EU könnte das Dienstwagenprivileg für Verbrenner kippen

EU könnte das Dienstwagenprivileg für Verbrenner kippen
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Daniel Krenzer
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Das sogenannte Dienstwagenprivileg gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Hebel für den deutschen Automarkt. Nun könnte dieses System zum nächsten großen Streitpunkt in der europäischen Verkehrspolitik werden. Laut eines Berichts des Handelsblatts wollen vor allem die Sozialdemokraten im EU-Parlament steuerliche Vorteile für fossil betriebene Firmenwagen ab 2028 weitgehend beenden. Stattdessen sollen Vergünstigungen künftig vor allem Elektroautos vorbehalten sein – teilweise offenbar sogar mit „Made in Europe“-Kriterien.

Für die Elektromobilität hätte ein solcher Schritt enorme Auswirkungen. Denn Dienstwagen sind in Deutschland weit mehr als nur ein Bonus für Angestellte: Sie gelten als zentraler Absatzkanal der Automobilindustrie. Ein großer Teil der Neuzulassungen entfällt auf gewerbliche Flotten, Leasinggesellschaften und Firmenwagen. Veränderungen bei der Besteuerung treffen den Markt deshalb deutlich schneller als klassische Kaufprämien.

Aktuell profitieren Elektroautos bei Dienstwagen bereits massiv von steuerlichen Vorteilen. Reine E-Autos bis 100.000 Euro Bruttolistenpreis werden derzeit nur mit 0,25 Prozent des Listenpreises als geldwerter Vorteil versteuert, während Verbrenner weiterhin unter die klassische 1-Prozent-Regel fallen. Plug-in-Hybride erhalten unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls steuerliche Vergünstigungen.

Genau diese Differenz könnte künftig noch deutlich größer werden. Sollte die EU tatsächlich steuerliche Vorteile für Verbrenner-Dienstwagen faktisch abschaffen, würde sich der wirtschaftliche Vorteil von Elektroautos im Flottengeschäft nochmals massiv erhöhen. Für viele Unternehmen dürfte sich die Frage „Verbrenner oder Elektroauto?“ dann weniger ideologisch als schlicht betriebswirtschaftlich zugunsten des E-Autos beantworten.

Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos würde profitieren

Das hätte gleich mehrere Folgen. Zum einen könnten sich Elektroautos im gewerblichen Bereich deutlich schneller durchsetzen. Gerade Vielfahrer und Außendienstmitarbeiter, die heute noch häufig Dieselmodelle nutzen, würden zunehmend elektrifiziert. Zum anderen würde auch der Gebrauchtwagenmarkt profitieren. Viele junge Gebrauchtwagen stammen aus Leasing- und Firmenflotten. Mehr elektrische Dienstwagen bedeuten deshalb mittelfristig auch mehr bezahlbare gebrauchte Elektroautos.

Gleichzeitig dürfte der politische Konflikt weiter eskalieren. Bereits heute wird in Brüssel und Berlin intensiv über eine mögliche Aufweichung des sogenannten Verbrenner-Aus gestritten. Konservative Kräfte und Teile der Automobilbranche fordern mehr Spielräume für Verbrenner, Plug-in-Hybride oder E-Fuels. Parallel dazu wächst jedoch der Druck, zumindest Firmenflotten deutlich schneller zu elektrifizieren.

Für deutsche Automobilhersteller wäre die Entwicklung ambivalent. Einerseits würden Elektroautos im wichtigen Flottenmarkt deutlich attraktiver. Andererseits könnten insbesondere Premiumhersteller Probleme bekommen, falls tatsächlich „Made in Europe“-Vorgaben kommen sollten oder Verbrenner-Flotten steuerlich massiv benachteiligt würden. Hersteller mit einer schwachen Elektrostrategie könnten dadurch zusätzlich unter Druck geraten. Klar ist jedoch: Schon heute gelten steuerliche Vorteile für E-Dienstwagen als einer der wichtigsten Wachstumstreiber der Elektromobilität. Eine weitere Verschärfung zugunsten elektrischer Antriebe könnte den Markt deshalb stärker verändern als manche Kaufprämie.

Quelle: Handelsblatt – EU-Parlamentarier greifen deutsches Dienstwagenprivileg an

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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