E-Autos: Wer lädt, snackt, kauft ein oder chillt nebenbei

E-Autos: Wer lädt, snackt, kauft ein oder chillt nebenbei
Copyright:

Shutterstock / 2522452489

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Elektroautos fahren lokal emissionsfrei und sind gut fürs Klima – aber begünstigen sie womöglich ungesunde Ernährung? Das legen zumindest Daten einer Befragung von Civey im Auftrag von DA Direkt nahe: Denn Ladepausen beim Rasthof-Aufenthalt verleiten viele E-Fahrer zum Snacken. Während der Akku geladen wird, neigen viele Befragte dazu, eine Zwischenmahlzeit einzunehmen oder zu naschen, um die Wartezeit zu überbrücken. Werde das zur Regel und die Snacks zu ungesund und mächtig, könne die Ladepause zu Übergewicht führen: „Ladepositas“, warnt DA Direkt.

So gibt mehr als jeder zweite E-Autofahrer (51 Prozent) an, während des Ladevorgangs zu snacken oder zu essen. 31 Prozent erledigen Einkäufe oder Besorgungen, ein Viertel der Befragten ruhen sich aus oder genehmigen sich ein Nickerchen. Nur 6 Prozent nutzen die Zeit für Bewegung oder körperliche Ertüchtigung. Ein möglicher Grund: Die Aufenthaltsqualität an Ladestationen ist oft ausbaufähig, Sanitäranlagen fehlen und Überdachungen zum Schutz vor Sonne und Regen sind ebenfalls meist Mangelware.

DA Direkt

Unter den Störfaktoren bei öffentlichen Ladestationen dominieren unübersichtliche Preisstrukturen und Bezahlmöglichkeiten, zu wenige DC-Schnellladesäulen sowie eine geringe Aufenthaltsqualität vor Ort. Vermisst werden häufig Sanitäranlagen bei größeren Ladeparks sowie Überdachungen zum Schutz vor Regen oder Hitze während des Ladevorgangs.

„Langeweile beim Laden macht offenbar hungrig. Und wenn das Umfeld ungemütlich und die Aufenthaltsqualität gering sind, wird im Auto gerne gesnackt – nicht selten zu viel, zu fett und zu süß. Das kann langfristig zu Übergewicht führen – und kurzfristig kann zu schwere Kost die Konzentrationsfähigkeit auf der Weiterfahrt negativ beeinflussen“, sagt Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt.

Wenn die Reichweitenangst verfliegt

Gleichwohl rückt die praktische Erfahrung mit Elektroautos auf Langstreckenfahrten manches Vorurteil über die Elektromobilität in ein anderes Licht. Demnach empfinden 86 Prozent der E-Auto-Fahrer einen Stopp von bis zu 20 Minuten als angenehm, wenn sie in dieser Zeit mindestens 200 Kilometer Reichweite nachladen können. 35 Prozent bleiben selbst bei bis zu 30 Minuten entspannt. Ganz anders sieht es bei den Verbrenner-Fahrern aus: 43 Prozent von ihnen geben 10 Minuten als Toleranzgrenze für einen Ladestopp an, wobei die Frage für sie hypothetischer Natur ist.

„Zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt Erfahrung und die alltägliche Praxis relativiert viele Vorurteile. E‑Fahrer akzeptieren längere Ladefenster, solange Ladetempo und Reichweitengewinn stimmen. Dann wird der Ladestopp zum planbaren Teil der Gesamtreisezeit, der mitunter als willkommene Pause akzeptiert wird“, sagt Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt.

Ladeinfrastruktur mit Licht und Schatten

Ein ähnlich geteiltes Bild zeigt sich bei der Bewertung der Ladeinfrastruktur. Diese empfinden 38 Prozent der E-Autofahrer als gut. Unter den Verbrenner-Fahrern gehen lediglich zehn Prozent davon aus, auf ein ausreichendes Angebot zu treffen, wenn sie elektrisch unterwegs wären.

DA Direkt

Die Kehrseite dieser Ergebnisse: Selbst unter den elektrisch reisenden Autofahrern seien viele von der Ladeinfrastruktur in Deutschland nicht vollends überzeugt. „Ein Viertel beklagt aktuell eine zu geringe Zahl an Schnelllademöglichkeiten – während gleichzeitig immer mehr Fahrzeuge auf den Markt kommen, die bis zu 400 kW Spitzenleistung und damit mit hohem Tempo geladen werden können. Hier zeigen die Ergebnisse klaren Handlungsbedarf für Investitionen in die Infrastruktur auf. Der Ausbau der Infrastruktur muss mindestens mit dem technischen Fortschritt bei den Ladegeschwindigkeiten mithalten“, sagt Kfz-Versicherungsexpertin Künnemann.

Luft nach oben gibt es immer. Das gilt vor allem für die in Deutschland komplizierten Bezahlsysteme an den Ladesäulen. Für jeden Zweiten sind die intransparente Preisstruktur und unübersichtliche Bezahlmöglichkeiten seitens der Anbieter der größte Schmerzpunkt. Häufig werden spezifische Apps verlangt – eine einfache EC-Kartenzahlung wird hingegen kaum angeboten.

„Für Verbraucherinnen und Verbraucher zählt am Ende vor allem Verlässlichkeit – beim Laden, beim Fahren und bei den Kosten. Genau deshalb brauchen wir eine Infrastruktur, die mit dem tatsächlichen Nutzungsverhalten Schritt hält und Planungssicherheit schafft“, sagt Künnemann.

Quelle: DA Direkt – Pressemitteilung vom 29.04.2026

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Gutverdienenden

E-Auto-Interesse wächst – vor allem bei Gutverdienenden

Tobias Stahl  —  

Deutsche Autofahrer sind immer aufgeschlossener gegenüber Elektroautos. Das Interesse wächst aber nicht in allen Regionen und Schichten gleichermaßen.

Leapmotor T03 wird in Italien unter 5000 Euro verkauft

Leapmotor T03 wird in Italien unter 5000 Euro verkauft

Sebastian Henßler  —  

Leapmotor profitiert von Kaufprämien, Renault verliert an Schwung: Die Top 10 Westeuropas zeigen zum Jahresauftakt ein klar uneinheitliches Marktbild.

25,8 Prozent der Neuwagen im April waren E-Autos

25,8 Prozent der Neuwagen im April waren E-Autos

Daniel Krenzer  —  

Der Anteil derer, die sich für ein neues E-Auto entscheiden, steigt immer weiter. Reine Benziner verzeichnen indes einen starken Rückgang.

Akku im Elektro-Taxi nach 260.000 Kilometern fast wie neu

Akku im Elektro-Taxi nach 260.000 Kilometern fast wie neu

Daniel Krenzer  —  

Wie langlebig sind E-Auto-Batterien wirklich? Eine aktuelle Dekra-Untersuchung mit Elektro-Taxis aus München liefert überraschend klare Antworten.

Europas E-Auto-Markt boomt, Verbrenner fallen auf globales historisches Tief

Europas E-Auto-Markt boomt, Verbrenner fallen auf globales historisches Tief

Michael Neißendorfer  —  

Die fünf größten Automärkte Europas erleben ein Rekordquartal für Elektroautos. Verbrenner hingegen erreichen einen historischen Tiefstand.

Mehrheit in der Autoindustrie befürwortet Ende des Verbrenners

Mehrheit in der Autoindustrie befürwortet Ende des Verbrenners

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobilbranche ist in Vorreiter und Nachzügler gespalten. Die Mehrheit spricht sich für die E-Mobilität und strenge CO2-Grenzen aus.

E-Auto-Bestand 2030: Prognosen brechen deutlich ein

E-Auto-Bestand 2030: Prognosen brechen deutlich ein

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Prognose senkt die Erwartung an die Elektromobilität deutlich. Auch 2040 dürfte die klare Mehrheit der Pkw in Deutschland ein Verbrenner bleiben.