Ford-Chef schwört Mitarbeiter auf harte Konkurrenz-Situation ein

Ford-Chef schwört Mitarbeiter auf harte Konkurrenz-Situation ein
Copyright:

Ford

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ford-CEO Jim Farley hat Ende Oktober während eines internen Treffens mit Mitarbeitern einem Medienbericht zufolge einen ernsten Ton angeschlagen, während er den harten Wettbewerb der Automobilhersteller diskutierte, gerade im Hinblick auf den Wandel zur Elektromobilität. Dem US-Blatt Detroit Free Press skizzierte er ausführlich, wer von einer Position der Stärke aus tätig ist, was andere Hersteller richtig machen und was Ford ändern muss, um nicht nur konkurrieren, sondern auch die Finanzen des Unternehmens stärken und den Marktwert verbessern zu können.

Farley machte einige Vergleiche zwischen Ford und anderen Herstellern wie Tesla, Rivian und Volkswagen, welche bei Elektroautos schon einen großen Schritt weiter sind als der Traditionshersteller aus Detroit. Farley, seit etwas mehr als einem Jahr neuer Ford-CEO, sagte, dass die kommenden fünf Jahre entscheidend seien, ob ein Hersteller die Transformation überlebt oder nicht.

Vor allem am Branchenprimus Tesla müsse Ford sich abarbeiten. Tesla habe umfassende Ressourcen, kluge Mitarbeiter, und mit dem Model 3 das meistverkaufte Fahrzeug in Europa, in Großbritannien sowie in Kalifornien, und zwar nicht nur rein elektrisch betrachtet, sondern über alle Antriebsarten hinweg. „Wenn wir erfolgreich sein wollen, können wir diesen Wettbewerb nicht mehr ignorieren“, sagte Farley den gut 20.000 an dem Videocall teilnehmenden Mitarbeitern.

Farley verwies darauf, was Tesla seiner Meinung nach alles richtig macht, zum Beispiel den Direktverkauf und die Einfachheit des Bestellvorgangs: „Drei, vier Klicks konfigurieren das Fahrzeug. Zudem gibt es einfache und nicht verhandelbare Preise“. Auch in Sachen Fahrzeugtechnologie sei Tesla der Benchmark: „Niemand macht es besser. Tesla-Kunden zahlen weniger für eine bessere Batterie“. Im Hintergrund unterscheide sich Tesla ebenfalls massiv von klassischen Autoherstellern: Tesla kann aufgrund der geringen Komplexität seiner Produkte und Prozesse schnell skalieren und die Kosten senken.

Farley forderte die Ford-Mitarbeiter auf, ebenfalls anders zu denken, kreativ zu sein und nach Möglichkeiten zu suchen, den Hersteller effizienter, wendiger und kostengünstiger zu machen. Und er stellte klar, dass Selbstgefälligkeit in der aktuellen Situation nicht gerne gesehen ist. Farley und sein Führungsteam wiederholten immer wieder, dass es jetzt an der Zeit sei, das Unternehmen neu zu positionieren.

Direkt hinter Tesla stellte Farley Volkswagen als weltweit zweitgrößten Hersteller von Elektroautos ins Rampenlicht. Ford mache zwar langsam Fortschritte, um aufzuholen und den Anschluss nicht zu verlieren, habe aber noch viel zu tun. Weil die Konkurrenz nicht schläft: „Unsere Konkurrenten sind in diesem Bereich unglaublich, so etwas haben wir noch nie gesehen.

Auch auf die Rolle von Rivian verwies Farley. Ford ist zwar an dem E-Auto-Start-up beteiligt. Trotzdem sei Rivian auch ein Konkurrent. Der in genau dem Bereich wildert, in dem Ford in seinem Heimatland traditionell stark vertreten ist: Bei Pick-ups, SUV und Transportern. Allesamt Fahrzeuge, bei denen man vollelektrische Varianten bei Ford bislang noch vermisste. Das ändert sich zwar langsam. Geht Farley allerdings nicht schnell genug.

Quelle: Detroit Free Press – Ford CEO gives employees sobering data about Tesla, challenges ahead

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Schwellenländer ziehen an, USA fallen zurück: 2026 fährt jeder vierte Neuwagen elektrisch

Tobias Stahl  —  

Laut BloombergNEF fährt 2026 bereits jeder vierte Neuwagen elektrisch. Bis 2035 soll der Anteil auf über 50 Prozent steigen – doch einzelne Länder könnten zurückfallen.

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Automechanika Frankfurt: Aftermarket im Aufbruch

Sebastian Henßler  —  

Die Automechanika Frankfurt öffnet im September ihre Tore. 4500 Aussteller, neue KI-Formate und ein Rekord bei den Innovation Awards erwarten die Branche.

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Eine VDA-Umfrage unter 116 Unternehmen zeigt, dass sich die Geschäftslage im automobilen Mittelstand deutlich verschlechtert hat.

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

Sebastian Henßler  —  

Chinesische Autobauer sichern sich Produktionsstandorte in Europa, bevor ein neues EU-Gesetz Direktinvestitionen aus China erschwert.

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

Sebastian Henßler  —  

Nicht Zeitpläne, sondern technische Durchbrüche entscheiden über die Zukunft der Festkörperbatterie. CATL-Chef Zeng erklärt, wo die Technologie heute steht.

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Sebastian Henßler  —  

Harald Schlarb war 36 Jahre bei Mercedes, baute die Tesla-Gigafactory mit auf – und erklärt, warum deutsche Firmen das Risiko wieder lernen müssen.