunden Speicherkapazität pro Jahr bereitzustellen. Erste Auslieferungen sollen Ende 2027 starten.
Ford-Vizechef John Lawler beschreibt die neue Sparte als wichtigen strategischen Schritt. Lisa Drake, die zur Präsidentin von Ford Energy ernannt wurde, erklärte laut Pressemitteilung: „Ford Energy ermöglicht es uns, den Wert unserer Batterieproduktionskapazitäten zu maximieren.“ Zudem wolle das Unternehmen zunächst „Batterie-Energiespeichersysteme im Versorgermaßstab für Großkunden“ anbieten und perspektivisch auch Batteriezellen für private Energiespeicherlösungen bereitstellen.
Freie Batteriekapazitäten durch E-Auto-Tief
Der Schritt kommt nicht zufällig. Hintergrund ist unter anderem die aktuelle Schwäche des US-Elektroautomarkts. Zuletzt sind die Elektroauto-Verkäufe in den USA um 27 Prozent eingebrochen, während Ford allein 2025 milliardenschwere Verluste im Elektroauto-Geschäft verbuchen musste. Überschüssige Batteriekapazitäten sollen deshalb nun stärker für stationäre Energiespeicher genutzt werden.
Damit folgt Ford einem Trend, den insbesondere Tesla bereits früh verfolgt hat. Tesla hat sein Energiegeschäft in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut und nach eigenen Angaben zuletzt rund 45 Gigawattstunden Batteriespeicher binnen zwölf Monaten installiert. Solche Systeme gelten als zentraler Baustein für den Ausbau erneuerbarer Energien, da sie Solar- und Windstrom zwischenspeichern können.
Ford plant offenbar, dafür bestehende Werke umzunutzen. So soll das BlueOval-SK-Werk im US-Bundesstaat Kentucky künftig Batteriespeichersysteme mit mehr als fünf Megawattstunden Kapazität produzieren. Dort sollen unter anderem Lithium-Eisenphosphat-Zellen, Speichermodule und containerbasierte Großspeicher entstehen.
Bidi-Laden als neue Marktchance
Interessant ist dabei auch die strategische Neuausrichtung des Konzerns. Während Ford in den vergangenen Jahren stark auf große Elektroautos wie den F-150 Lightning gesetzt hatte, wird inzwischen verstärkt auf günstigere Elektroautos und zusätzliche Geschäftsfelder geschaut. Gleichzeitig arbeitet der Automobilhersteller weiter an neuen Elektroplattformen, die bidirektionales Laden unterstützen sollen. Künftige Elektroautos könnten damit nicht nur fahren, sondern auch Häuser mit Strom versorgen oder Energie ins Netz zurückspeisen.
Genau darin steckt enormes Potenzial. Elektroautos könnten künftig eine wichtige Rolle bei der Stabilisierung der Stromnetze übernehmen – insbesondere dann, wenn der Anteil erneuerbarer Energien weiter steigt und flexible Speicher immer wichtiger werden. Für Automobilhersteller wie Ford eröffnet sich damit möglicherweise ein zusätzliches milliardenschweres Geschäftsfeld jenseits des klassischen Fahrzeugverkaufs, wenn sie die dafür notwendigen Energielösungen selbst vertreiben – so wie beispielsweise Volkswagen mit seiner Tochter Moon Power.
Quelle: Ford – Pressemitteilung vom 11. Mai 2026









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