DAT: Gebrauchtwagenmarkt wird zur E-Auto-Brücke

DAT: Gebrauchtwagenmarkt wird zur E-Auto-Brücke
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Die Elektromobilität gewinnt in Deutschland Schritt für Schritt an Boden – doch der breite Durchbruch im Privatkundensegment lässt weiter auf sich warten. Hohe Anschaffungspreise, Fragen zur Ladeinfrastruktur und Unsicherheit beim Wiederverkaufswert bremsen viele potenzielle Käufer:innen. Martin Endlein und Martin Weiss von der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT), einem der führenden Dienstleister für Fahrzeugbewertung und Marktanalyse in Deutschland, haben im Automotive to Gateway-Expertengespräch analysiert, was den Umstieg auf das E-Auto für viele noch erschwert und warum der Gebrauchtwagenmarkt dabei eine wachsende Rolle spielt.

Trotz gestiegener Benzinpreise beobachten die beiden Experten bislang keine unmittelbare Kaufwelle bei Elektroautos. „Ein Autokauf ist keine spontane Entscheidung, sondern eine gut überlegte Investition“, so Endlein. Hinzu komme der deutlich höhere Beratungsbedarf beim E-Auto im Vergleich zum Verbrenner – rund um Laden, Reichweite und Kosten. Weiss ergänzt, dass viele Menschen sich zudem fragen, ob sie mit einem E-Auto wirklich vor künftigen Preisschocks geschützt seien: Öl, Gas und Strom hingen teilweise zusammen, was die Kalkulation erschwere.

Was den Umstieg aus Sicht der DAT-Experten bremst

Neben den bekannten Punkten Reichweite, Anschaffungspreis und Ladeinfrastruktur ist laut Endlein ein weiterer Faktor besonders stark in den Vordergrund gerückt: die Möglichkeit, zu Hause zu laden. Für viele Menschen komme ein E-Auto nur infrage, wenn ein eigener Stellplatz oder Ladepunkt vorhanden sei. „Wer zur Miete wohnt oder keinen festen Stellplatz hat, erlebt das Laden oft als umständlich“, so Endlein. Auf dem Land mit Eigenheim und Photovoltaik-Anlage sei die Ausgangslage eine grundlegend andere als in der Stadt. Weiss verweist zusätzlich auf die im europäischen Vergleich hohen deutschen Strompreise, die das Laden nur dann attraktiv machten, wenn es bezahlbar und kalkulierbar bleibe.

Einen weiteren Hemmfaktor sieht Endlein in der Unsicherheit beim Wiederverkaufswert. Die meisten Autofahrer:innen hätten ein Leben lang Erfahrung mit Verbrennern gesammelt und wüssten in etwa, was ihr Gebrauchtwagen noch wert sei. „Beim E-Auto fehlt diese Erfahrung fast vollständig“, sagt er. Dazu komme die Sorge vor teuren Reparaturen und die generell schnelle technische Entwicklung der Fahrzeuge: Reichweite, Ladegeschwindigkeit und Effizienz verbessern sich rasch, wodurch ältere Modelle schneller veraltet wirkten – mit entsprechenden Folgen für die Gebrauchtwagenpreise.

Gebrauchtmarkt als wachsende Brücke

Genau hier liegt nach Einschätzung der DAT-Experten aber auch eine Chance. Die Fahrzeuge, die derzeit nach drei Jahren aus dem Leasing zurückkommen, seien deutlich attraktiver als die erste E-Auto-Generation: mehr Reichweite, bessere Ladeleistung, größere Modellvielfalt. „Deshalb sehen wir bei gebrauchten E-Autos einen dynamischeren Markt als bei neuen Elektroautos im Privatkundensegment“, sagt Endlein. Weiss ergänzt, dass gebrauchte E-Autos trotz ursprünglich höherer Listenpreise inzwischen häufig auf einem ähnlichen Preisniveau wie vergleichbare Verbrenner liegen oder sogar darunter. Der starke Wertverlust im ersten Zyklus mache sie als Gebrauchte preislich interessant.

Ein zentrales Hindernis bleibt allerdings die Batterie. Viele Anbieter könnten zwar inzwischen den Batteriezustand messen, aber dieser „State of Health“ sage noch nicht direkt etwas darüber aus, wie sich das in Euro auf den Fahrzeugwert auswirke, erklärt Weiss. Dazu komme das Fehlen einheitlicher Normen für diese Messungen – je nach Anbieter und Verfahren könnten unterschiedliche Ergebnisse entstehen. Endlein sieht in einem belastbaren Batteriezertifikat dennoch ein wichtiges Instrument, um Transparenz zu schaffen und Vertrauen aufzubauen.

Eigene Erfahrungen als entscheidender Faktor

Was den Markt letztlich voranbringen würde, liegt für beide Experten auf der Hand: mehr Einfachheit und mehr Erfahrung. Weiss kritisiert den „Ladestromtarif-Dschungel“ mit unterschiedlichen Preisen, Apps, Abos und Anbietern als unnötige Hürde. Endlein plädiert für mehr niederschwellige Probefahrtangebote, idealerweise über mehrere Tage: „Wer einmal selbst E-Auto gefahren ist, bewertet vieles positiver.“ Handel und Hersteller sollten hier enger zusammenarbeiten.

Auch das Thema Werkstatt spiele eine Rolle. Endlein räumt mit einem verbreiteten Missverständnis auf: Ein E-Auto müsse keineswegs kaum in die Werkstatt. Sicherheitsrelevante Komponenten, Bremsen und Fahrwerk müssten weiterhin regelmäßig geprüft werden. Weiss weist darauf hin, dass die Wartung wegen der Hochvolt-Qualifikation der Fachkräfte teilweise sogar teurer sein könne als beim Verbrenner. Viele Werkstätten seien technisch gut vorbereitet – doch das Wissen darüber fehle bei vielen Kunden noch.

Entscheidend ist laut Endlein letztlich, dass Verbraucher:innen verlässlicher einschätzen können, was sie kaufen, was das Fahrzeug künftig wert ist und wie gut es in den eigenen Alltag passt. „Preisgünstige gebrauchte E-Autos gibt es bereits“, so Endlein. Was fehle, sei das Vertrauen in die Einschätzung – und das werde Zeit brauchen.

Quelle: Gateway to Automotive – „Kein Run, aber Wachstum“

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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