E-Autos: Wer lädt, snackt, kauft ein oder chillt nebenbei

E-Autos: Wer lädt, snackt, kauft ein oder chillt nebenbei
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Elektroautos fahren lokal emissionsfrei und sind gut fürs Klima – aber begünstigen sie womöglich ungesunde Ernährung? Das legen zumindest Daten einer Befragung von Civey im Auftrag von DA Direkt nahe: Denn Ladepausen beim Rasthof-Aufenthalt verleiten viele E-Fahrer zum Snacken. Während der Akku geladen wird, neigen viele Befragte dazu, eine Zwischenmahlzeit einzunehmen oder zu naschen, um die Wartezeit zu überbrücken. Werde das zur Regel und die Snacks zu ungesund und mächtig, könne die Ladepause zu Übergewicht führen: „Ladepositas“, warnt DA Direkt.

So gibt mehr als jeder zweite E-Autofahrer (51 Prozent) an, während des Ladevorgangs zu snacken oder zu essen. 31 Prozent erledigen Einkäufe oder Besorgungen, ein Viertel der Befragten ruhen sich aus oder genehmigen sich ein Nickerchen. Nur 6 Prozent nutzen die Zeit für Bewegung oder körperliche Ertüchtigung. Ein möglicher Grund: Die Aufenthaltsqualität an Ladestationen ist oft ausbaufähig, Sanitäranlagen fehlen und Überdachungen zum Schutz vor Sonne und Regen sind ebenfalls meist Mangelware.

DA Direkt

Unter den Störfaktoren bei öffentlichen Ladestationen dominieren unübersichtliche Preisstrukturen und Bezahlmöglichkeiten, zu wenige DC-Schnellladesäulen sowie eine geringe Aufenthaltsqualität vor Ort. Vermisst werden häufig Sanitäranlagen bei größeren Ladeparks sowie Überdachungen zum Schutz vor Regen oder Hitze während des Ladevorgangs.

„Langeweile beim Laden macht offenbar hungrig. Und wenn das Umfeld ungemütlich und die Aufenthaltsqualität gering sind, wird im Auto gerne gesnackt – nicht selten zu viel, zu fett und zu süß. Das kann langfristig zu Übergewicht führen – und kurzfristig kann zu schwere Kost die Konzentrationsfähigkeit auf der Weiterfahrt negativ beeinflussen“, sagt Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt.

Wenn die Reichweitenangst verfliegt

Gleichwohl rückt die praktische Erfahrung mit Elektroautos auf Langstreckenfahrten manches Vorurteil über die Elektromobilität in ein anderes Licht. Demnach empfinden 86 Prozent der E-Auto-Fahrer einen Stopp von bis zu 20 Minuten als angenehm, wenn sie in dieser Zeit mindestens 200 Kilometer Reichweite nachladen können. 35 Prozent bleiben selbst bei bis zu 30 Minuten entspannt. Ganz anders sieht es bei den Verbrenner-Fahrern aus: 43 Prozent von ihnen geben 10 Minuten als Toleranzgrenze für einen Ladestopp an, wobei die Frage für sie hypothetischer Natur ist.

„Zwischen Erwartung und Wirklichkeit liegt Erfahrung und die alltägliche Praxis relativiert viele Vorurteile. E‑Fahrer akzeptieren längere Ladefenster, solange Ladetempo und Reichweitengewinn stimmen. Dann wird der Ladestopp zum planbaren Teil der Gesamtreisezeit, der mitunter als willkommene Pause akzeptiert wird“, sagt Silvia Künnemann, Leiterin Product & Customer Experience bei DA Direkt.

Ladeinfrastruktur mit Licht und Schatten

Ein ähnlich geteiltes Bild zeigt sich bei der Bewertung der Ladeinfrastruktur. Diese empfinden 38 Prozent der E-Autofahrer als gut. Unter den Verbrenner-Fahrern gehen lediglich zehn Prozent davon aus, auf ein ausreichendes Angebot zu treffen, wenn sie elektrisch unterwegs wären.

DA Direkt

Die Kehrseite dieser Ergebnisse: Selbst unter den elektrisch reisenden Autofahrern seien viele von der Ladeinfrastruktur in Deutschland nicht vollends überzeugt. „Ein Viertel beklagt aktuell eine zu geringe Zahl an Schnelllademöglichkeiten – während gleichzeitig immer mehr Fahrzeuge auf den Markt kommen, die bis zu 400 kW Spitzenleistung und damit mit hohem Tempo geladen werden können. Hier zeigen die Ergebnisse klaren Handlungsbedarf für Investitionen in die Infrastruktur auf. Der Ausbau der Infrastruktur muss mindestens mit dem technischen Fortschritt bei den Ladegeschwindigkeiten mithalten“, sagt Kfz-Versicherungsexpertin Künnemann.

Luft nach oben gibt es immer. Das gilt vor allem für die in Deutschland komplizierten Bezahlsysteme an den Ladesäulen. Für jeden Zweiten sind die intransparente Preisstruktur und unübersichtliche Bezahlmöglichkeiten seitens der Anbieter der größte Schmerzpunkt. Häufig werden spezifische Apps verlangt – eine einfache EC-Kartenzahlung wird hingegen kaum angeboten.

„Für Verbraucherinnen und Verbraucher zählt am Ende vor allem Verlässlichkeit – beim Laden, beim Fahren und bei den Kosten. Genau deshalb brauchen wir eine Infrastruktur, die mit dem tatsächlichen Nutzungsverhalten Schritt hält und Planungssicherheit schafft“, sagt Künnemann.

Quelle: DA Direkt – Pressemitteilung vom 29.04.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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