Förderung von Wasserstofftankstellen: Antragsfrist wird verlängert

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Daniel Krenzer
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Das Bundesverkehrsministerium (BMV) hat seinen „Aufruf zur Antragseinreichung für die Förderung von Wasserstofftankstellen im Straßenverkehr in Verbindung mit Nutzfahrzeugen mit wasserstoffbasierten Antrieben“ aktualisiert und dabei die Frist für die Antragstellung auf den 30. Juni dieses Jahres verlängert. Begründet wird dies mit dem „großen Interesse am Förderaufruf“.

Was im ersten Moment widersprüchlich klingen mag, erklärt das BMV wie folgt: Das große Interesse spiegele sich „in einer hohen Nachfrage nach Informationsangeboten sowie zahlreichen Veranstaltungen und Fachterminen in der gesamten Republik“ wider. Gleichzeitig seien die Anforderungen an die Investitionsentscheidungen der Konsortien im derzeitigen Marktumfeld sehr anspruchsvoll. „Um dem zu begegnen, soll der Branche etwas mehr Zeit eingeräumt werden“, schreibt das Ministerium.

Zudem zeige sich ein erheblicher Informationsbedarf bei potenziellen Antragstellern, insbesondere in Bezug auf die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und die aktuelle Angebotspalette, den Ausbau und Betrieb der Tankinfrastruktur sowie die Entwicklung der Wasserstoffpreise. Sprich: Die Skepsis in der Branche ist offenbar groß, dass bei einer Entscheidung für eine Wasserstofftankstelle trotz aller Bemühungen des Ministeriums am Ende viel Geld verbrannt werden könnte. In einem Webinar sollten zuletzt Fragen von potentiellen Antragstellern beantwortet werden. Bezuschusst werden können bis zu 50 Prozent der förderfähigen Kosten bis zu vier Millionen Euro.

Förderaufruf zum Geldverbrennen?

Mit dem Förderaufruf soll maßgeblich dazu beigetragen werden, dass ein Initialnetz zur Betankung mit Wasserstoff für schwere Nutzfahrzeuge in Deutschland entsteht, heißt es in den offiziellen Erläuterungen. Hierbei soll der Fokus der Förderung auf einem Paket aus öffentlich zugänglichen Wasserstofftankstellen und Nutzfahrzeugen mit wasserstoffbasierten Antrieben liegen. So soll eine Grundauslastung der Wasserstofftankstellen durch Fahrzeuge sowie eine Betankungsmöglichkeit Vor-Ort ermöglicht werden.

Die Förderung von Wasserstoff im Straßenverkehr wird von vielen sehr kritisch gesehen. Während bereits in der Vergangenheit hohe Summen in den Aufbau eines Wasserstofftankstellennetzes geflossen sind, bleibt die tatsächliche Auslastung vieler Stationen gering. Das hat strukturelle Gründe: Brennstoffzellenfahrzeuge sind im Pkw-Segment praktisch nicht im Markt angekommen. Die Modellvielfalt ist mit zwei, drei Modellen überschaubar, die Preise hoch, und die Effizienz entlang der gesamten Energiekette ist im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen deutlich schlechter. Und auch bei Lkw sind inzwischen batterieelektrische Lösungen in fast jeder Hinsicht klar im Vorteil.

Gerade der Effizienzvergleich ist zentral. Strom direkt in Batterien zu laden, ist energetisch erheblich sinnvoller, als ihn erst in Wasserstoff umzuwandeln, zu speichern, zu transportieren und anschließend wieder in elektrische Energie zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund wirkt der zumindest gewünschte massive Ausbau von Wasserstofftankstellen wie ein politisch motiviertes Parallelprojekt ohne klare Nachfragebasis.

E-Lkw sind klar im Vorteil

Hinzu kommt die wirtschaftliche Perspektive: Der Betrieb vieler Wasserstofftankstellen ist auf absehbare Zeit nicht rentabel. Ohne dauerhafte Subventionen lassen sich weder Investitionen noch laufende Kosten decken. Das führt zu einem klassischen Lock-in-Effekt: Ist die Infrastruktur einmal aufgebaut, entsteht politischer Druck, sie weiter zu stützen – unabhängig davon, ob sie sich langfristig als sinnvoll erweist.

Besonders problematisch dabei: Jeder Euro, der in Wasserstofftankstellen fließt, fehlt potenziell beim Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos und E-Lkw – also genau dort, wo der Markt längst skaliert, aber jede Unterstützung weiterhin sinnvoll wäre. Während die Zahl batterieelektrischer Fahrzeuge kontinuierlich steigt und die Nachfrage nach Ladepunkten real vorhanden ist, bleibt Wasserstoff im Pkw- und Lkw-Bereich ein Nischenphänomen. Die Prioritätensetzung erscheint damit zumindest fragwürdig.

Das bedeutet nicht, dass Wasserstoff grundsätzlich keine Rolle spielt. In bestimmten Bereichen – etwa im Schwerlastverkehr, in der Industrie oder im Luft- und Schiffsverkehr – kann er sinnvoll sein. Doch die Förderung von Wasserstofftankstellen für Pkw verwässert den Fokus auf jene Sektoren, in denen Wasserstoff tatsächlich gebraucht wird. Statt gezielt dort zu investieren, wo es kaum Alternativen gibt, wird eine Technologie im Massenmarkt künstlich am Leben gehalten, die sich bislang nicht durchsetzen konnte. Und diese berechtigten Zweifel scheinen sich inzwischen herumzusprechen.

Quelle: Bundesministerium für Verkehr – Bekanntmachung der NOW GmbH im April 2026

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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