Eon Studie: Flexibles Laden senkt Netzlast und spart Kosten

Eon Studie: Flexibles Laden senkt Netzlast und spart Kosten
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Sebastian Henßler
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Eine neue Analyse von Eon untersucht, wie stark Privathaushalte mit Solaranlage, Speicher, Elektroauto und Wärmepumpe das Stromnetz entlasten können, wenn ihre Geräte im Hintergrund intelligent gesteuert werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Wirkung eine solche automatische Optimierung entfalten kann, ohne dass sich das Alltagsverhalten der Bewohner:innen ändert. Die Berechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass durch flexible Nutzung von Solarstrom, das geschickte Laden von Speichern und das zeitversetzte Beladen von Autos mehr als drei Terawattstunden Netzlast pro Jahr vermieden werden könnten. Nach Angaben des Energieunternehmens entspricht diese Strommenge der Versorgung von fast 1,4 Millionen Haushalten für zwölf Monate.

Im Kern der Untersuchung steht die Idee, den Verbrauch von Technologien wie Batteriespeichern, Wärmepumpen und E-Autos so zu verschieben, dass sie dann Strom beziehen oder speichern, wenn es dem Netz hilft. Dieser Ansatz soll ohne aktive Eingriffe der Haushalte funktionieren. Martin Endress, Chief Commercial Officer von Eon Deutschland, betont, dass intelligente Systeme den Verbrauch automatisiert anpassen können, „ohne Komforteinbuße für die Hausbesitzerinnen und -besitzer“. Laut ihm steckt in dieser Flexibilität ein bislang wenig genutztes Potenzial für Stromnetz und Energiewende.

Eon hat parallel ein Angebot entwickelt, das diese Mechanismen praktisch umsetzt. Unter dem Namen Home Comfort können Kundinnen und Kunden mit kompatibler Technik eine flexible Steuerung zu einem Festpreistarif hinzubuchen. Endress erklärt, ein Drei-Personen-Haushalt könne damit jährlich bis zu 780 Euro sparen, weil sich die smart gesteuerten Komponenten so einsetzen lassen, dass Boni für flexible Nutzung anfallen. Die Ersparnis fällt nach Unternehmensangaben zusätzlich zu stabilen Arbeitspreisen an und erfordert keine regelmäßige Beobachtung der Börsenstrompreise.

Energiemanagementsysteme sparen bares Geld. Bei korrekter Nutzung

Die Studie beschreibt zwei Wege, wie Haushalte ihre Flexibilität nutzen können. Beim Festpreistarif mit Bonus bleibt der Preis pro Kilowattstunde konstant, während der Energieversorger die Steuerung übernimmt und dafür Prämien auszahlt. Alternativ können dynamische Tarife gewählt werden, die viertelstündlich dem Börsengeschehen folgen. Wer sich an diesen Preisschwankungen orientiert, kann ebenfalls Kosten senken, trägt aber auch direkte Preisausschläge nach oben mit. Beide Modelle basieren auf demselben Prinzip: Ein Energiemanagementsystem entscheidet, wann Speicher, Wärmepumpe oder Auto Strom aufnehmen.

Zur Analyse der möglichen Netzentlastung erstellte Eon digitale Zwillinge typischer Haushalte und simulierte deren Verhalten. Besonders relevant sind zwei Tageszeiten: Mittags, wenn viel Solarstrom erzeugt wird, und abends, wenn der Verbrauch steigt. Zwischen 11 und 15 Uhr könnten Haushalte ihre Einspeisung laut Studie um über 1,9 Terawattstunden im Jahr optimieren, indem überschüssiger Solarstrom zunächst im eigenen System verbleibt. Abends zwischen 17 und 21 Uhr ließen sich mehr als 1,5 Terawattstunden Netzverbrauch vermeiden, weil zuvor gespeicherte Energie genutzt wird und Autos sowie Wärmepumpen verstärkt außerhalb dieser Zeit laden. Zusammen ergibt sich ein Potenzial von rund 3,4 Terawattstunden pro Jahr, das Netzspitzen glätten könnte.

Die Berechnungen zeigen zudem, wie sich intelligente Steuerung auf die Kosten privater Haushalte auswirken kann. Ein Musterbeispiel ist ein Einfamilienhaus mit drei Personen, das alle betrachteten Technologien nutzt. Der Wechsel von einem ungesteuerten Festpreismodell hin zu einer Variante mit automatisierter Steuerung und Bonuszahlungen kann nach den Eon Daten bis zu 780 Euro Ersparnis bringen. Bei dynamischen Tarifen variiert der finanzielle Vorteil je nach Börsenpreis und liegt für das betrachtete Jahr bei maximal 620 Euro. Endress hebt hervor, dass die Nutzer:innen dafür keine Abläufe im Alltag anpassen müssen und dennoch zur Netzentlastung beitragen.

Für die Hochrechnung wurden Solaranlagen bis 30 Kilowatt Leistung berücksichtigt, die in den vergangenen zehn Jahren installiert wurden. Die Verteilung von Speichern, Autos und Wärmepumpen basiert auf einer repräsentativen Befragung von Hausbesitzer:innen. Kombinationen ohne Speicher flossen nicht ein, weil ihre Effekte gering ausfallen. Grundlage für den Vergleich der Strommengen war ein typischer Jahresverbrauch von 2500 Kilowattstunden pro Haushalt.

Quelle: Eon – Pressemitteilung per Mail

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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